Der Winter hat Aachen noch fest im Griff

Von: Anja Klingbeil
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Auf Mamas Rücken den Berg hinab: Katharina (8 Jahre) und Susanna Krückemeier haben sichtlich Spaß auf ihrem Foto: Michael Jasper

Aachen. Auch eine 16 Jahre alte Dame möchte gerne gekrault werden. Für Milchkühe ist das durchaus ein stattliches Alter. Die Streicheleinheiten von Bauer Dietmar Veith hat sich Maja also redlich verdient. „600 Kilo mit Allrad-Antrieb”, sagt Veith scherzhaft, während er zwischen den großen Limousin-Rindern steht.

Jedes hat seinen eigenen Namen. „Und jede Kuh hat auch so ihre Eigenarten”, betont Veith. Auseinanderhalten kann er sie alle: anhand ihrer Hörner.

Maja und der Rest der rund 50-köpfigen Mutterkuhherde, die Veith auf seinem Hof hält, haben seit geraumer Zeit Winterquartier im offenen Stall bezogen. Dort lassen sie es sich gut gehen. Gefüttert wird in der kalten Jahreszeit Gras-Silage.

300 Ballen haben Dietmar Veith und seine Frau Ulrike dafür auf Lager. Knapp wird das Futter wegen des langen, schneereichen Winters lange nicht: „Jetzt werde ich noch nicht nervös. Weideaustrieb ist erst zwischen Mitte April und Anfang Mai”, sagt Dietmar Veith.

Damit das Wasser nicht einfriert, hat der Diplom-Biologe in ein Zirkulationssystem investiert. „Nur die Pferde müssen jeden Tag von Hand mit Wasser versorgt werden”, erzählt Ulrike Veith. Jeden Morgen um 5.15 Uhr klingelt der Wecker. „Im Dienst ist man ja immer”, erzählt Veith.

Und dabei kommt ihm der Schnee sogar entgegen: Denn neben den Pensionspferden und Kühen hat sich das Ehepaar der Landschaftspflege verschrieben. „Da kommt mir die weiße Pracht gerade recht. Nun kann ich Arbeiten, wie etwa das Schneiden der Hecken und Bäume, dank des gefrorenen Bodens schonend erledigen.” Bis Ende Februar könne das mit der Kälte ruhig noch weitergehen, wenn es nach Dietmar Veith. „So minus fünf Grad sind für mich zum Arbeiten ziemlich ideal”, betont Veith.

Und nicht nur Familie Veith hat noch lange nicht genug vom Winter - obwohl der doch nun schon seit einigen Wochen ununterbrochen die Region fest im Griff hat. Wenn es nach Katharina geht kann die weiße Pracht ruhig noch ein wenig liegen bleiben. „Ich finde es einfach toll”, sagt die Achtjährige und schnappt sich ihren Schlitten. Gemeinsam mit ihrer Mama Susanna Krückemeier ist sie an den Rodelhang am Relais Königsberg gekommen. Dick eingepackt sind die beiden, in Thermostiefel, Jacke und wärmender Skihose.

„Ich liebe Schnee”, sagt Susanna Krückemeier, „von mir aus kann es noch die nächsten drei Wochen so bleiben.” Ein paar Meter weiter liegt Hans-Willi Chorus unter einer Zentimeter dicken Schicht Schnee. Tochter Giulia ist immer noch eifrig dabei, den 43-Jährigen vollends unter der weißen Schicht verschwinden zu lassen. Seit zehn Minuten liegt er nun schon so auf dem Boden. Ist das denn nicht kalt? „Nein, gar nicht”, sagt Hans-Willi Chorus und lächelt.

Bei Jutta Schreiber und ihrer Tochter Chiara gibts während der Schlittenpausen heißen Früchtetee. Richtige Rodler sind eben gut ausgerüstet. Auch Chiaras Freundin Inga ist mit dabei. „Winter ist doch super”, findet die Siebenjährige, „vor allem, weil ich da Geburtstag habe.”

Schattenseiten

Doch der Winter hat auch Schattenseiten: Zehn Stunden waren am Dienstag an der Pontstraße rund 70 Häuser ohne Wasser, weil eine Leitung geplatzt war. Die Arbeiten dauerten von 4.15 bis 14.15 Uhr. Damit die Anwohner nicht ohne Frischwasser waren, hatte die Stawag ein Standrohr eingerichtet. „Zur Ursache kann man noch nichts endgültig sagen”, sagt Pressesprecherin Corinna Bürgerhausen.

Auch Doris Heck wäre froh, wenn die klirrende Kälte bald ein Ende hätte. Sie hat mittlerweile genug von den Minusgraden. Auch am Dienstag stand sie wieder an der kalten Luft auf dem Wochenmarkt in Brand. Seit kurz vor fünf Uhr war sie auf den Beinen: „Bei den Tomaten und Zucchinis muss man schon ein wenig aufpassen. Wenn es allzu kalt ist, muss man sie abdecken, sonst haben sie schnell Frostschäden”, erzählt die 63-Jährige.

Seit 35 Jahren steht sie mit Obst und Gemüse auf Märkten. „Das letzte Mal hatten wir 1987 so viel Schnee”, erinnert sie. Zwei Jacken, zwei Pullover und zwei paar Socken - der Zwiebellook hält Doris Heck warm - und ein Heißluftgerät. „So langsam geht mir der Winter schon auf die Nerven. Allein schon das Schneeschippen. Ich freue mich, wenn es wieder wärmer wird.”

Das wird allerdings noch eine Weile dauern. Für die nächsten Tage meldet auch die Wetterwacht Aachen Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt und Regen sowie Schneeregen. „Da besteht weiter Glatteisgefahr”, warnt Udo ter Horst, Leiter der Wetterwacht. Im Schnitt 3,6 Grad zu kalt seit der Februar gewesen. Die normale Mitteltemperatur liegt bei plus 2,8 Grad.

„In diesem Jahr war es im Schnitt in den ersten 15 Tagen des Monats minus 0,8 Grad kalt”, sagte ter Horst. Nur zehneinhalb Sonnenstunden gab es im ganzen Monat. „Gestern hatten wir dann neun Stunden Sonnenschein.” Die Schneedecke wird den Aachenern aber noch eine Weile erhalten bleiben. „Die 15 Zentimeter, die noch liegen, werden nicht so schnell wegschmilzen”, betont ter Horst.
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