Aachen - „Der Regen”: Simple Geschichte stellt emotionale Falle

„Der Regen”: Simple Geschichte stellt emotionale Falle

Von: Louisa Plasberg
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Wagen sich im Theater K an der
Wagen sich im Theater K an der Bastei mit dem Stück „Der Regen” an einen schwierigen Stoff: Beate Lohse und Susanne Schieffer (oben).

Aachen. Die Figur der jungen Hanna ist Susanne Schieffers erste große Rolle auf der Theaterbühne: „Als ich den Text zu ersten Mal gelesen habe, dachte ich sofort: Das wird eine unglaubliche Herausforderung! Ich habe trotzdem versucht, unbefangen an dieses schwierige Thema heranzugehen.” Das „schwierige Thema” ist der Holocaust.

Am Samstag, 14. April feiert das Stück „Der Regen” im Theater K Premiere und wird im April und Mai insgesamt sechs Mal aufgeführt.

Menschen in Züge getrieben

Im Text von Daniel Keene geht es um Hanna, eine Frau, die mit sich und ihrer Vergangenheit abrechnet. Sie erinnert sich daran, wie sie als junges Mädchen auf einem Feld steht und beobachtet, wie Hunderte von Menschen in Züge getrieben werden. Hanna sammelt die Habseligkeiten, die die Menschen nicht mit in den Zug nehmen dürfen. Sie archiviert, sortiert und beschriftet sie, um sie den Menschen zurückgeben zu können, wenn sie wiederkommen. Dass diese Menschen nie wiederkommen werden, weiß Hanna schon damals.

„Es ist eine simple Geschichte in einer einfachen Sprache. Es geht um die Suche nach der Position -darum, wie wir mit der Vergangenheit umgehen” sagt die Regisseurin Annette Schmidt. „Der Regen” ist eigentlich ein Monolog, den man in 15 bis 20 Minuten gelesen hat. Schmidts Inszenierung dauert eine Stunde und es gibt zwei Hannas - eine junge und eine alte. Schmidt hat den Text aufgeteilt und „stumme Szenen” eingebaut. Die Stille soll dem Publikum eine Pause bieten, da diese „harte Auseinandersetzung” Zeit braucht - so Schmidt.

Beate Lohse spielt die alte Hanna: „Bei den ersten Proben habe ich oft geweint. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und habe mich am Anfang gefragt, ob ich das überhaupt schaffe.”

Der Regisseurin ging es beim ersten Lesen ähnlich. Der Text sei eine „emotionale Falle” - am Anfang habe man nur Mitleid mit der Hauptfigur, so Schmidt. Diese Darstellung findet die Regisseurin zu einseitig. Deshalb hat sie die Figur der jungen Hanna geschaffen, die die alte konfrontieren soll. „Diese Zweiteilung schafft mehr Reibung im Stück und mehr Skepsis bei den Zuschauern”, erklärt Michael Kampermann, der sich selbst als „Gesprächsbegleiter” bezeichnet.

Der ehemalige Deutsch- und Religionslehrer stand der Regisseurin bei der Entwicklung des Projekts beratend zur Seite. Er legt Wert darauf, dass es bei dem Stück nicht um die „Erziehung des Publikums” geht. Das Stück soll nicht mit gehobenem Zeigefinger anklagen, sondern das Publikum zum Nachdenken anregen und Fragen aufwerfen. „Es gab schon eine öffentliche Probe. Nach dem Durchlauf herrschte enormer Gesprächsbedarf, das Publikum stellte Fragen und diskutierte leidenschaftlich. Mehr kann man sich gar nicht wünschen. Das Stück ist nicht beim Applaus des Publikums zu Ende. Das wirkt nach” freut sich Kampermann.

Theater in Verantwortung

Als die Verbrechen der Zwickauer Neonazi-Zelle vergangenes Jahr ans Licht kamen, hatte Annette Schmidt das Gefühl etwas unternehmen zu müssen. „Als Theatermacher hat man meiner Meinung nach auch die Verantwortung, auf aktuelle Ereignisse zu reagieren. Mir ist es wichtig das Thema Nationalsozialismus wach zu halten - neue Zugänge zu dem Thema zu finden, gerade für die jüngere Generation” sagt Schmidt.

Viele Jugendliche reagieren mit einer gewissen Verdrossenheit auf das Thema. Schmidt. „Trotzdem möchte ich gerade junge Leute ermutigen sich das Stück anzuschauen. Es ist anders als Geschichtsunterricht. Wir wollen Emotionen wecken und die jungen Leute einladen, sich in Hannas Rolle hineinzuversetzen.” Bei Interesse soll es auch Sondervorstellungen für Schulklassen geben. Nach der Aufführung stehen Schauspielerinnen und Regisseurin den Schülern dann für Fragen zur Verfügung.

Informationen gibt es beim Theater K, Ludwigsallee 139, Tel. 151155, Fax: 159571, info@theater-k.de und www.theater-k.de
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