DGB-Demo zum 1. Mai setzt auf neue Einsichten in der Krise

Von: Matthias Hinrichs
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Kampfbereit, dennoch gut gelaunt: So soll auch die diesjährige Maikundgebung der Gewerkschaften auf dem Markt über die Bühne gehen. Angesichts der aktuellen Konjunkturkrise setzt der DGB auf wachsende Unterstützung, wenn es darum geht, die Rechte und Ansprüche der Arbeitnehmer zu stärken. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Während Börsen und Banken allenthalben wanken, marschieren die Gewerkschaften umso entschlosseneren Schrittes: „Arbeit für alle bei fairem Lohn” - unter diesem Motto ruft auch der DGB in der Region Aachen zur traditionellen Kundgebung am 1. Mai, dem Tag der Arbeit.

„Leider”, blickt dessen Vorsitzender Heinz Kaulen auf die aktuellen dramatischen Verwerfungen in den Finanz- und Wirtschaftsmärkten, „haben wir mit unseren Warnungen Recht behalten, dass der Stab der Deregulierung angesichts einer überschaubaren Zahl von Raffkes und Zockern stärker geschwungen werden muss.”

Nun endlich sei die Botschaft auch bei den Regierenden und in der liberalen Opposition im Bund angekommen: dass nur ein starker Staat der „verfehlten Arithmetik von 20- bis 25-prozentigen Renditen” bei allenfalls minimalen Ertragszuwächsen wirksam entgegentreten könne. „Plötzlich redet eine Angela Merkel von Verstaatlichung, und selbst Guido Westerwelle spricht von sozialer Gerechtigkeit, ohne dass man das Gefühl hat, er müsse sich dabei übergeben”, so Kahlen.

Umso entschiedener müsse jetzt klar gemacht werden, „dass wir keine kosmetischen Maßnahmen brauchen, wenn wir die Märkte im Sinne sicherer Arbeitsplätze stabilisieren wollen, sondern eine wirkliche Zivilisierung der Globalisierung, die dem ungezähmten Kapitalismus auf internationaler Ebene vernünftige Fesseln anlegt.” Unter allen Umständen sei zu verhindern, „dass die Arbeitnehmer die Krise ausbaden müssen.” Deshalb müsse jetzt mit neuem Elan mobil gemacht werden gegen Lohndumping und Rente ab 67, gegen Geschäftsmodelle, bei denen Belegschaften ausgebeutet würden und sich viele nur durch ergänzende staatliche Leistungen über Wasser halten könnten, für neue Formen der Mitbestimmung. Diese Erkenntnis dokumentiere sich durchaus auch in einer neu wachsenden Akzeptanz des gewerkschaftlichen Engagements. Kaulen: „Ich glaube, es hat ein Nachdenken in der Gesellschaft eingesetzt.”

Eine trockene Angelegenheit soll die Demo aus Sicht der Organisatoren dabei freilich allein unter wettertechnischen Gesichtspunkten werden, verspricht Gewerkschaftssekretärin Karin Bernhardt. Um 10 Uhr setzt sich die Kundgebungskolonne am DGB-Haus an der Dennewartstraße in Bewegung. Über Jülicher Straße, Blücherplatz, Rehmplatz, Ottostraße, Kaiserplatz, Elisenbrunnen, Hartmann- und Krämerstraße marschieren die Demonstranten, begleitet von der OakCity-Jazzband aus Maasseik, zur Kundgebung auf dem Markt.

Dort spricht Rainer Hoffmann, Stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes. Gegen 11.30 Uhr startet ein großes Familienfest, garniert mit Live-Musik der Lokalmatadoren von „Lagerfeuer”, kurdischer und spanischer Folklore sowie buntem Kinderfest, das maßgeblich vom Circus Gioco gestaltet wird.
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