„Der Streit“ feiert Donnerstag Premiere im Mörgens

Von: Angelina Boerger
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Hebt mit „Der Streit“ ein Meisterwerk der frühen Aufklärung auf die Bühne: Regisseur Roland Hüve. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Frankreich, 1744: Nicht mal mehr 50 Jahre, und die Französische Revolution steht vor der Tür.Irgendwo sitzt bereits ein vor sich hingrübelnder Jean-Jacques Rousseau, die Seiten der 1751 erscheinenden Enzyklopädie der Aufklärung werden zusammengetragen, und ein verkrachter Jurastudent beendet seine neueste Komödie.

Die Rede ist von „La Dispute“, zu deutsch „Der Streit“, geschrieben von Pierre Carlet de Chamblain de Marivaux, einem französischen Frühaufklärer, der sich von erstarrten barocken Konventionen losgerissen hat und in frecher Freigeistigkeit seine Werke verfasst. Genau dieses Stück bringt nun der gebürtige Dortmunder Regisseur Roland Hüve auf die Bühne des Mörgens, wo es am Donnerstag, 14. Januar, Premiere feiert.

Dort lief bereits 2011 seine Inszenierungen „Hier kommen wir nicht lebendig raus. Versuch einer Heldin“ und 2014 das Stück „Der Mann, der die Welt aß“. Außerdem konnte das Aachener Publikum 2012 bereits Hüves Inszenierung von „Die Präsidentinnen“ in der Kammer besuchen.

„Der 270 Jahre alte Text bietet einen großen Freiraum für Experimente,“ sagt Hüve. „Im Groben behandelt das komödiantische Stück die immer noch nicht ganz geklärte Frage: Was ist in uns, das uns so werden lässt, wie wir sind?“ Hierbei gelte die Faustregel: Es ist eine schlechte Komödie, wenn es nicht um Leben und Tod geht. „Gerade die Frühaufklärung ist die Zeit der Utopien, und trotzdem strotzt das Stück vor tiefer Wahrheit und Komik.“

So begibt es sich, dass ein Prinz mit seiner Herzensdame darüber streitet, welches Geschlecht zuerst unbeständig in der Liebe ist und somit Unglück in die Welt gebracht hat. Dafür erschaffen sie eine Art Laborsituation: 18 Jahre lang werden vier junge Menschen, zwei Mädchen und zwei Jungen, ohne Kontakt nach außen und isoliert voneinander aufwachsen, um dann, in der wirklichen Welt, aufeinander losgelassen zu werden.

Sie begegnen, wie kann es anders sein, der Selbstverliebtheit, der einen großen Liebe, die dann doch ganz schnell wieder verblasst, der Eifersucht, dem Betrug, der Angst vor einander und sich selbst. Denn Marivaux blickt gerne tief in die Abgründe der menschlichen Seele. Und das alles nur, um letztendlich erkennen zu können: Was ist pure Menschlichkeit, und was ist bereits Konvention, Koketterie oder gar Heuchelei? Vereinfacht ausgedrückt: Was ist Natur, und was ist schon Kultur?

Und so unwahrscheinlich die Situation auch sein mag, ist doch viel Wahres dran, sind die Begegnungen der Charaktere doch so tiefgründig und so existenziell, dass sie schon wieder urkomisch wirken. „Das Besondere an diesem Stück ist, dass sich die Zuschauer wiederfinden können. Da stoßen sich Ehepaare quasi im Takt in die Rippen und sagen: Siehst du, genau wie du!“ Aufführungen gibt es am 14., 22. und 30. Januar. 2., 10. und 13. Februar.

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