Der Teufel ist mal wieder der Gelackmeierte

Von: Stephan Mohne
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„In Aachen ist der Teufel los“: Die „Maxis“ der Awo-Kita Sternschnuppe begeisterten mit drei Öcher Sagen. Für das außergewöhnliche Projekt zeichnete Sarah Kühne (sitzend vorne), Erzieherin und angehende Theaterpädagogin, verantwortlich. Das gesamte Kita-Team um Leiterin Julia Abbate unterstützte die aufwendigen Vorarbeiten, die auch Exkursionen zu den Originalschauplätzen umfassten. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Der Teufel ist mal wieder der Gelackmeierte. Denn den listigen Aachenern hat er auch diesmal wenig bis gar nichts entgegenzusetzen. Mit einem Daumen weniger muss er in dem einen Fall von dannen ziehen. Und als er dann gemeine Rache üben und Aachen einfach zuschütten will, werden ihm die schlauen Marktweiber zum Verhängnis.

 Zwischendurch klappern sich auch noch die längst toten Bischöfe Mundolph und Gundolph durch jene Aachener Gasse, die folgerichtig heute Klappergasse heißt. Zusammengefasst sind das gleich drei spannende Aachener Sagen, die von Generation zu Generation weitererzählt werden. Genau dieses Potpourri der Öcher Historie ist jetzt mehrfach über die Bühne gegangen. Dafür gab es jedes Mal tosenden Applaus. Die Darsteller sind allerdings keine gelernten Schauspieler. Es sind Kindergartenkinder. Doch das ist nicht das einzig Bemerkenswerte an dieser Geschichte. Vielmehr handelte es sich um ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Projekt.

Stattgefunden hat es in der Kindertagesstätte „Sternschnuppe“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Verlautenheide. Das hat einen Grund. Denn dort arbeitet Sarah Kühne. Sie ist Erzieherin und Gruppenleiterin, aber sie absolviert in ihrer Freizeit auch eine Weiterbildung zur Theaterpädagogin. „In einem Seminar sollte man sich ein Projekt überlegen, das in der Stadt verwurzelt ist“, erzählt sie vom Ursprung der Idee. Und so kam sie darauf, den „Maxis“ – das sind die Kinder im letzten Kita-Jahr – Aachener Sagen intensiv zu vermitteln. Heimatkunde im Vorschulalter, sozusagen. Es lag nahe, dies in Form einer Theateraufführung zu tun. Aber nicht nur damit. In der monatelangen Vorbereitungszeit verließen die meist Sechsjährigen Verlautenheide gleich mehrfach in Richtung Innenstadt. Auf dem Plan standen Exkursionen zu den Originalschauplätzen. Eine Dombesichtigung stand auf dem Programm, eine Sagen-, eine Brunnen- und eine Rathausführung obendrein. Bei Wind und Wetter begaben sich die rund zwei Dutzend „Maxis“ auf Zeitreisen. Ein Sagenbuch wurde gewälzt – und die Kinder durften selber entscheiden, welche Geschichten sie zur Aufführung bringen wollten. Titel des Sagenpakets: „In Aachen ist der Teufel los“.

Bis dann die konkrete Theaterarbeit begann. Auch dabei scheute Sarah Kühne keine Mühe und ging bis ins kleinste Detail. Den Kindern wurde Theater von der Pike auf nähergebracht. Es gab natürlich jede Menge Proben. Aber es wurden auch die Einladungen für die Eltern selbst gestaltet. Kostüme wurden ebenso entworfen wie das Bühnenbild mit dem prächtigen Dom im Mittelpunkt. In der „Maske“ verwandelten sich die Nachwuchsakteure in Teufel, Marktfrauen, Zeitungsboten unserer Zeitung als Erzähler, Bischöfe, Kaiser, Bäume und den Wolf. Ein Chor, der aus dem Off „Wer will fleißige Handwerker sehen, der muss zu uns Aachenern gehen“ anstimmt, wurde überdies einstudiert.

Aber kann man überhaupt mit so jungen Kindern Theaterstücke aufführen? „Das habe ich mich auch gefragt“, sagt Sarah Kühne, die in Sachen Bühne alles andere als unerfahren ist. So war sie zum Beispiel vergangenes Jahr eine von zwei Leiterinnen der Inszenierung des großen Jugendmusicals „Paradise of Pain“ in der Alsdorfer Stadthalle. Erstaunt war sie allerdings selber über den Verlauf des Kita-Projekts: „Ich war verwundert, wie sicher die Kinder spielen, wie sie den Text lernen.“ Sie selber habe vor der Aufgabe größeren Respekt gehabt als letztlich ihre Schützlinge: „Die haben das ganz locker gesehen.“ Und so kam es, wie es kommen musste: Die Aufführungen gerieten zum großen Erfolg. Zunächst wurden die Sagen vor den Kita-Kindern aufgeführt, bevor Eltern, Freunden, Verwandten Eintritt gewährt wurde. Vor „ausverkauftem“ Haus entführten die Akteure das Publikum in der Turnhalle in die Sagenwelt, um nach jedem Triumph über den Teufel zu intonieren: „Die Aachener sind für den Teufel zu schlau.“

Schlau angelegt war auch das ganze Projekt, das den Beweis führte: Kinder kann man nicht früh genug mit derlei Aufgaben betrauen. Der Lohn war lang anhaltender Applaus für die Schauspieler, die Regisseurin und das Kita-Team, das das aufwendige Projekt uneingeschränkt unterstützte. Eine weitere Belohnung kam vom Kita-Förderverein: ein Gutschein für alle für einen Besuch beim Öcher Schängche. Austausch unter Fachleuten sozusagen, denn das Schängche kennt sich ja nun wirklich mit Öcher Sagen aus.

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