Der Streit ums Nadelöhr will nicht enden

Von: Günther Sander
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Noch freie Fahrt, bald eine „Lkw-Verhinderungsschleuse”: Uber die neue Engstelle an der Friedenstraße in Haaren gibt es viel Unmut bei den Anwohnern. In der Bezirksvertretung machten sie ihrem Ärger Luft. Beschlossen wurde das Nadelöhr trotzdem. Foto: Michael Jaspers

Haaren. Die Volksseele kochte: Theaterreife Szenen und Dialoge, gepaart mit einem kräftigen Schuss Dramatik, Tragik, sogar Polemik. Das alles gab es in der Bezirksvertretung Haaren. Ohne Drehbuch. Aufgebrachte Bürgerinnen und Bürger machten ihrem Ärger über die geplante Umgestaltung zur Verkehrs- und Schulwegsicherung in der Friedensstraße/Hergelsbendenstraße in der Einwohnerfragestunde Luft.

Das bisherige Nadelöhr an der Hergelsbendenstraße, um das es seit fast 20 Jahren Ärger gibt und derzeit aus zwei schweren Blumenkübeln besteht, soll als feste „Schleuse” Richtung Feuerwache verlegt werden. Das bislang unerreichbare Ziel bleibt das gleiche: die Durchfahrt für Lkw zu unterbinden.

Bezirksvorsteher Ferdinand Corsten und die Verwaltung gerieten mächtig unter Beschuss. Die Situation drohte oftmals aus den Fugen zu geraten. Böse Zwischenrufe wie „Unverschämtheit” und „Diktatur” schallten durch den Saal. Der Ruf nach einer Bürgerinformation wurde laut, schließlich wisse niemand, was nach Ausführung der Maßnahme alles geschehen werde. Der Bezirksvorsteher sah keine Notwendigkeit, schließlich stehe man seit Jahren schon bei diesem Dauerbrenner in Kontakt mit den Bürgern.

Schlag auf Schlag kamen die Beschwerden der Betroffenen. Unverständnis herrschte zum Beispiel darüber, dass aus dem Provisorium eine feste Engstelle gemacht werde, ohne sie überhaupt getestet zu haben. Es hagelte Unmut über beschädigte Zäune, „umgepflügte” Vorgärten, nächtliche Ruhestörungen, über Höfe, die als Wendehammer herhalten müssen. Das sei keine gute Werbung für Haaren.

„Ich weiß, was Sie alles ertragen mussten, das geht auf keine Kuhhaut”, sagte der Bezirksvorsteher. Nur ein schwacher Trost, denn die Bürger sprechen hinsichtlich der Planungen schlicht von „Schwachsinn”. Corsten aber erhofft sich von der Maßnahme, die eine Menge Schilder - die Bürger sprechen von einem „Schilderwald” - zur Umleitung des Verkehrs vorsieht, eine „Verkehrsberuhigung”. Die Beseitigung des uralten Provisoriums gebe dazu Anlass. „Wir können nicht anders, auch wenn es Rückstau geben wird”, meinte Corsten. Nach exakt 60 Minuten beendete er abrupt die Fragestunde, obwohl längst nicht alle Bürger zu Wort gekommen waren. Was die Stimmung nicht gerade besserte.

Die Bezirksvertretung beriet das heiße Thema anschließend weiter. Die Grünen plädierten ebenfalls für eine Bürgeranhörung. „Was wir heute beschließen, ist so geplant und vom Verkehrsausschuss empfohlen worden”, sagte Corsten. Es werde auch danach noch Betroffene geben, aber man sollte den „Sprung” riskieren. Eine Vertagung des Themas würde nichts bringen, dann beginne das gleiche Spiel dann wieder.

Zustimmung fand der Grünen-Vorschlag, die Planung als Aushang für die Bürger anzubringen. Ebenso der Ratschlag, den Hinweis „Keine Wendemöglichkeit” auf den Schildern anzubringen. Einstimmig wurde die Maßnahme schließlich auf den Weg gebracht.
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