Die bekannteste Bastei fällt nach über 100 Jahren

Von: Robert Esser
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Größtenteils abrissreif: Die Straßenecke mit der Bastei soll jetzt ein frisches Gesicht bekommen – aber die runde Silhouette des vorgelagerten Baukörpers im Erdgeschoss will der Bauherr erhalten. Foto: Robert Esser

Aachen. Der morbide Charme verfliegt, die einzigartige Silhouette landet im Vordergrund: An der stadtbekannten Bastei werden bald die Abrissbagger anrücken. Auf der Basis des ovalen Erdgeschosses soll an der Ecke Ludwigsallee/Krefelder Straße ein Appartementhaus für rund 45 Studenten entstehen.

„Wir werden die Pläne am 16. Juni im Architektenbeirat vorstellen“, erklärte Architekt Professor Hans Kahlen (AC-Projekte) am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Vor zwei Jahren war das Theater K dort nach fast 20 Jahren ausgezogen – vor allem brandschutzrechtliche Auflagen machten laut Kahlen einen weiteren Spielbetrieb in dem altehrwürdigen Gebäude problematisch.

Fast gleichzeitig wurde auch der Jakobshof an der Stromgasse geräumt (siehe Box unten). Jetzt stehen die Pläne für die beiden ehemals populären Kulturstätten fest. Konzerte, Theater und Partys wird es künftig nicht mehr geben.

Schon Jahrzehnte zuvor hatte die durchaus extrovertierte Bastei (der Name kommt wegen des schützenden Gemäuers von Bastion, Bollwerk) als schummrig-schöne Tanz- und Flirtplattform Kultstatus erlangt. Vor mehr als 100 Jahren war hier bereits ein Restaurant beheimatet. Im Krieg wurde die Immobilie erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Die Nachkriegsbebauung verwahrloste zusehends und steht nicht unter Denkmalschutz.

„Jeder kennt die Bastei aus früheren Zeiten“, sagt Kahlen, der jahrelang das Theater K in der Spielstätte unterstützte. „Wir haben nach langen Überlegungen entschieden, dort ein Studierendenhaus für 45 Bewohner zu errichten“, erklärt er. Dabei soll die runde Ecke des unteren Geschosses erhalten bleiben. „Wir möchten die ursprüngliche Silhouette betonen, gleichwohl aber einen markanten Bau an dieser stadtbekannten Ecke schaffen“, sagt der Architekt.

Das 1. Stockwerk soll abgerissen werden, dahinter wird großzügig entkernt, bevor der Neubau wächst – wahrscheinlich etwas höher als jetzt, der Originalgiebel war ebenfalls höher (siehe Zeitschiene oben). „Geplant ist im Erdgeschoss ein Innenhof, der einerseits als Treffpunkt für die Bewohner dient und andererseits hinter der Mauer den Verkehrslärm aussperrt“, erläutert Kahlen. In den oberen Stockwerken sei der Straßenlärm ohnehin kaum noch vernehmbar.

„Es ist leiser als man vermuten könnte.“ Problematisch sei zudem, dass es unmittelbar vor dem Gebäude keinerlei Parkplätze gebe. Aber für junge Leute, die vornehmlich mit dem Fahrrad unterwegs seien, sei dies wohl zu vernachlässigen, sagt er. Eine weitere Schwierigkeit des Bauvorhabens ist die Hanglage am Salvatorberg. Der Garten hinter dem Haus müsste etagenweise höher liegen.

Kahlen und seine Gesellschaft AC-Projekte sind zuversichtlich, dass der neue Entwurf für die Bastei im Architektenbeirat auf Wohlgefallen trifft. Der Bauantrag ist laut Kahlen bereits eingereicht. Wenn alle Zeichen auf Grün stehen, könnte das Bauvorhaben noch in diesem Jahr starten.

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