Der schwere Schritt aus der Haft zurück ins normale Leben

Von: Marie Eckert
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Aachen. Ist jemand straffällig geworden, so ist das Leben aus den normalen Bahnen geraten. Armut, Traumata und Arbeitslosigkeit können das Begehen von Straftaten begünstigen – trotzdem, oder auch gerade dann, brauchen die Menschen oftmals Hilfe.

„Eine gelungene Resozialisierung des Einzelnen ist der beste Schutz für die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten“, betonte Martin Czarnojan, Geschäftsführer der Straffälligenhilfe Aachen. Die gemeinnützige Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, Inhaftierten, Haftentlassenen und von der Haft bedrohten Menschen zu helfen und sie zu unterstützen auf dem Weg zurück in ein geregeltes Leben. „Wir übernehmen eine unglaublich wichtige Aufgabe für die Städteregion“, sagte Czarnojan.

Die verschiedenen Angebote gehen dabei Hand in Hand: Die Menschen aus dem Arbeitsprojekt renovieren und putzen die angemieteten Appartements fürs betreute Wohnen für suchtkranke Haftentlassene und helfen bei der Habesicherung von Inhaftierten – das heißt: Sie holen Wertsachen, Kleidung und Papiere zusammen mit den Mitarbeitern der Straffälligenhilfe aus den Wohnungen der Gefangenen und lagern sie bei Bedarf ein.

Beim Betreuten Wohnen müssen insgesamt 18 Wohnungen, die die Gesellschaft angemietet hat, instand gehalten und vor jedem Neubezug geputzt werden. Bis zu einem Jahr können die aus der Haft Entlassenen in den Appartements wohnen und bekommen Hilfe bei den alltäglichen Sachen wie Haushalt, Kochen, Strom, Rechnungen und Einkaufen. Auch in den eigenen Wohnungen können die Menschen danach noch Hilfe erfragen: Rund 90 Personen hat die Straffälligenhilfe im vergangenen Jahr betreut.

Ein Anlaufpunkt für Haftentlassene und deren Angehörige ist die Beratungsstelle in der Königstraße. Zwei Vormittage gibt es dort eine offene Sprechstunde, bei der jeder Rat ersuchen kann. Häufig seien Fragen nach finanziellen Mitteln, einer Wohnung oder der Ableistung gemeinnütziger Arbeit, erzählte Claudia Brötsch, Sozialarbeiterin bei der Beratungsstelle. Vermehrt hätten sich aber auch die Anfragen von Angehörigen: „Das können Elternteile sein, deren Kinder inhaftiert sind oder deren Ehepartner in Haft sitzt und die nicht wissen, wie sie das ihren Kindern erklären sollen“, sagte Brötsch. Einmal wöchentlich findet die Beratung in der JVA statt.

Beim „Übergangsmanagement Sucht“ geht es darum, alles, was für die Entlassung wichtig ist, rechtzeitig vorzubereiten. Krankenkasse, Wohnung, Personalausweis – möglichst ein halbes Jahr vor Entlassung sollte das Übergangsmanagement beginnen, erklärte Sozialarbeiterin Sabine Spee. Insgesamt 39 Menschen begleitete sie im vergangenen Jahr von der JVA bis in die eigene Wohnung – oder auch in ein Betreutes Wohnen oder in Einrichtungen wie das Don-Bosco-Haus. „Man muss immer schauen, was die jeweiligen Leute in diesem Moment brauchen“, betonte Spee. Dabei fährt sie NRW-weit in JVAs zu Gefangenen, die Aachener Bürger sind und nach ihrer Entlassung nach Aachen zurückkehren möchten. In Köln, Siegburg und Heinsberg war die Sozialarbeiterin, aber auch in Geldern, Rheinbach, Bielefeld, Werl und Willich.

17 Festangestellte arbeiten bei der Straffälligenhilfe und insgesamt 109 Ehrenamtler. Die Ehrenamtlichen gehen vorrangig in die Haftanstalten und betreuen Diskussions – und Alphabetisierungsgruppen und vermitteln Briefkontakte. Für das kommende Jahr absolviert Brötsch gerade eine Ausbildung für die psychosoziale Prozessbegleitung, die Opfer von schweren Straftaten in Anspruch nehmen können. Eine gute Vorbereitung auf die Prozesse sei hierbei das A und O: „Das Opfer soll durch den Prozess nicht noch einmal zum Opfer werden“, stellte Brötsch heraus.

Und auch wenn Opfer- und Täterberatung zwei strikt getrennte Bereiche bei der Straffälligenhilfe sein werden: „Es ist uns wichtig, beide im Blick zu behalten, Täter und auch Opfer“, sagte Czarnojan. Ebenfalls neu ist ab voraussichtlich September ein breiteres Spektrum für das Betreute Wohnen. Dann sollen auch sogenannte „Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten“, also Haftentlassene, Wohnungslose und Bindungslose, betreut werden können.

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