Aachen - „Der zerbrochene Krug”: Banalität wächst sich zur Katastrophe aus

„Der zerbrochene Krug”: Banalität wächst sich zur Katastrophe aus

Von: Christina Handschuhmacher
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„Der zerbrochene Krug” hat heute Premiere in den Kammerspielen. Regie führt Markus Kopf (links), Dramaturg ist Harald Wolff.

Aachen. Alles begann vor über 200 Jahren mit einer Wette: Um 1800 sitzt Heinrich von Kleist mit seinen Dichterfreunden Ludwig Wieland und Heinrich Zschokke zusammen. Gemeinsam betrachtet man einen Kupferstich mit dem Titel „La cruche cassée” (Der zerbrochene Krug) - und lässt sich zu einem Wettstreit inspirieren.

Jeder der drei Freunde soll das Bild literarisch bearbeiten. Wieland schreibt eine Satire, Zschokke eine Erzählung und Kleist verfasst sein heute weltbekanntes Lustspiel „Der zerbrochene Krug”. Das Endprodukt dieser Wette feiert heute in der Kammer des Theater Aachens Premiere.

„Als Banalität, die sich zu einer Katastrophe auswächst”, fasst Regisseur Markus Kopf den Kern des kleistschen Lustspiels zusammen. Denn aus der scheinbar simplen Geschichte des in Scherben zersplitterten Krugs entwickelt sich eine Tragödie voll menschlicher Abgründe und Lügen. Dass Richter Adam der Missetäter ist, ist schnell klar, doch das nimmt dem Stück nicht die Spannung. Dramaturg Harald Wolff hält den „Zerbrochenen Krug” unter dramaturgischen Gesichtspunkten gar für Kleists bestes Stück.

Die Kategorie „Lustspiel”, die Kleist selbst seinem Stück gab, scheint jedoch fragwürdig. „Am Anfang jeder Komödie steht eine Tragödie”, zitiert Regisseur Kopf den irischen Schriftsteller Samuel Beckett. Die möglicherweise stattgefundene Vergewaltigung des Mädchens Eve durch den Richter und ihre öffentliche Verurteilung als Hure seien keinesfalls Lustspielelemente. „Wir versuchen in den Mittelpunkt zu stellen, dass das Stück keinen lustigen Kern hat”, sagt Kopf. Erst der Umgang der Figuren mit dem Geschehenen gebe dem Stück, etwas Komödienhaftes.

Und auch den aktuellen Bezug des Stücks, das 1808 in Weimar uraufgeführt wurde, sehen Regisseur Kopf und Dramaturg Wolff durchaus gegeben. Kopf zieht Parallelen zum politischen Geschehen. Fälle wie die von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff würden in ihrem „verzweifelten Festhalten an der Lüge” durchaus an Kleists Hauptfigur Richter Adam erinnern. „Wulff und Co sind die Kinder von Richter Adam”, sagt Kopf.

„Der zerbrochene Krug” ist die zweite Regiearbeit des gebürtigen Bremers am Theater Aachen - nach seiner gefeierten Inszenierung von „Antigone” in der letzten Spielzeit. Die Probenatmosphäre sei sehr entspannt, weil sich das Team bereits aus der letzten Spielzeit kenne, berichtet Kopf, der zuletzt elf Jahre lang als Spielleiter der Städtischen Bühnen Münster tätig war. In den Hauptrollen sind Torsten Borm als Dorfrichter Adam und Benedikt Voellmy als Gerichtsrat Walter zu sehen.

Für alle Termine noch Tickets erhältlich

„Der zerbrochene Krug” feiert am Freitag, um 20 Uhr in der Kammer des Theater Aachen Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 6., 9., 15., 16., 20. und 24. Juni sowie am 3., 7. und 12. Juli.

Es gibt für alle Vorstellungen noch Karten, für die Premiere allerdings nur noch wenige Restkarten. Kartenwünsche werden telefonisch unter 4784-244 entgegengenommen.

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