Designprojekt von FH-Studenten: Kühlschrank zentriert Familien

Von: Luisa Thomé
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„Neue Zeiten für Familie“: Im Cineplex-Kino stellten Aleksander Poldig (FH Aachen), Moritz Stürz (Cineplex), Professor Matthias Knezy-Bohm (FH Aachen), Helena Stiebler (Studentin), Marcel Philipp, Rene Blanche (Schauspielschule) und Rouven Hupp (Student) den Image-Film vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Lisa will zum Schwimmen. Fynn muss in die Kita. Mama hat einen Termin beim Bürgerservice. Und wie kommt Opa denn zum Arzt, wenn keiner zu Hause ist? Wenn Mama Fynn in die Kita fährt, dabei den Hund mitnimmt, kann sie beim Mittagsspaziergang gleich Joghurts kaufen gehen.

Und wenn was ist, dann klebt Lisa einfach einen Zettel an den Kühlschrank. Klingt nach Stress? Ist es auch. Die Zeitpläne der Familien haben sich drastisch verändert. Finanzieller und zeitlicher Stress haben sich in Folge des demografischen Wandels in die Familien geschlichen. Und offenbar wird das immer schlimmer. „Städte brauchen eine gute ökonomische Basis und ein starkes gesellschaftliches Miteinander“, meint Oberbürgermeister Marcel Philipp.

Aus dieser Überzeugung heraus gründete er die Initiative „Neue Zeiten für Familie“, um dieser Problematik an den Kragen zu gehen. Zum Start schrieb Philipp die 80 größten Städte des Landes an. Mehr als 40 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister deutscher Großstädte erkannten „Familienzeitpolitik“ als wichtiges Thema und starteten gemeinsam die bundesweite Initiative.

„Genügend verlässlich verfügbare und gestaltbare Zeit bestimmt die Lebensqualität von Familien mit“, so die Meinung der Bürgermeister. „Wenn es um mehr Lebensqualität von Bürgerinnen und Bürgern geht, punkten vor allem Städte, die die Belange von Familien aktiv in ihre Politik einbeziehen“. Die Initiative wurde im Rahmen der Demografiestrategie der Bundesregierung gestartet und nimmt sich vor allem eines zum Ziel: Bewusstsein schaffen!

Das Thema „Kommunale Familienzeitpolitik“ soll in den einzelnen Städten als Aufgabe erkannt werden. Gemeinsam suchen Akteure aus Politik und Wirtschaft, Verkehr, Betreuung und Bildung, Versorgung und Kultur Lösungen, damit Familien mehr Zeit füreinander haben.

In Aachen stehen hier zum Beispiel konkret die Öffnungszeiten des Bürgerservices oder die der Kindertagesstätten auf dem Programm. Hier sollen Familien zeitlich entlastet werden. So wird Zeit für Familie geschaffen und genau das ist Philipps Ziel.

Ein Kurzfilm soll nun – natürlich kurz und präzise – auf die Problematik aufmerksam machen. Ein solch komplexes Thema, über 40 verschiedene Städte und die verschiedensten Maßnahmen der Familienzeitpolitik mussten in weniger als drei Minuten in den Kasten gebracht werden. „Eine schwierige Aufgabe“, meint Professor Matthias Knezy-Bohm von der FH Aachen.

Er nahm sich auf Anfrage der Stadt mit seinen Studenten der Herausforderung an. „Wir mussten also schauen, dass wir nicht zu konkret werden und trotzdem alles Wichtige abdecken, damit der Film bundesweit funktioniert“, erklärt Knezy-Bohm. Das Ergebnis ist ein Imagefilm, in dem nicht etwa – wie zu erwarten – eine Familie die Hauptrolle spielt. Nein, es ist ein Kühlschrank, der als Protagonist agiert.

„Die Küche ist für viele Familien der zentrale Ort des Hauses: Hier trifft man sich, isst, plant, redet, lacht und streitet auch manchmal“, erklären die Studenten der Fachhochschule. Somit wird durch den Kühlschrank der zentrale Konfliktpunkt des Zeitmangels dargestellt: Gelbe Zettel erinnern an Schwimmunterricht, Opas Arztbesuch und Mamas Termin beim Bürgerservice. Zu sehen ist ein bebildertes Hörbuch, das demonstrieren soll, wie enorm der Alltag einer Familie durch mangelnde Zeit beeinflusst wird.

Ein Semester haben die Studenten an dem Film gearbeitet. „Es war ein Zusatzprojekt, das von freiwilligen Studenten neben dem Unialltag gestemmt wurde“, sagt Knezy-Bohm. Die Stimmen der Familienmitglieder erhielten sie von der Aachener Schauspielschule, die die Rollen mit Dozenten und Schülern besetzten. „Das Kind mussten wir dann tatsächlich von einem neunjährigen Jungen einspielen, denn dafür sind wir alle schon zu lange über den Stimmbruch hinweg“, sagt René Blanche von der Aachener Schauspielschule und lacht.

Am Sonntag wird der Kurzfilm im Cineplex Kino vor jedem regulären Film gezeigt. Auch in den darauf folgenden Wochen läuft der Imagefilm vereinzelt. Gleichzeitig wird er allen teilnehmenden Städten zur Verfügung gestellt, um ihn auf ihren eigenen Webseiten zu präsentieren. „Der Clip ist nur ein kleiner Baustein der Initiative“, so Philipp zum vollendeten Werk. Er soll in die Thematik einführen und die Problematik aufweisen.

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