Freizeittipps

Der Windkraft wieder aufs Dach steigen

Von: Andreas Cichowski
Letzte Aktualisierung:
10965386.jpg
Windfest in Vetschau: Im dortigen Windpark kann man bals auch wieder die einzigartige Besucheranlage mit Aussichtsplattform besteigen.

Aachen. Es geht hoch hinaus. In 64 Metern Höhe den herrlichen Ausblick genießen, während sich ringsum majestätische Riesen bewegen. Windkraftanlagen. Sie liefern sauberen Strom, doch bis sich die erste Anlage in Aachen und neun weitere auf dem Vetschauer Berg drehen konnten, war es ein langer Weg.

25 Jahre ist es her, dass sich Horst Kluttig und viele Interessierte zusammenschlossen und ein gemeinsames Ziel verfolgten. Es war die Zeit, als ganz allmählich Windkraft in Deutschland gefördert wurde. Viele verschiedene Vereine entstanden, so auch der 1990 gegründete gemeinnützige Wind e.V. Aachen, der das Ziel hatte, eine einzige Windkraftanlage zur Demonstration in geeigneter Lage in Aachen aufzustellen und damit den ersten Schritt in Richtung erneuerbare Energien zu wagen.

Denn generell war sehr stark die Meinung vertreten, dass die Windkraft in Aachen nicht wirtschaftlich nutzbar sei. „Auch in Aachen sind Standorte vertreten, an denen sich aufgrund der Geländestrukturen Windkraft effektiv nutzen lässt“, so Kluttig.

Es folgten private Windmessungen und jahrelange Planungen, ehe 1993 in Orsbach das erste Windrad, das „fleißige Lieschen“, aufgestellt wurde, das noch heute Strom produziert. „Viele hatten das Projekt für eine Schnapsidee gehalten“, schmunzelte Kluttig. 100.000 Kilowattstunden Ertrag pro Jahr hatte der Wind e.V. versprochen, doch gleich im ersten Jahr waren es 150.000. „Das war eine Überraschung für viele“, so Kluttig.

Insgesamt engagierten sich 100 Personen im Verein, 90 von ihnen Studenten der Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik der RWTH und FH. „Einige dieser Studenten sind sogar in dieser Branche untergekommen“, freut sich der Initiator des Vereins.

Da der Verein aus rechtlichen Gründen keine Anlagen betreiben darf, gründete Horst Kluttig zusammen mit Pia Anderer zunächst die Betreibergesellschaft Windkraft Aachen GbR, später die gemeinnützige Gesellschaft „NEA Neue Energie GmbH. Hauptdienstleister der NEA ist seit 1998 die Enercon GmbH, die größte deutsche Windenergieanlagenfirma.

Neun weitere Anlagen in direkter Nähe zum „fleißigen Lieschen“ folgten einige Jahre später auf der Vetschauer Höhe neben der A4. Eine von diesen 1,5-Megawatt-Anlagen ist jedoch besonders. „Wir wollten ein Besucherzentrum für regenerative Energien“, erzählt Kluttig. Enercon hat eine spezielle Besucheranlage entwickelt, mit innenliegender Wendeltreppe.

Drei dieser 100 Meter hohen Anlagen wurden in Deutschland aufgestellt, zwei im Rahmen einer Standartsicherheitsüberprüfung geschlossen. Auch die dritte Anlage im Windpark Vetschau wies aufgrund verschärfter Sicherheitsmaßnahmen Mängel auf, sodass der Besucherbetrieb 2013 eingestellt werden musste und umfangreiche Umbaumaßnahmen die Folge waren.

Seit der Inbetriebnahme 1999 bis zur Schließung haben über 10.000 Besucher die Möglichkeit genutzt, die Windenergie aus nächster Nähe zu bestaunen. Die Windkraftanlage produzierte seither in 122.743 Stunden Strom. Exakt zwei Jahre hat der Umbau gedauert. „Bis zuletzt wurde gearbeitet. Alles ist neu im Turm und jetzt ganz sicher“, verkündete Kluttig.

Zu den Neuerungen gehören auch eine Telefonanlage, eine neue Brandmeldeanlage, neues Gerät zum Abseilen im Notfall und weitere bauliche, technische und organisatorische Veränderungen.

Die größte Veränderung beherbergt allerdings ein Container, denn neuerdings müssen alle Besucher der Besichtigungsplattform Klettergeschirr und Helme tragen, sowie Atemschutzmasken bei sich tragen. „Der Container ist ausgestattet mit Gurten in fünf verschiedenen Größen, darunter zwei Sonderanfertigungen, und verfügt über eine luftfeuchtigskeitsgesteuerte Belüftung“, erläutert Kluttig, der selber die Führungen leitet, die Auflagen der Behörden.

Weltweit gibt es kaum ein Dutzend Windanlagen mit einer vergleichbaren Ausstattung und nur diese eine Anlage in Deutschand. Die ersten Turmbesteigungen werden voraussichtlich ab November wieder möglich sein. Hoch kann jeder, der sich dazu in der Lage fühlt, die 300 Stufen hinaufzusteigen, das Mindestalter liegt bei 12 Jahren, bei Minderjährigen muss jedoch eine erziehungsberechtigte Begleitperson mit dabei sein.

Anmelden kann man sich schon bald im Internet auf der Seite www.aachen-hat-energie.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert