Der Ratskeller liegt schon in Trümmern

Von: Robert Esser
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Sitzt buchstäblich auf dem Trockenen: Nachdem die Ratskeller-Küche von Maurice de Boer demontiert wurde, erneuern Bauarbeiter den Bodenbelag – zum Schutz des Gemäuers vor Feuchtigkeit. Foto: Michael Jaspers
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Trümmer statt Teppich: Architekt Andreas Klinkenberg wirft am Container vor dem historischen Ratskeller einen Blick in die Umbaupläne. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wo sonst feinster Fisch filetiert wird, beißt sich der Presslufthammer durch. Die Küche von Gourmet-Koch Maurice de Boer liegt in Trümmern. Der Krach ist ohrenbetäubend. Abrissstaub steht in der Luft. Statt des roten Teppichs weist ein Schuttcontainer den Weg ins Lokal. Eines der nobelsten Aachener Restaurants – der Ratskeller am Markt – hat nach den Karnevalstagen überraschend dicht gemacht.

Das gastronomische Gewölbe unter dem Rathaus und der angeschlossene Postwagen an der Ecke zur Krämerstraße müssen bis Mitte April aufwendig saniert werden.

Vor allem das jahrzehntelang von außen durch das uralte Fundament einsickernde Wasser hat das Restaurant von Ratskeller-Chef de Boer arg in Mitleidenschaft gezogen. Statt de Boer gibt nun Architekt Andreas Klinkenberg (Paulssen+Schlimm Architekten) den Takt vor. Alles muss raus. „Die komplette Küchenausstattung haben wir demontiert und abtransportiert. Sie wird von Fachleuten generalüberholt“, erklärt de Boer. Jetzt ist die Stadt als Vermieterin der historischen Räume und Keller am Zug; sie muss zur Instandsetzung eine Viertelmillion Euro investieren.

Rund 100 Quadratmeter Küchenboden reißen die Bauarbeiter heraus. Dann gießen Fachleute einen neuen Spezialbelag und betten zig Versorgungsleitungen zu Füßen der Öfen, Kühlgeräte, Gasherde etc. ein. Zur hygienisch einwandfreien Trennung der in Küchen unverzichtbaren Fette und Öle vom restlichen Abwasser saniert man den sogenannten „Fettabscheiderraum“. Ebenso tief unter dem Rathaus liegt ein Kühlraum zur fachgerechten Lagerung von Speiseabfällen. Auch dieser wird saniert. Hingegen bleibt der viel zu feuchte Bierkeller unter dem Postwagen erstmal außen vor. Zur optimalen Abdichtung dieses Gewölbes unter dem Ende der 40er Jahre rekonstruierten Holzbau müsste das Kopfsteinpflaster entlang der denkmalgeschützten Fassade abgetragen werden. Und man darf wohl davon ausgehen, das tief schürfenden Grabungen ebensolche Erkenntnisse der Archäologen erwarten ließen – was dann zur einer Langzeitbaustelle in extrem exponierter Lage führen könnte. „Daran ist offenbar niemandem gelegen“, sagt de Boer.

Während die Stadt ihre Instandsetzungsarbeiten vorantreibt, gönnt der Gastronom seinen Gasträumen mit insgesamt 350 Plätzen eine Frischzellenkur. Heller und freundlicher soll‘s werden. „Das neue Lichtkonzept sieht für jeden Tisch eine Lampe und samtgrüne Stühle mit Lehnen vor“, verrät de Boer. Das Spiel mit Licht und Schatten soll künftig frischen Charme in den betagten Ratskeller bringen, der in den 60er Jahren vom Brauhaus Degraa erstmals zum Restaurant umgebaut worden war. Den Eingangsbereich ziert dann anstelle kühler Glastrennwände ein effektvoll beleuchtetes Weinregal. Für den Postwagen rollt demnächst neue Thekentechnik an. Auf rund 200 000 Euro beziffert der Pächter seine zusätzliche Investition in die ehrwürdige Lokalität, dessen urige Gasträume sich quer unter dem gesamten Rathaus erstrecken. 2004 hatte de Boer das Restaurant übernommen, bis 2026 läuft sein Pachtvertrag. 36 Festangestellte – darunter zwölf Köche – gehören zur Ratskeller-Crew. Deren Leistungen dekorierte der Restaurantführer Guide Michelin mit drei Gäbelchen.

Der Restaurantbetrieb in den denkmalgeschützten Räumen des Aachener Rathauses ist nach Angaben de Boers übrigens alles andere als eine Goldgrube. „Der Aufwand ist so hoch, dass der Betrieb nur dank der Zusatzeinnahmen auf dem Aachener Weihnachtsmarkt wirtschaftlich zu führen ist“, betont er. „Das reißt uns Jahr für Jahr aus den roten Zahlen.“

Nach zähem Ringen realisieren de Boer und das städtische Gebäudemanagement Sanierung und Modernisierung einträchtig im Schulterschluss. Damit dann wieder taktvoll Filets geschlemmt statt Fliesen gehämmert werden.

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