Der wilde Westen liegt mitten in der Soers

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Die Zügel fest in der Hand: Beim so genannten „Working Ranch Horse“ muss der Reiter es mit mit seinem Pferd schaffen, die Kuh in bestimmte Muster zu treiben. Foto: Andreas Steindl
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Gut behütet: Auch das klassische Western-Outfit gehört zum Turnier in der Soers. Foto: Andreas Steindl
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„Western Pleasure“: Auf den richtigen Stil kommt es an. Foto: Andreas Steindl

Aachen. 23 Grad, die Sonne strahlt, der Cowboyhut sitzt. Coole Typen schlendern in schweren Stiefeln über das CHIO-Gelände in der Soers, das sich über Nacht in eine Westernstadt verwandelt hat. Mitgebracht haben sie ihre vierbeinigen Sportsfreunde, die auf nicht minder lässige Namen wie Scotch Bar Obsession, Bang Boom Bang oder Texas Checkers hören.

„Yee-haw“, Pfiffe und Anfeuerungsrufe schallen von den Zuschauerrängen, Aussteller bieten an ihren Ständen alles, was das Westernreiter-Herz höher schlagen lässt.

Wenn die „International Doha Championship“ ihre Tore öffnen, strömen Westernreiter aus aller Herren Länder in die Pferdestadt Aachen. Bereits zum 32. Mal findet die von der Deutschen Quarter Horse Association („Doha“) organisierte Zucht- und Leistungsshow statt. „Die Größe des Teilnehmerfelds kann sich mit der des CHIO Aachen messen, gleichzeitig ist die Atmosphäre bei uns sehr familiär, man ist ganz nah dran am Geschehen“, verrät Hubertus Lüring, 1. Vorsitzender der „Doha“ stolz.

430 Quarter Horses, die allesamt in Europa gezüchtet wurden, rund 500 Sportler aus 12 Nationen, über 3000 Starts im Deutsche Bank Stadion und in der benachbarten Albert-Vahle-Halle – so die beeindruckende Bilanz des zehntägigen Turniers, das sich ganz nebenbei als das größte Westernreitturnier Europas bezeichnen darf.

Dabei ist Westernreiten nicht gleich Westernreiten. 15 verschiedene Disziplinen werden allein in Aachen gezeigt, vom eleganten und glamourösen Pleasure oder Western Riding über die ursprünglichen Rinderdisziplinen bis hin zur Königsdisziplin: dem rasanten Reining. Alle Disziplinen lehnen sich an die Arbeitsreitweise der Cowboys an. Neben Profis gehen auch Amateure, Einsteiger und Jugendliche in der „Soerser Prärie“ an den Start, um den Pattern, wie der Parcours in der Westernreit-sprache heißt, zu meistern. Zudem bietet die „Doha“ besondere Disziplinen für Reiter mit Behinderungen an.

Was so lässig aussieht, ist jedoch harte Arbeit und erfordert höchste Konzentration. Das weiß auch Oliver Stein, einer der besten Westernreiter Europas. Er startet in Aachen in den Disziplinen „Working Cowhorse“ und „Reining“. 2003 holte er Mannschaftsgold bei den FEI Europameisterschaften, 2008 wurde er Deutscher Meister im Reining. „Aachen hat auch in der Westernreitszene einen sehr guten Ruf“, so der 34-Jährige. Sein großes Ziel: im nächsten Jahr wieder nach Aachen zu kommen. Dann jedoch zur Reit-EM im August, bei der neben vier anderen Disziplinen auch Reining ausgetragen wird.

„Was in der Formel 1 der Ferrari ist, ist beim Westernreiten das Quarter Horse“, bringt es Frank Hansen, Sprecher der Veranstaltung, auf den Punkt. Das sogenannte Quarter Horse ist neben Paint Horses oder Appaloosas eine der beliebtesten Rassen im Westernreitsport. Auch wenn prinzipiell jede Pferderasse „westerntauglich“ ist, so werden diese Rassen speziell auf die Anforderungen dieses Sports hin gezüchtet. Das Quarter Horse ist im Westernreitsport die meist eingesetzte Rasse, ein Allrounder, von dem es allein in Deutschland 40.000 gibt. Bei den diesjährigen Weltreiterspielen in Caen wurde das Quarter Horse zur vielseitigsten Pferderasse der Welt gekürt.

Noch die ganze Woche über herrscht „Western-Feeling“ in der Soers. Zu den Highlights gehören neben dem „Moonlight Trail“ am Donnerstagabend unter Flutlicht im Deutsche Bank Stadion, das Reining-Finale am Freitag sowie die „Doha“ Futurity und Maturity Prüfungen, bei denen die schönsten und talentiertesten europäischen Quarter Horses in verschiedenen Klassen präsentiert und gekürt werden.

Neu im Programm ist das „Versatility Ranch Horse“, die Vielseitigkeitsprüfung der Westernreiter, bei der die fünf Disziplinen Ranch Riding, Ranch Trail, Ranch Cutting, Working Ranch Horse und Ranch Conformation abgefragt werden. Erstmalig werden in Aachen die Deutschen Meister dieser Disziplin gekürt.

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