Dicke Luft an der Wilhelmstraße: VCD fordert Umweltzone

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Es herrscht dicke Luft an der Wilhelmstraße: Wie das Landesumweltamt auf AZ-Anfrage bestätigte, wurde der Grenzwert für Feinstaub am dortigen Messpunkt bis Ende September bereits 39 Mal überschritten.

Erlaubt sind vom Gesetzgeber nur 35 Tage für ein ganzes Jahr. Der Kreisverband Aachen-Düren des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) schlägt daher Alarm. „Die Einführung einer Umweltzone darf nun kein Tabu mehr sein“, meint VCD-Vorsitzender Ralf Oswald. Doch die Stadt sieht das anders.

Spätestens seitdem die Arbeiten an der Großbaustelle „Aquis Plaza“ direkt am Kaiserplatz richtig Fahrt aufgenommen haben, schießen die Feinstaubwerte regelmäßig in die Höhe – und bereits 39 Mal in diesem Jahr über die erlaubte Grenze hinaus. „Das ist ein Problem“, gibt Harald Beckers vom städtischen Presseamt zu und meint, dass dies sicherlich direkt mit den Bauarbeiten zusammenhänge.

Täglich rollen unzählige schwere Sattelschlepper aus der Baugrube auf die Straße. Eine Belastung für Luft und Leute. Man sei sich des Problems bewusst, sagt Beckers. Dass die Stadt dem Großprojekt erst vor kurzem eine zweite Baustellenausfahrt über den Suermondt-Platz genehmigte, verschärft die Lage im gesamten Gebiet weiter.

Eine akute Verbesserung der Luftqualitätswerte sei nur möglich, wenn man das Bauprojekt stoppen würde. „Das ist weder realistisch noch möchte das jemand in der Stadt“, gibt Beckers zu bedenken. So heißt die Maxime: Augen zu und durch, oder besser: Nase zu und Luft anhalten. Noch bis zu zwei Jahre wird es dauern, bis der Einkaufstempel am Kaiserplatz steht.

Der VCD regt nichtsdestotrotz an, mehr Anstrengungen zu unternehmen, damit weniger Menschen in Aachen ins Auto steigen, um so die Luftqualität zu verbessern. Für mehr als die Hälfte der Wege würde das Auto benutzt. „In Städten wie Freiburg oder Münster sind es dagegen weniger als 40 Prozent“, so der VCD. Nur an zwei Messstationen in NRW gebe es mehr Überschreitungen als an der Aachener Wilhelmstraße.

„Unsere Kurgäste kommen nach Aachen, um ihre Gesundheit zu stärken. Man sollte ihnen raten, sich im Freien die Nase zuzuhalten“, meint Oswald und mahnt an, dass die Bedingungen für Radfahrer und Busfahrgäste weiterhin alles andere als komfortabel seien.

Beim zweiten Luftmesspunkt Aachen-Burtscheid liegt dagegen alles im grünen Bereich. „Dort haben wir neun Überschreitungstage bis zum 13. November verzeichnet“, teilt Peter Schütz, Pressesprecher des Landesumweltamts, mit. Damit liegt das Kurgebiet deutlich unter der Maximalgrenze von 35 Tagen.

Ganz anders an der Wilhelmstraße: Dort setzt man von Seiten der Stadt erstmal auf die Herbst- und Winter-Witterung, die erfahrungsgemäß die Feinstaubbelastung verringert. Nicht nur deshalb sehe man von Verwaltungsseite keinen Anlass, über eine Umweltzone in der City zu diskutieren. Darüber hinaus setze man auf insgesamt 40 weitere Maßnahmen, um die Luftqualität in Aachen zu verbessern, betont Beckers.

Dabei hat man nicht nur den motorisierten Verkehr im Blick. Auch mehr Elektrofahrräder und ein Ausbau das Radwegenetzes plant man unter anderem von Verwaltungsseite. Aber: „Das größte Problem in Sachen Luftqualität ist und bleibt der Autoverkehr“, gibt Beckers zu.

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