Der „Renner“ vom Schlachthof als Vorbild für die City?

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
13076543.jpg
Toller Erfolg: Der Feierabendmarkt am Alten Schlachthof mit dem Mix aus Marktangeboten, Street Food, Chillout-Zone und Musik trifft auf großen Zuspruch. Könnte er Vorreiter für die City sein? Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit diesem Erfolg hätten wohl selbst die Macher nicht gerechnet. Denn bevor der neue Markt auf dem Gelände des Alten Schlachthofs am 19. August erstmals seine Pforten öffnete, da habe es doch sehr viel Skepsis von außen gegeben. Erzählte Susanne Nagel den Politikern im Ausschuss für Wirtschaft und Wissenschaft.

Sie ist Geschäftsführerin der Veranstaltungsagentur „Veventis“, die selbst ihre Heimat auf dem Areal hat. Von 17 bis 21 Uhr gibt es dort auf 700 Quadratmetern einen Mix aus klassischen Wochenmarktangeboten, Street Food, Chill-out-Zone und Musik. Nach Feierabend strömen nun Woche für Woche Hunderte Besucher dorthin – weswegen man so etwas auch einen „Feierabendmarkt“ nennt.

Vorbild Berlin

Das Ganze sei konzipiert worden nach Vorbildern in anderen Städten wie Berlin, wie Guido Bauer, einer der „geistigen Väter“ des neuen Marktes, ergänzte. Bauer ist Geschäftsführer vom „Haus Kölscher Brautradition“ („Sester“, „Gilden“, „Sion“ und andere Marken). Klar, was sollen die Veranstalter auch anderes sagen, als dass es der Renner ist. Schließlich wollen sie ja wohl Geld damit verdienen. Sollte man meinen.

Aber: „Das kann man gar nicht wirtschaftlich betreiben. Das ist für uns so eine Art Hobby“, sagte Bauer überraschenderweise. Und: „Wir waren der Meinung, dass Aachen-Nord mit dem tollen Ambiente hier am Alten Schlachthof so ein Event verdient hat.“ Dabei handelt es sich um ein aufwendiges „Hobby“, das offenbar bisweilen auch noch recht nervenaufreibend daherkommt, folgt man den Ausführungen von Susanne Nagel.

Was nicht etwa mit den begeisterten Besuchern zu tun hat (Bauer: „Wir haben da ausschließlich sehr positive Resonanz“). Vielmehr sei es äußerst schwierig, Marktbeschicker aus dem „traditionellen“ Segment wie Obst oder Blumen dazu zu bewegen, abends mitzumachen. Und das, obwohl Gespräche in der Planungsphase ganz andere Signale gesendet hätten. Da nämlich sei ihr vielfach gesagt worden, dass es auf den vormittäglichen Märkten schwieriger werde, den nötigen Umsatz zu machen.

Da gehe es erst richtig los, wenn die Marktstände um 13 beziehungsweise 14 Uhr schon wieder abgebaut werden. Dennoch zeige sich jetzt, dass die Beschicker dann doch Probleme damit hätten, sich Neuem zu öffnen. Was natürlich auch mit der Personalgestellung, dem neuerlichen „Aufladen“ der Fahrzeuge und so weiter zu tun habe. Solche Probleme gebe es bei den Teilnehmern im Gastro-Bereich nicht.

Fragt sich nun, warum die beiden überhaupt Gäste im Ratsausschuss waren. Antwort: Da ging es einmal mehr um den von der FDP schon lange gehegten Wunsch, einen Feierabendmarkt in der Innenstadt zu etablieren – wobei der Antrag einst auf die „klassische“ Form abzielte. Die Verwaltung hatte in einer neuerlichen Vorlage einmal mehr ihre Skepsis zum Ausdruck gebracht. Zitat: „Ein weiterer Feierabendmarkt sollte in Aachen nur dann auf den Weg gebracht werden, wenn die Erfolgsaussichten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als hoch bewertet werden können.“

Viele Versuche, einen Feierabendmarkt zu etablieren, seien gescheitert. Etwa in Dortmund. Unter dem Strich meint die Verwaltung: „Festzuhalten ist, dass ein Feierabendmodell zwar als ein durchaus attraktives Veranstaltungsmodell bewertet wird. Es wird aber auch deutlich, dass, um ein dem Anspruch und dem Altstadt-Flair gerecht werdendes Format vorzubereiten, zu organisieren und umzusetzen, ein erheblicher Aufwand betrieben werden müsste. Hierzu wäre sicherlich die Einbindung eines professionellen Veranstaltungsmanagements erforderlich.“

Geht es auch im Winter weiter?

Und da kommen seit der Ausschusssitzung nun wieder die Organisatoren vom Alten Schlachthof ins Spiel. Guido Bauer bekundete, man könne sich durchaus vorstellen, solch ein Konzept auch in die City zu tragen, wenn es eine geeignete Fläche gebe. Oder aber man könne die Stadt bei der Etablierung unterstützen.

Übrigens: Bauer berichtete von Überlegungen, den Markt, den es Open-air bis Ende Oktober gibt, wegen des großen Erfolges auch in den Wintermonaten zu veranstalten. Dann natürlich überdacht. Als „Location“ hat man beispielsweise die alte Produktionshalle von Garbe-Lahmeyer an der Jülicher Straße – die sogenannte „Jahrhunderthalle“ – ins Auge gefasst. In trockenen Tüchern sei das aber derzeit noch nicht.

Die Politik im Ausschuss mit CDU und SPD an der Spitze beschloss, dass jetzt seitens der Verwaltung erst einmal weiter geprüft werden soll – inklusive der neuen Perspektiven. Dann soll noch einmal beraten werden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert