Aachen - Deutsch-niederländischer Appell an Bombardier

Deutsch-niederländischer Appell an Bombardier

Von: Oliver Schmetz
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Weihnachtsbasar, bei Bombardier, Jülicher Straße, mit gr. Postkartenaktion

Aachen. Und noch einmal Post für die obersten Bombardier-Bosse: Neben den bis zu 8000 Protest-Postkarten, die die Aachener wie berichtet in diesen Tagen an den Vorstandsvorsitzenden des kanadischen Weltkonzerns, Pierre Beaudoin, schicken können, geht auch ein offener Brief aus Aachen über den großen Teich.

Adressat ist hierbei dessen Vater Laurent Beaudoin, „Chairman of the board“ und damit Aufsichtsratsvorsitzender bei Bombardier, unterzeichnet haben das Schreiben NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD), Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und der Gouverneur der niederländischen Provinz Limburg, Theo Bovens.

Der Tenor des Briefes ist klar: Der Aufsichtsratsvorsitzende Beaudoin, der zur Zeit der Übernahme des traditionsreichen Aachener Talbotwerks 1995 noch Chef des operativen Geschäfts bei Bombardier war, möge doch die Entscheidung seiner deutschen Geschäftsführung, das fast 175 Jahre alte Aachener Werk mit rund 600 Beschäftigten zu schließen, noch einmal überdenken. Und dabei appellieren Schneider, Philipp und Bovens keineswegs an Beaudoins nostalgische oder gar karitative Ader, sondern führen knallharte wirtschaftliche Erwägungen und Argumente an: „Die Erhaltung des Werkes“, heißt es in der deutsch-niederländischen Koproduktion, „könnte unserer Meinung nach sogar profitabler für Bombardier sein als seine Schließung.“

Dabei beziehen sich die Briefautoren unter anderem auf die aktuellen Prognosen für die zukünftige Geschäftsentwicklung der gesamten Bahnindustrie, in denen von Umsatzsteigerungen von 13 Prozent innerhalb eines Jahres gesprochen wird, was der zweithöchste Wert in der Branchengeschichte wäre. Verkündet hat diese positiven Zahlen übrigens der Vorsitzende der Bombardier-Geschäftsführung in Deutschland, Michael Clausecker, in seiner Funktion als Verbandspräsident – und das exakt zwei Tage bevor die Schließung des Aachener Standorts bekannt wurde. Da in ganz Europa verkehrspolitisch mitunter gar von einer „Renaissance der Schiene“ die Rede sei, „erscheint es unerklärlich, ein produktives und profitables Werk zu schließen und damit ein Werkzeug für zukünftiges Geschäft aus der Hand zu geben“, schreiben Schneider, Philipp und Bovens.

Aufträge „liegen auf der Straße“

Außerdem verweisen sie auf „die zahlreichen kurz- und mittelfristigen Geschäftspotenziale für das Aachener Werk“ – etwa anstehende Auftragsvergaben in NRW, bei der niederländischen Staatsbahn und der Regionalbahn der Provinz Limburg. Daneben „liegen eine Vielzahl von Umbau-, Wartungs- und Reparaturaufträgen förmlich auf der Straße, die es erlauben würden, gewisse kurzfristige Auftragslöcher zu überbrücken“, heißt es in dem Brief. Und nicht zuletzt legt man Bombardier auch die „großen Zukunftspotenziale“ in der Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen ans Herz, die genau die Kompetenz auf Weltniveau biete, die Bombardier als innovatives Unternehmen benötige. Kurzum: Es gebe durchaus Ansätze, durch Kooperationen und Beteiligungen einen Verbleib von Bombardier am Standort Aachen auch kurzfristig wirtschaftlich darstellbar zu machen.

Dass der Brief an Laurent Beaudoin gerichtet ist, hat wohl auch persönliche Gründe. Schließlich könne dieser nun abwägen, ob er seine 1995 getätigte Zusage, dass die Übernahme von Talbot durch Bombardier keine Gefahr für den traditionsreichen Standort darstelle, nicht doch einhalten wolle, schließt das Schreiben.

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