Die Anwohner setzen aufs Rad, wollen aber auch genug Parkplätze

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
14299551.jpg
Soll Teil einer Promenade mit gesteigerter Aufenthaltsqualität werden: der Suermondtplatz. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ausgewählt als eines von vier Modellprojekten des Förderprogramms „Aktive Mobilität in städtischen Quartieren“ soll das Suermondtviertel in den kommenden drei Jahren so gestaltet werden, dass zu Fuß gehen und Radfahren attraktiver wird.

Bei der Auftaktveranstaltung äußerten die Quartiersbewohner zentrale Anliegen: Entschärfung von Konfliktstellen zwischen den Verkehrsteilnehmern, Entzerrung vor den Schulen, Verhinderung von „Abkürzungsrouten“ für auswärtige Autofahrer und vor allem: keine weitere Einschränkung des Parkraums für Anlieger.

Rund 4000 Menschen leben in dem etwa 30 Hektar großen Viertel zwischen Theaterstraße, Wilhelmstraße, Kaiserplatz und Elisenbrunnen. Die Bevölkerung ist relativ jung – zu knapp 42 Prozent zwischen 18 und 29 Jahren – und fährt ohnehin schon verhältnismäßig wenig Auto: auf 1000 Einwohner kommen 294 Pkw. Ein Rahmenplan aus dem Jahr 2009 hat die Entwicklung im Viertel bereits vorangetrieben und beispielsweise für die Grünfläche an der Richardstraße gesorgt.

Von den täglich auf dem Aachener Stadtgebiet rund 1,3 Millionen zurückgelegten Wegen werden etwa 23 Prozent zu Fuß und 11 Prozent mit dem Rad zurückgelegt. Um diese Zahlen – besonders mit Blick auf das Suermondtviertel – weiter zu steigern, ist eine Fußgängerpremiumroute und eine Radvorrangroute (vom Frankenberger Viertel über das Suermondtviertel in die Innenstadt) geplant.

Eine Promenade entlang Harscamp-straße und Suermondtplatz soll die Aufenthaltsqualität steigern und Passanten zwischen Adalbert-straße und Bahnhof zum Verweilen einladen.

Großer Knackpunkt des Viertels: der Platz an der Kreuzung zwischen Harscampstraße, Schild- und Schützenstraße. Radfahrer können hier den Bürgersteig als Übergang für die direkte Verbindung zu Theater und Elisenbrunnen nutzen – Kollisionen mit Fußgängern und dem Autoverkehr auf der Harscampstraße können aber oft nur knapp abgewendet werden.

Begrüßt wurden bei der Auftaktveranstaltung im Martin-Luther-Haus der vorgesehene Ausbau von Car- und Bikesharing-Angeboten. Wichtiger als die Eröffnung weiterer Stationen ist den Bürgern die Erweiterung des Angebots: Cambio solle auch Transporter leihbar machen, und vom Pedelec-Anbieter Velocity sollen Lastenfahrräder und Anhänger mit Antrieb bereitgestellt werden.

So könnten auch Stadtbesucher aus den Randvierteln davon überzeugt werden, Einkäufe mit dem Rad zu transportieren. Ein weiterer wichtiger Punkt: mehr sichere und sinnvoll platzierte Radparkplätze.

„Park and Bike“

Auch Berufsschüler sollen durch Bikesharing und höhere Parkgebühren davon überzeugt werden, das Auto häufiger zu Hause zu lassen, oder im Rahmen eines „Park and Bike“ – Modells bereits außerhalb des Viertels zu parken.

Weiteres großes Problem in den Augen der Anwohner: rauchende Berufsschüler, die während der Pausen die Gehwege blockieren und dadurch vor allem Grundschülern den Schulweg erschweren. Vorgeschlagen wurde die Schaffung von Raucherbereichen auf dem Schulgelände oder dem Lehrerparkplatz an der Wespienstraße. Außerdem nötig: mehr Mülleimer, um die Straßenverschmutzung durch Abfall und Kippen zu reduzieren.

Im „Begegnungsbereich“ von Martin-Luther-Straße, Gottfriedstraße und Richardstraße wurde die Steigerung der Fußgänger-Sicherheit durch eine Verkehrsinsel angeregt. Außerdem muss verhindert werden, dass kundige Autofahrer den Weg durch das Viertel als Abkürzung nutzen – durch veränderte Ampelschaltung an der Theaterstraße oder sogar eine Zufahrtsreglementierung.

Umstritten ist, wie der begrenzte Platz auf den Straßen nun aufgeteilt werden soll. Die Stadt plant, in vielen Bereichen auf einen „Mischverkehr“ zwischen Fußgängern und Radfahrern zu setzen, um den Raum für motorisierten Verkehr und Parken nicht weiter einzuschränken. In der Lothringerstraße beispielsweise führt der in beide Richtungen laufende Radverkehr auf dem Gehweg jedoch schon jetzt immer wieder zu brenzligen Situationen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert