Der Strunx ist tot, aber der Kappes lebt

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Kein Öcher Eigengewächs: Das Dio Diagonal aus dem Ruhrpott, ein deutschlandweit tourendes Comedy-Gespann, sprang kurzfristig für das Wallstreet Theatre ein und lieferte bei seiner Kappes-Premiere gleich ein Highlight ab. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein bisschen Tradition darf sein – auch bei der erst zweiten Auflage des Kappesball: Beim Alternativkarneval am Freitagabend in der „Kappertz-Hölle“ ist nicht nur das Team nahezu identisch zur Premiere von 2014.

Auch ein überdimensionaler Kohlkopf – der Kappes eben – als Bühnenbild und die „S6x Shops“ mit völlig unkarnevalistischem Sound samt Drummer im Einkaufswagen und nörgelndem Bandleader sind wieder mit von der Partie.

Während andere nur das Bühnenbild ändern, aber die immer gleichen Witze erzählen, dreht das Kappes-Team diese Tradition lieber um. Auch wenn Michael Dannhauer als versoffener Karnevalsprinz „Spaß braucht ‘ne Ordnung!“ fordert und bemängelt, dass ohne Ein- und Auszug halt jeder selber wissen müsse, wann eine Nummer anfängt und wann aufhört. Damit hat das pratschjecke Publikum aber keine Probleme. „Karneval zum Mitdenken“ ist nun wirklich die Sache der dicht gedrängt sitzenden Gästeschar.

Bissige Seitenhiebe auf den AKV

Die bisweilen sehr bissigen Seitenhiebe auf den traditionellen Karneval à la AKV und Konsorten kommen so auch besonders gut an: Wenn Necip Tokoglu als Hans Hase vom Ordnungsamt der Stadt Aachen griechische Leiharbeiter bei den traditionellen Festsitzungen ausgemacht haben will, die die Zuschauer professionell ineinander verhakeln, damit ihnen als einzige Bewegungsmöglichkeit das Schunkeln bleibt.

Wenn Dirk von Schwetzhold (Kurt Radermacher) – Entschuldigung: Dr. Dirk von Schwetzhold – als Lennet Kann plötzlich Konkurrenz bekommt: von Meikel Freialdenhoven, aber auch von der Femen-Aktivistin Lizusha Kostyuk, die die Frauenquote unter den Brücken fordert, und von Lünnet Künn (Tokoglu), türkischer Jeck mit Kostümverleih für Muslime. Selbst Persiflage-Ausflüge in den Kölner Karneval werden mit viel Applaus honoriert. Auch Ausflüge in die politische Satire funktionieren: Debatte um Islamisierung und Islamfeindlichkeit, Pegida und Putin-Versteher und Aachens Baustellenflut und Neubauten-Hype sind sicher nicht immer ganz jugendfrei, aber ohne Frage zum Quietschen.

Nächstes Jahr weitere Steigerung?

Kurzfristig für das „Wall Street Theatre“ eingesprungen ist das Duo Diagonal – kein Öcher Eigengewächs, sondern ein deutschlandweit tourendes Comedy-Duo aus dem Ruhrpott. Deana Kozsey, elegante Wuchtbrumme und Holger Ehrich, möglichst dämlich dreinblickender Schlacks, lassen ihre Körper sprechen. Ihr „Pas de Deux“ mit schwingenden Marsmännchen-Hörnchen gehört ohne Frage zum Highlight des dreistündigen Programms. Nach vier Vorstellungen in der Erstauflage 2014 sind in diesem Jahr bereits sechs geplant. Eine weitere Steigerung in der nächsten Session ist nicht ausgeschlossen: Strunx ist tot, aber Kappes lebt. Eindeutig!

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