Aachen - Deutscher EM-Auftakt: In Vuvuzelas geblasen, auf Regeln gepfiffen

Deutscher EM-Auftakt: In Vuvuzelas geblasen, auf Regeln gepfiffen

Von: Robert Esser
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Ausnahmezustand im Pontviertel
Ausnahmezustand im Pontviertel: Hunderte Fußballfans bejubelten das Abbrennen von Bengalischen Feuern mitten auf der Straße. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften hat die Polizei in der Nacht zum Sonntag ausufernde Jubelorgien im Aachener Pontviertel nach dem Sieg der deutschen Elf gegen Portugal im Zaum halten müssen - obwohl lediglich das erste Vorrundenspiel der EM anstand.

Tausende junge Fans feierten - teils angetrunken und aggressiv - mitten auf der Straße. Dabei wurden in der Menschenmenge mehrere Bengalische Feuer gezündet. Vereinzelt gab es Schlägereien. Mindestens eine Person wurde verletzt.

„Insgesamt muss man aber sagen, dass wir nicht mehr Prügeleien gezählt haben als dies leider an normalen Sommer-Wochenenden ohnehin üblich ist”, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Erfahrene Beamte vor Ort wunderten sich allerdings am Abend zuvor, dass ein Vorrundensieg bereits „Feierlichkeiten” in dieser Dimension auslöst. „Früher gab es den Autokorso ab Viertelfinale. Heute scheint jeder Anlass genug zu sein, um eine riesige Party zu veranstalten”, sagte ein Polizist.

Nach dem Abpfiff drängelten sich Autos auf dem Grabenring - vor allem Richtung Pontviertel. Die Polizei riegelt die Straße für den Verkehr ab. Vor den Augen der Beamten spielten sich halsbrecherische Manöver ab: Junge Menschen „surften” mit Deutschland-Fahnen auf Autodächern, viele Mitfahrer in Trikots und mit allerlei Fan-Devotionalien nahmen statt auf den Autositzen in Seitenfenstern oder im Kofferraum Platz. Man blies in Vuvuzelas und pfiff auf Verkehrsregeln. Um Eskalationen zu vermeiden, drückte die Polizei - die mit mehreren Streifenwagen den Autokorso begleitete - meist beide Augen zu und griff nur bei schwerwiegenden Fällen ein. Zum Beispiel an der Ecke Bergdriesch/Seilgraben: Da kletterten Fans aus dem 1. Stockwerk übermütig auf die Lichtreklame eines Schnellimbisses und bewarfen Busse mit Eiern etc. Bis weit nach Mitternacht herrschte „Ausnahmezustand” im studentischen Partyviertel.

Trotzdem verzeichneten die drei Teams des Ordnungsamts weniger Beschwerden wegen Lärmbelästigungen als sonst. „Die Bilanz der Nacht kann sich sehen lassen. Es wurde ausgiebig gefeiert, aber es gab keine nennenswerten Beanstandungen”, sagte Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke. Und fügte hinzu: „Wir gehen davon aus, dass es beim Spiel gegen die Niederlande genauso friedlich bleibt.”

Besonders groß war der Andrang am Samstagabend beim einzigen Public Viewing der Stadt im Kapuziner Karree. Auch dort waren zig Polizisten und ein privater Sicherheitsdienst im Einsatz. Bereits vor dem Anpfiff des Deutschlandspiels hieß es: „wegen Überfüllung geschlossen”. Mehr als 1500 Fußballfans fanden vor der knapp 20 Quadratmeter großen Leinwand unter freiem Himmel Platz. Ernsthafte Zwischenfälle gab es nicht. „Schon um 23 Uhr war der Platz geräumt, das lief wirklich vorbildlich”, lobte ein Polizeisprecher.

Offenbar hielten sich auch anderswo die Kneipiers an die Vereinbarungen mit der Stadt und schalteten 20 Minuten nach Spielende den Ton der Fernseher auf den Außengastronomieflächen ab. Den hätte man allerdings im Getöse der Partynacht unter freiem Himmel ohnehin nicht mehr gehört. Erst in den frühen Morgenstunden beruhigte sich die Lage im Pontviertel wieder. Die Polizei hob die Absperrungen auf. Eine ganze Kolonne des Stadtbetriebs beseitigte am Sonntagmorgen massenhaft Müll und Scherben, die das Feiervolk zurückgelassen hatte.

Bei den Ordnungsbehörden laufen nun die Vorbereitungen für das EM-Match gegen Holland. Am Mittwoch, ab 20.45 Uhr, wird dann wiederum ein Großaufgebot an Polizeikräften nötig sein, um die Partymeile zwischen Ponttor und Markt in Grenzen zu halten.
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