Aachen - Dezernentin Gisela Nacken wird Opfer einer „Spionage”-Klamotte

Dezernentin Gisela Nacken wird Opfer einer „Spionage”-Klamotte

Von: Stephan Mohne
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Emotional getroffen: Dezernentin Gisela Nacken ist in Bezug auf das Verkehrskonzept für die Hörn zum Opfer einer internen „Spionage”-Geschichte der dortigen Bürgerinitiative geworden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Gisela Nacken hat angesichts ihrer exponierten Position schon manche Beschimpfung hinnehmen müssen. Doch was der Planungsdezernentin jetzt widerfahren ist, das ist in ihrem Erfahrungsschatz neu. Die Geschichte gipfelte darin, dass sie sich deswegen im jüngsten Verkehrsausschuss auslachen lassen musste.

Dabei war sie - wie sich später herausstellte - Opfer einer Trickserei. Ort, Thema und Hauptdarsteller der Handlung: die Hörn, der Verkehr, die Bürgerinitiative.

Was war passiert? Seit einiger Zeit, so sagt Hörn-Bewohner Uwe Scherf auf Nachfrage unserer Zeitung, hege die Bürgerinitiative, die sich mit dem Verkehrskonzept zum Campus Melaten befasst, einen Verdacht: „Ergebnisse unserer internen Sitzungen landeten auf unerklärliche Weise bei der Politik oder der Verwaltung.”

Also sah man „Handlungsbedarf” und heckte einen Plan aus. Eine fingierte E-Mail ging an den internen Verteiler - ungefähr 20, 25 Leute. Sinngemäßer Inhalt: Für einen Fernsehbeitrag wolle man einen Autokorso fingieren und für „gewisse verkehrsverdichtende Maßnahmen” sorgen. Mit anderen Worten sollte in dem TV-Beitrag der Eindruck eines massiven Verkehrsproblems auf der Hörn untermauert werden.

Tatsächlich erreichte dieses Schreiben auch Gisela Nacken, die selbstredend empört über den offensichtlichen Betrug war. Das tat sie so auch im Verkehrsausschuss vor versammelter Bürgerschaft, Politik und Verwaltung kund. Und erntete aus den Anwohnerreihen Gelächter.

Am Donnerstagabend kurz nach der Sitzung - punkt 19.40 Uhr - erreichte die Spitzenbeamtin eine weitere E-Mail - diesmal von Uwe Scherf. Zitat: „Ich möchte mich persönlich bei Ihnen bedanken! Seit längerer Zeit schon vermuteten wir ein größeres Leck in unserem Verteiler. Dank Ihres freundlichen Hinweises auf der Sitzung wurde aus dieser Vermutung nun Gewissheit.”

Weiter: „Der Aufruf zum Autokorso war von langer Hand vorbereitet und erschien uns als probates Mittel, um den Beweis führen zu können. Die Jüngeren würde die Aktion als gelungenen Fake bezeichnen.” Anders gesagt: Die Dezernentin war zum Spielball interner „Spionage”-Klamotten der Bürgerinitiative geworden. Scherf schließt mit den Worten: „Außerdem bitte ich um Entschuldigung, dass Sie heute doch arg strapaziert wurden, aber das gehört zum Spiel.”

Gisela Nacken indes ist emotional betroffen: „Das ist einfach enttäuschend. Und das ist keineswegs ein Spiel.” Die Verwaltung habe einen harten Job gemacht, schließlich gab es unterschiedlichste Meinungen möglichst unter einen Hut zu bringen. Dafür erntet Nacken übrigens auch vom „politischen Gegner”, der CDU, höchstes Lob und Anerkennung. „Das hätte die Bürgerinitiative gar nicht nötig, sie hat doch gute Argumente”, sagt die Dezernentin.

Uwe Scherf scheint indes etwas überrollt davon, welche Dimension der „Fake” angenommen hat und betont: „Wir wollten keineswegs Frau Nacken persönlich treffen. Wir haben sie vielmehr als ruhige und sachliche Gesprächspartnerin kennengelernt.”

Das die Aktion nun sie getroffen hat, ist demnach eine Art „Kollateral-Schaden”. Die vorgetäuschte Aktion habe möglichst „reißerisch” sein müssen, damit der „Maulwurf” sie auch wirklich weitergebe.

Und Scherf verteidigt die Aktion: „Wir haben tausende Stunden Arbeit investiert - und jedesmal wussten die Gegenseite sofort von unseren Plänen.” Die Bürgerinitiative sieht sich von Politik und/oder Verwaltung „infiltriert”. Im Hinblick darauf, dass es nach dem Beschluss im Verkehrsausschuss nun richtig losgehe, habe man das Leck abdichten wollen.

Gisela Nacken fällt dazu nur noch eine Formulierung ein: „Einfach nur dreist.”
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