Der Schokohase darf den Öcher Bend anknabbern

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Bald etwas kleiner: Die Stadt will dem benachbarten Schokohersteller Lindt & Sprüngli ein 8000 Quadratmeter großes Stück des Bendplatzes – auf dem Bild rechts – verkaufen. Damit wird Zeit gewonnen, um eine große Lösung zu finden. Lindt will nämlich stark expandieren. Foto: JoJo

Aachen. Muss der traditionsreiche Öcher Bend von seinem angestammten Platz weichen? Oder sucht stattdessen im schlimmsten Fall sogar einer der größten Arbeitgeber Aachens das Weite, weil er nicht expandieren kann? Zunächst einmal geschieht nichts von beidem: Denn im Tauziehen um den fast 40.000 Quadratmeter großen Bendplatz, auf den der kontinuierlich wachsende Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli ein Auge geworfen hat, wurde nun offenbar ein erster Kompromiss gefunden.

In der nächsten Sitzung des Betriebsausschuss für das Eurogress am 12. September – das Kongresszentrum ist auch für den Bendplatz zuständig – soll die Politik grünes Licht geben für den Verkauf eines 50 Meter breiten und insgesamt gut 8000 Quadratmeter großen Grundstücksstreifens, der direkt an das bisherige Lindt-Areal angrenzt.

Überschaubare Folgen

Das bedeutet: Der Schokohase darf die Kirmes anknabbern, aber erst einmal nur ein bisschen. Und beide bleiben zunächst Nachbarn. Für den zwei Mal im Jahr stattfindenden Bend sollen die Folgen der Flächenreduzierung laut Verwaltung relativ überschaubar sein. Vom Verkauf betroffen sei ein 30 Meter breiter Grundstückstreifen, den die Schausteller bislang als Parkplatz nutzten, heißt es in der nicht-öffentlichen Vorlage für die Sitzung. Dafür wolle man in unmittelbarer Nähe Ersatz finden – wo genau, weiß man allerdings noch nicht. Und den übrigen Flächenverlust wolle man „durch Neuplanung“ weitestgehend kompensieren.

Die Anzahl der zugelassenen Geschäfte werde sich somit voraussichtlich nur gering reduzieren, schätzt die Verwaltung. Auch die Zahl der Parkplätze für die Reisebusse, die während des Weihnachtsmarktes den Bendplatz ansteuern, werde nur geringfügig sinken. Und sonstige Veranstaltungen, zum Beispiel Zirkusgastspiele, würden gar nicht beeinträchtigt.

Allerdings dürfte diese Lösung nicht von langer Dauer sein. Denn die Expansionspläne und damit der Flächenbedarf von Lindt & Sprüngli sind erheblich größer. Das Unternehmen, das seine Belegschaft in Aachen in den vergangenen 20 Jahren auf 2300 Mitarbeiter nahezu verdoppelt hat, will am hiesigen Standort noch einmal bis zu 1000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Man sei auf dem eigenen Grundstück am Limit und könne in den nächsten Jahren die Hälfte des Bendplatzes gut gebrauchen, hatte der Aachener Lindt-Geschäftsführer Adalbert Lechner vor dreieinhalb Monaten gesagt, als die AZ erstmals über die Expansionspläne berichtete. Und der Rest des großen Platzes sei als Ausbaureserve willkommen.

Zeitgewinn

Damit dürfte der anstehende Verkauf nur ein erster Schritt sein, der aber der Stadt Zeit verschaffen kann. Denn die Kunde von 1000 möglichen neuen Arbeitsplätzen, die in einer Kommune wie Aachen eigentlich großen Jubel auslösen müsste, hatte die Verwaltung auch in die Bredouille gebracht. „Wohin mit dem Bend?“, lautete die große Preisfrage, die auch noch unter Zeitdruck beantwortet werden musste. Schließlich hatte Lindt keinen Hehl daraus gemacht, Aachen notfalls den Rücken zu kehren, wenn es denn hierzulande mit der Erweiterung nicht klappt.

Also haben die städtischen Planer in ihren Büros den Bend mit kleinen Bauklötzchen an den verschiedensten Stellen Aachens modellhaft immer wieder auf- und abgebaut, um zu sehen, wo das Volksfest denn hinpassen würde – und bislang noch keine abschließenden Lösung gefunden. Das ist allerdings auch gar nicht so einfach.

Denn der Bend braucht viel Fläche, eine vernünftige Infrastruktur, darf nicht zu nahe an Wohnbebauung heranreichen, soll nach dem Willen der Schausteller aber auch nicht zu weit außerhalb liegen. Also eher nicht auf Arealen wie Camp Hitfeld, Avantis oder Merzbrück? Sondern eher auf einem Grundstück wie dem des heutigen Polizeipräsidiums, das 2019 abgerissen werden könnte? Oder ganz woanders?

Um diese Fragen zu beantworten, hat die Stadt nun mehr Zeit. Nach dem Sommerbend 2019 soll Lindt das erste Stück Bendplatz bebauen, der Osterbend 2020 wäre dann die erste Kirmes in kleinerer Form, heißt es in der Vorlage. Doch zu diesem Zeitpunkt wird man vermutlich schon einen neuen Standort für den Bend im Blick haben wollen. Falls der Flächenhunger des Schokoriesen anhält und bevor jemand in der Schweizer Lindt-Zentrale auf die Idee kommt, sich ebenfalls Gedanken über neue Standorte zu machen.

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