Der Weg in die „Zwei-Klassen-Pädagogik”

Von: Mischa Wyboris
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Aachen. Gegen mehrere Klassen kann Frank Lohse schon wegen seines Berufs nichts haben - schließlich arbeitet der Sozialpädagoge im Schulwesen.

Gegen eine bestimmte Form der Unterteilung hat er dennoch große Einwände: „Wir rasen auf eine Zwei-Klassen-Pädagogik zu”, warnt der Fachberater vom Verein „Betreute Schulen Aachen-Land” der Arbeiterwohlfahrt Kreis Aachen. Zwar ist der Kita-Streik längst vorbei und die Erzieherinnen von Kindertagesstätten in kommunaler Trägerschaft bekommen mehr Geld, doch das Thema um die Ungleichbehandlung ausgebildeten Fachpersonals schwelt weiter.

„Als Erzieher in einer OGS sind Sie Artist, Hirnforscher, Entwicklungsbegleiter, Spielpädagoge und Familienersatzmitglied in einer Person”, skizziert Ekkehard Höhl die hohe Verantwortung der Angestellten an Offenen Ganztagsschulen (OGS). Höhl ist Lehrer an der Käthe-Kollwitz-Schule, dem Berufskolleg des Schulverbandes in der Städteregion Aachen, wo Erzieher für den Offenen Ganztag ausgebildet werden - jedoch mit fragwürdigen Zukunftsaussichten.

Während Erzieherinnen kommunal getragener Einrichtungen nach dem Ende des Streiks monatlich rund 120 Euro mehr Geld bekommen, bleibe die finanzielle Unterstützung des Landes für nicht-kommunale Einrichtungen mau, sagt Lohse. Landesmittel seien vor allem bei den Offenen Ganztagsschulen (OGS) „in den fünf Jahren ihres Bestehens um keinen Cent erhöht worden”, während sich der Bedarf an OGS-Plätzen seit 2004 verfünffacht habe, bemängelt Lohse, der neun Offene Ganztagsschulen im Kreis Aachen koordiniert.

„Ohne das enorme ehrenamtliche Engagement geht das nicht noch mal fünf Jahre gut.” Rund 2200 Euro zahle das Land NRW jährlich im Zuge des Kibiz-Gesetzes pro betreutem Kita-Kind - 820 Euro gebe es dagegen nur für einen OGS-Platz; die zusätzlichen kommunalen Mittel von 410 Euro „müssen durch Elternbeiträge refinanziert werden”, erklärt Lohse und bilanziert: „Von einer einheitlichen Bildungslandschaft in Deutschland kann nicht die Rede sein.”

In Düsseldorf etwa gebe es deutlich mehr kommunale OGS-Zuschüsse als in Aachen - mit Auswirkungen auf die Finanzierung und die Dichte des Personals sowie die räumliche Ausstattung bei schwächer bezuschussten Einrichtungen.

„Welche überzeugenden Argumente muss ich finden, um einer Stellenbewerberin, die gerade von einem Vorstellungsgespräch bei einer Kita in kommunaler Trägerschaft kommt, einen Job in einer nicht städtisch getragenen OGS schmackhaft zu machen?”, zeigt sich der Fachberater ratlos.

Die Schaffung Offener Ganztagsschulen zur „Bildungsoffensive” habe gezeigt, dass das Ministerium denselben hohen Anspruch an Erzieher wie an Lehrer stelle. „Lernen und Freizeit müssen miteinander verzahnt werden”, sagt Höhl. „Roter Faden des Offenen Ganztages ist es, Aufgaben in der Schule zu entwickeln, die die Kinder herausfordern und für die alle die Verantwortung tragen.” Die Forderung von Lohse und Höhl nach dem Ende des Kita-Streiks liest sich einfach: „Es muss auf Bundes- oder Landesebene Finanzierungsstandards geben.”
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