Aachen - Der Sommerbend „soll keine Saufkirmes sein”

Der Sommerbend „soll keine Saufkirmes sein”

Von: Thorsten Karbach
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Es geht aufwärts mit der Kirmes: Schausteller und Veranstalter des Öcher Bends sehen eine positive Entwicklung des Volksfestes. Dafür sorgen bewährte und neue Attraktionen wie das Riesenrad und die erstmals montierte Achterbahn mit Doppellooping. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Früher. Früher floss viel mehr Schweiß. Das sagt Rolf Lentzen, und der Mann vom Aachener Schaustellerverband erzählt von den „zehn, zwölf” Leuten, die Pfähle in den Boden rammten, um einen Autoscooter aufzubauen. Heutzutage wird das Dach hydraulisch hochgefahren. Es bleibt ein Team von vier, fünf Helfern, die reichen, um den Scooter in Fahrt zu bringen. Der Rest ist moderne Technik. „Die hat auch um uns Schausteller keinen Bogen gemacht”, sagt Lentzen.

Statt hunderter Arbeiter sind sechs Kräne in den letzten Tagen auf dem Bendplatz gesichtet worden, rollen Gabelstapler und lassen sich Kassenhäuschen hydraulisch heben, wo früher starke Männer anpackten. Am Freitag um 14 Uhr öffnet der Sommerbend die sprichwörtlichen Pforten (bis zum 23. August). Dann sind die Kräne für die gigantische Doppel-Looping-Achterbahn „Teststrecke” wieder weg, die Gabelstapler ebenso.

Der Öcher Bend am Donnerstag - also weniger als 24 Stunden bevor es losgeht: alles Fassade. Während der Vorabbummel über den Öcher Bend den Blick auf kunterbunte Lichtreklamen zieht, wird hinter den Fassaden noch an allen Ecken und Enden oder besser Schrauben, Maschinen, Schaltkästen Hand angelegt. 200 bis 300 Menschen sind während der Aufbautage auf dem 40.000-Quadratmeter-Platz an der Kühlwetterstraße im Einsatz. Noch Sonntagnacht haben rund 70 Prozent der Schausteller auf der Dürener Annakirmes zusammengepackt.

Eingespielte kleine Teams

Es sind eingespielte kleine Teams, die die Schausteller um sich scharen. Und ganz viel Technik. Früher waren es ein paar hundert helfende Hände mehr. Nur für die Gastronomie werden immer noch dutzende Mitarbeiter bei so einer Kirmes vor Ort rekrutiert. Ansonsten hat sich das Bild grundlegend geändert.

Früher. Doch zurück in die Gegenwart. Und in die Zukunft. Die Organisatoren des Sommerbends verweisen darauf, dass der Bend bereit für eine schillernde Zukunft sei. Und das nicht, weil mehr bunte Lämpchen montiert würden. Vor drei Jahren hat das Eurogress die Regie für das Volksfest übernommen. 2009 dann wurde das Gelände für rund 2,5 Millionen Euro umgebaut - was man dem Platz abgesehen vom neuen Zaun so zunächst nicht ansieht. Die erneuerten Wasser- und Stromanschlüsse sind aber ein wichtiger Schlüssel zum Ausbau der Kirmes.

Modernste Fahrgeschäfte brauchen eben Energie. Und von denen gibt es wieder ein halbes Dutzend auf dem Sommerbend - trotz renommierter Konkurrenz mit Kirmesveranstaltungen in Vechta und Crange (das als größtes Volksfest in NRW beworben wird). „Wir haben unter anderem drei der zehn besten Laufgeschäfte Deutschlands. Das findet man sonst auf keinem Kirmesplatz”, erzählt Schaustellerchef Peter Loosen begeistert, und seine Stimme überschlägt sich fast vor Freude.

Eine Überschlagattraktion

Bendmanager Peter Krings spricht zudem vom „XXL Booster”, einer tatsächlichen Überschlagattraktion für die Höher-Schneller-Weiter-Fans, die noch einmal fünf Meter höher hinausführt als das Riesenrad. Hightech, die sich übrigens mit einem halben Dutzend Männern montieren lässt.

Mehr als 300.000 Besucher sollen davon wieder angezogen werden. Die Besucherzahl habe sich bei rund 700.000 für beide Bend-Veranstaltungen eingespielt - auch wenn die niemand je gezählt hat. Sie alle würden das „neue” Volksfest zu schätzen wissen. „Ich wüsste nicht, wo der Bend stehen würde, wenn vor drei Jahren nicht der Eurogress eingestiegen wäre. Aber ich glaube, wir wären auf dem absteigenden Ast”, sagt Loosen. Stattdessen will er mit Achterbahn, Wildwasserbahn, Raupenbahnen und Autoscootern Vollgas geben. „Es soll keine Saufkirmes und keine Randalekirmes sein, sondern ein Fest für die ganze Familie”, sagt Krings. „Das Niveau hat sich gesteigert. Früher stand man am Bierpavillon und trank”, fügt Loosen hinzu. Statt einfachem Bierpavillon gibt es diesmal sogar einen kleinen Strand mit Liegestühlen.

„An einem Strang ziehen”

Und während nebenan zwei Arbeiter hinter der Fassade eines Fahrgeschäftes die Beleuchtung anschließen, sagt Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf: „Für unsere Ziele müssen wir alle an einem Strang ziehen.” Die beiden Arbeiter haben da ihr Ziel bereits erreicht. Hunderte Glühbirnen flackern auf.

Öcher Bend: Volles Programm bis zum Abschlussfeuerwerk

Eröffnet wird der Bend am Freitag um 14 Uhr mit drei lauten Böllerschüssen. Bis 16 Uhr gibt es dann eine „ Happy” Hour mit Sonderangeboten. Um 18 Uhr erfolgt die offizielle Eröffnung, bei der Bürgermeister Björn Jansen den Fassanstich übernimmt. Ab 18 Uhr musizieren „Die Mennekrather”.

Das weitere Programm: Am Samstag, 14. August, beginnt um 18 Uhr die „After CHIO Party” mit der Band „Wallstreet” im Festzelt. Am Sonntag, 15. August, spielt ab 16 Uhr die Band „Alpensterne”. Am Montag, 16. August, ist Studententag. Ab 19.30 Uhr ist dabei die Big Band der RWTH zu hören. Am Dienstag, 17. August, steigt der Tag der Karnevalisten. Ab 19 Uhr wird die Kölner Band „Die Räuber” mit von der Partie sein. Mittwoch, 18. August, ist ab 14 Uhr der große Familientag mit 50 Prozent Ermäßigung auf alle Fahr-, Schau- und Belustigungsgeschäfte. Ladies Day ist am Freitag, 20. August. Der Schaustellerverband verschenkt Lebkuchenherzen, ab 19.30 Uhr sind wieder die Alpensterne zu hören. Am Samstag, 21. August, lädt die Oecher Penn ins Festzelt zu den „Oecher Penn Wies´n” mit der Band „Merrick” aus Brixen. Am Sonntag, 22. August, spielen ab 16 Uhr wieder die Alpensterne. Der Bend endet am Montag, 23. August, mit dem Abschlussfeuerwerk gegen 22 Uhr.

Geöffnet ist der Bend täglich ab 14 Uhr. Der Veranstalter verweist auf Parkplätze am Westbahnhof. Der Bendplatz wird zudem von den Buslinien 3, 7, 33 und 44 angefahren.

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