„Dialog der Religionen“: Miteinander reden statt nur übereinander

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Gemeinsam unterwegs auf dem Weg des friedlichen Miteinanders: Zahlreiche Beiträge sorgten beim Friedensmahl im Rahmen des "Dialogs der Religionen" für konstruktive Auseinandersetzungen zwischen Bekenntnissen und Kulturen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Er kommt aus Düsseldorf, sie hat eine österreichische Mutter. Er legt sonntags einen schwarzen Talar an, sie trägt täglich Kopftuch. Hans Christian Johnsen, Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche in Eilendorf, und Jasmina Momen, engagiert im Islamischen Zentrum Bilal-Moschee, repräsentierten als Moderatoren des sechsten Friedensmahls der Religionen im Ballsaal des Alten Kurhauses ein ziemlich vielfältiges Aachen.

Zugleich fühlten sie sich sofort miteinander vertraut, als sie sich zur Vorbereitung der Moderation trafen. „Viele reden übereinander, wir lieber miteinander“, formulierten sie das Credo des Dialogs, das auch beim für alle offenen Friedensmahl über allem steht.

Das betonte ebenso die Integrationsbeauftragte der Stadt Aachen, Heidemarie Ernst: „Natürlich kamen nach den massiven Übergriffen auf Frauen in Köln viele kritische Fragen zum Islam. Ich habe die Menschen für heute eingeladen, und sie sind gekommen“, freute sich Ernst. „Denn hier ist der richtige Ort dafür, diese Fragen zu stellen.“ Ein respektvoller Umgang miteinander ermögliche eben auch, schwierige Themen zu verhandeln.

Dass das in Aachen funktioniere – die Organisatoren registrieren ein stetig wachsendes Interesse am „Dialog der Religionen“ im Allgemeinen und am Friedensmahl im Besonderen – darauf sind viele stolz. „Es ist eben nicht selbstverständlich, dass Fremde zu Freunden werden“, sagte Bürgermeisterin Hilde Scheidt bezugnehmend auf das diesjährige Motto des Friedensmahls. „Hier hat man es immer verstanden, miteinander Lösungen zu finden.“ Deshalb sei Aachen eine weltoffene und tolerante Stadt, die bisher allen Provokationen von NPD, Pegida und AFD widerstanden habe. „Die jetzigen Probleme machen uns nicht bange.“

Ulla Schmidt, Vizepräsidentin des Bundestages, zeigte sich auch wegen des Dialogs der Religionen stolz auf ihre Heimatstadt. „Um sich auf Augenhöhe zu begegnen, braucht es Wissen voneinander. Dann können wir gemeinsam für eine inklusive Gesellschaft, die soziale Teilhabe für alle ermöglicht, streiten“, appellierte sie, bevor sie sich in die Diskussion an einem der acht Dialogtische einmischte.

Normalerweise treffen sich beim „Dialog der Religionen“ Menschen, die von den sechs verschiedenen Glaubensrichtungen und verschiedenen Gemeinden entsandt wurden. Das Friedensmahl gilt auch deshalb als Höhepunkt aller Aktivitäten des „Dialogs der Religionen“ im Jahr, weil daran alle Interessierten teilnehmen können. Insgesamt will der Dialog aber zukünftig nach außen stärker wahrnehmbar werden „Das ist unser neu formuliertes Ziel“, erklärte Ernst.

Die Ergebnisse der Streitgespräche zwischen Vertretern von verschiedenen Religionsgemeinschaften und Kulturen sah Johnsen deshalb ebenso als Teil des Dialogprozesses. „Es geht um Kontakte, um Vertrauen, um Denkanstöße.“ Und Momen ergänzte: „Diese Treffen haben immer eine unglaublich motivierenden Wirkung. Wir lassen uns von der Schwere der Welt nicht unterkriegen und vom Weg aufeinander zu nicht abbringen.“

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