Die Aachener Mundart-Szene trauert um Helmi Thouet

Von: Werner Czempas
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Helmi Thouet hat gemeinsam mit ihrem Mann Hans-Josef sowohl unternehmerisch als auch für die Stadt viel geleistet. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Die große Familie des Öcher Platt ist traurig. Helmi Thouet, Mitbegründerin des Thouet-Preises zur Förderung der Aachener Mundart, ist am vergangenen Montag daheim in Rott gestorben. Erschöpft und ermattet nach langer Krankheit hörte ihr Herz einfach auf zu schlagen. Helmi Thouet wurde 78 Jahre alt.

Das Ehepaar Hans-Josef und Helmi Thouet schrieb eine staunenswerte wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Es ist die Geschichte vom Aufstieg einer Werbefirma, die 1962 als schlichter Zwei-Personen-Betrieb unter einfachsten Bedingungen im privaten Wohnzimmer in der Augustastraße startete und nach Jahren harter Arbeit von Erfolg zu Erfolg immer weiter aufwärts führte und im Neubau des großen gläsernen Agentur-Komplexes an der Aachener-und-Münchener-Allee gipfelte.

Ohne Helmi Thouet hätte es die Thouet-Werbeagentur in dieser Form nicht gegeben. Eine Agentur, die sich – in Aachen fernab der branchenspezifischen Werbeschiene Hamburg-Düsseldorf-München – behauptete und bundesweit renommiert ist. Helmi Thouet steuerte Ideen bei, kreativ, kritisch, diskussionsfreudig, hartnäckig, zielstrebig, willensstark, aber immer verbindlich und auch, so es sein musste, knallharte Geschäftsfrau. Sie war eine Macherin. Sie war in der Firma, salopp gesagt, die „Mutter der Kompanie“, die sich nicht nur um den unternehmerischen Erfolg kümmerte, sondern sich auch der privaten Probleme von Mitarbeitern annahm.

Bescheiden in der zweiten Reihe

Das Menschliche stand bei Helmi Thouet immer im Vordergrund. Es war ihr wichtig, vom Erfolg des Hauses Thouet dankbar „etwas zurückzugeben“, wie sie es selbst sagte. Sie half. Sie organisierte Benefizveranstaltungen und übernahm Schirmherrschaften, unter denen die „Hilfe für krebskranke Kinder“ als eine von vielen hervorzuheben ist. Sie hatte ein Herz für Kinder in Not. Bei ihren Wohltätigkeiten drängte sie nie auf die Bühne, sie blieb bescheiden in der zweiten Reihe. Helmi Thouet gab, um zu geben. Das strenggläubige Ehepaar Thouet unterstützte den Dom und Pfarreien.

In Rott führte die Familie ein großes und gastfreundlich offenes Haus. „Tout Aachen“ ging ein und aus, feierte große Feste oder nahm teil an kleinen Gesprächskreisen mit thematischem Schwerpunkt. Helmi Thouet glänzte als sympathische Gastgeberin, sorgte für Atmosphäre, Herzlichkeit, Wohlbefinden. Jeder fühlte sich aufgehoben. Abende bei Thouets taten gut. Hier wurden Verbindungen gefördert, die von der Politik über Kirchen und Verwaltungen bis in die Hochschulen wirkten und sich über den Tag hinaus im gesellschaftlichen Leben und zum Wohle der Stadt Aachen bewährten. Viele in Aachen haben viel zu danken.

Groß ihr Beitrag zum Thouet-Mundartpreis. Die Idee des Sohnes Christophe, mit einem Förderpreis etwas Nachhaltiges für die Aachener Mundart zu tun, förderte Mutter Helmi von Anfang an als Mitglied des Kuratoriums seit dessen Gründung im Jahr 1985. Wie in ihrer Firma hielt sie dabei mit ihrer Meinung und konstruktiver Kritik nicht zurück, wenn sie glaubte, Fehler zu sehen. Es schmerzte sie, in den letzten vier Jahren an der traditionellen Preisverleihung am Dreikönigstag, 6. Januar, im Krönungssaal nicht mehr teilnehmen zu können. Die Gesundheit ließ es nicht mehr zu, Sehen und Gehen fielen schwer.

Der Tod ihres Sohnes Christophe tat ein Übriges. Helmi Thouet litt. Seitdem gilt im Hause Thouet eine andere Zeitrechnung. „1 Jahr, 1 Monat und 1 Tag folgt sie ihrem geliebten Sohn Christophe nach“, formuliert die Familie. Als Helmi Thouet nach mehrmonatigem Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation vor zwei Wochen wieder daheim in Rott vor ihrem Haus stand, seufzte sie auf und sagte: „Ich habe es geschafft, wieder nach Hause zu kommen.“ Und weinte.

Es weinen alle, die sie gekannt haben.

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