Aachen - Deutsch-Israelische Gesellschaft: Untreue, Querelen und ein Rücktritt

Deutsch-Israelische Gesellschaft: Untreue, Querelen und ein Rücktritt

Von: Stephan Mohne
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Hat nach 38 Jahren seinen sofortigen Rücktritt als DIG-Vorsitzender erklärt: Axel H.A. Holst.
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„Das Ausmaß hat unsere schlimmsten Befürchtungen übertroffen“: DIG-Vize Jörg Lindemann.

Aachen. Ein Finanzskandal, interne Querelen, ein Rücktritt: Der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Aachen droht das Aus. Am Sonntag hat Vorsitzender Axel H.A. Holst sein Amt niedergelegt. Und das nach 38 Jahren an der Spitze der Gesellschaft, die rund 200 Mitglieder – darunter viele prominente Aachener – zählt.

Holst bestätigte eine entsprechende Information der AZ ebenso wie sein Stellvertreter, CDU-Ratsherr Jörg Lindemann. Zu seinen Beweggründen wollte Holst keinen Kommentar abgeben. Fakt ist jedoch, dass die anderen Vorstandsmitglieder ihn aufgefordert hatten, umgehend abzudanken. Weil zunächst keine Reaktion erfolgte, lud Lindemann von sich aus für Montag zu einer Vorstandssitzung ein. Daraufhin gab es doch noch den Rücktritt.

Vordergründig ist das eine Personalgeschichte. Die Hintergründe aber könnten die DIG ihre Existenz kosten und zudem in ein Insolvenzverfahren münden. Vor Monaten hatten Vorstandsmitglieder den Verdacht, dass mit der Kasse des Vereins etwas nicht stimmt. 5000 Euro Einnahmen werden pro Jahr verbucht, und eigentlich wird nur wenig ausgegeben. Dennoch schien es statt einem satten Plus ein Minus auf dem Konto zu geben.

Es wurde genauer hingeschaut. Da war der Schock groß. Nach Informationen der AZ stellte man fest, dass allein in den vergangenen vier Jahren rund 21.000 Euro vom Vereinskonto unterschlagen worden waren. Rund 18.500 davon sollen Barabhebungen sein, für deren Verwendung es keinerlei Belege gab. In einem Jahr soll es über 100 Barabhebungen gegeben haben, die nicht für DIG-Zwecke verwendet wurden.

Andere Gelder sollen per EC-Karte für Dinge wie Tanken oder Abschleppkosten zweckentfremdet worden sein. Auch Bankgebühren und Überziehungszinsen – die es ja eigentlich nicht hätte geben dürfen – summierten sich. „Das Ausmaß hat unsere schlimmsten Befürchtungen übertroffen“, bestätigte Lindemann auf AZ-Nachfrage „finanzielle Unregelmäßigkeiten“.

Gerne hätte man weiter in die Vergangenheit geblickt, doch aus den Vorjahren waren die Unterlagen „entsorgt“ worden. Der damalige Schatzmeister soll letztlich die Abbuchungen eingestanden haben. Er trat zurück. 6500 Euro seien bis heute zurückgezahlt worden, der Rest soll in Raten folgen. Den Kassenprüfern seien die Unregelmäßigkeiten nicht aufgefallen. Manches in der DIG sei auf „Treu und Glauben“ gelaufen, sagt Lindemann.

Eine Strafanzeige ist in dieser Sache bisher nicht erstattet worden. Dass nun die Staatsanwaltschaft auf den Plan tritt, dürfte wohl sicher sein.

Lindemann & Co. werfen Holst vor, er müsse von der durch die vielen Abzweigungen dramatisch schlechten Finanzlage des Vereins schon länger gewusst haben. So habe er noch im Frühjahr den Dispo des Kontos erhöht. Bei Vorstandssitzungen seien offenbar geschönte Zahlen auf den Tisch gekommen.

Zwischenzeitlich wurde von bislang unbekannter Seite das Finanzamt eingeschaltet. Der DIG droht nun die Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Steuernachforderungen über Jahre hinweg könnten die Folge sein. Dann wäre die Insolvenz unabwendbar. Jetzt will man im Gespräch mit dem Finanzamt versuchen, das Blatt noch zu wenden, um einen Neubeginn starten zu können.

Auch zu den Finanzen wollte Holst am Montag nichts sagen. In seinem per Mail verschickten Rücktritt bekundet er, „Schaden für die DIG Aachen“ abwenden „sowie weiteren Spekulationen, Gerüchten, Unterstellungen den Boden“ entziehen zu wollen. Ausdrücklich weist Holst „sämtliche mir unterstellten Manipulationen“ zurück.

Die DIG setzt sich für ein gutes Verhältnis zwischen Deutschland und Israel ein. Seit 2005 wird ein Ehrenpreis verliehen, der unter anderem an Iris Berben und Jürgen Rüttgers ging. Die umstrittene Verleihung an Henryk M. Broder führte 2011 zu Austritten, darunter dem von Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne). 2015 hatte es intern heftigen Streit gegeben. Weil in den Gremien zwei Mitglieder des rechten Randes der AfD saßen, legte FDP-Ratsherr Peter Blum sein Beiratsmandat nieder. Dem Vorsitzenden Holst wurde zögerliches Handeln gegen einen Rechtsruck in der DIG vorgeworfen.

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