Der perfekte Mullefluppet trägt heute Zwirbelbart

Von: Hans-Peter Leisten
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Ein starker Mann, hinter dem eine starke Frau steht – oder auch an seiner Seite: Preisträger Hubert Coonen mit seiner Gattin Karin. Alle Foto: Michael Jaspers
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Bezaubernder Puppentanz: Die jungen Mitglieder der Tanzwerkstatt Brettschneider eröffneten das Programm.
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Schlüssel zum Erfolg: Mit AZ-Redakteur Thorsten Karbach (links) spielte Albert Henrotte den Einzug in der neuen Gartenanlage nach.
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Flowerpower wie beim Pop-Festival 1970: TN Boom, die Tanzformation von Kuratoriumsmitglied Marga Render, tanzte und spielte mit dem Kuratorium Stationen der Geschichte der Soers nach.

Aachen. In einem, einem einzigen Punkt ist Hubert Coonen nicht glaubwürdig. Als er nämlich in einer Videoeinspielung auf die zerzauste Fahne seiner früheren Gartenkolonie Groß Tivoli zeigt und sagt: „So sehen auch meine Nerven aus.“ Das glaubt man ihm nicht, dem Träger des Mullefluppet-Preises des Aachener Zeitung 2013.

Denn der Mann hat ganz offensichtlich allerbeste Nerven. Sonst hätte er nicht mit einer bemerkenswerten Selbstkontrolle die Streiche ertragen, die ihm vor der Antragung des Preises in den Weg gelegt wurden. Und vor allem könnte er nicht diesen unglaublich sympathischen, souveränen und auch authentischen Typen auf der Bühne geben, den die 400 Zuschauer im proppenvollen Saalbau Kappertz erleben. Man darf ein bisschen sagen: erleben dürfen.

Eine perfekte Wahl

Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass ein Mann – mit lupenreinen euregionalen Wurzeln und aus einfachen Verhältnissen stammend – eine Aufgabe vor großem Publikum derart gekonnt meistert. Aber wahrscheinlich ist es genau dieser Umstand, der ihn dem Mullefluppet-Kuratorium als geeigneten Kandidaten erscheinen ließ. Eine perfekte Wahl. Die vier obligatorischen Kriterien – Liebe zu Aachen, Schlitzohrigkeit, Hilfsbereitschaft und Humor – erfüllt er sowieso. Am Ende der Preisverleihung wird Hubert Coonen sagen: „Ich bin stolz, ein Öcher zu sein. Aber ich noch stolzer, jetzt auch einer der Mullefluppets zu sein. Denn was für Hollywood der Oscar ist, ist für Aachen der Mulle-fluppet-Preis.“ Man glaubt ihm.

Bis es aber so weit ist, erleben er, seine Familie und Freunde sowie die Zuschauer ein fast dreistündiges Programm, dass eine kunterbunte Mischung aus Show, Kabarett, Komik und auch Klamauk ist. Essenzieller Bestandteil ist seit der Verleihung des Preises an Caroline Reinartz das Mobbing des Kandidaten. Mobbing ist nicht nur der offizielle Titel – das, was das Gremium dem oder der Auserwählten jeweils antut, ist wirklich fieses Mobbing. Davon können sich die Gäste bei drei Einspielungen auf den Videowänden im Saal überzeugen. Die zeigen nicht nur den Leidensweg des Hubert Coonen bis zur Aufklärung, sie porträtieren den Mann gleichzeitig und umfassend. Und da sind wir wieder bei den eingangs erwähnten Nerven.

Attacke auf den Fischteich

Die werden bis aufs Äußerste strapaziert, der Mann wird auf seiner neuen Gartenanlage „Groß Tivoli“ auf Berensberg heimgesucht. Und was sich AZ-Redakteur Manfred Kutsch hat einfallen lassen, trifft den Herzens-Gärtner Coonen ins Mark. Dass es seinen geliebten Fischen im Teich der Anlage an die Schuppen gehen soll, weil diese „laut Paragraph 20c des Bundeskleingartengesetzes Coliforme Bakterien“ verbreiten. Dabei hatte er selbst immer gesagt: „Wenn mir einer an den Teich geht, versäuft er in dem Ding.“ Aber Hubert Coonen hält die Kutsch-Attacke aus. Genau wie den zweiten Angriff aufs Gemüt des eigentlich so gutmütigen Gärtners. Dem soll angeblich eine Biogasanlage mit großen Turbinen direkt vor sein grünes Paradies gesetzt werden. „Aber den Donnerberg können Sie noch sehen“, verspricht im Film ein angeblicher Umweltingenieur, in Wirklichkeit Kuratoriums-Mitglied Michael Cosler. Auch hier bleibt Coonen noch ruhig. Doch damit immer noch nicht genug. Denn mitten in den Aufnahmen ruft ALRV-Vorstand Frank Kemperman an. Beim CHIO steht Coonen seit Jahren „als ein in 153 Ländern bekannter Ordner“ an der Schranke und lässt die Weltreiter-Elite in den Parcours. Auch das soll ein Ende haben. „Da haben wir uns jetzt doch für ein paar junge Mädels entschieden“, lügt der ALRV-Chef der Ordnerlegende vor. Huber Coonen wahrt Contenance: „Die internationalen Reiter entscheiden sich für mich. Und ein kurzes Röckchen ziehe ich mir nicht mehr an!“ All‘ das ist perfekt in Szene gesetzt vom Filmteam Miriam Pucitta und Michael Chauvistré, die den Film „Friede-Freude-Eierkuchen“ über Abriss und Neubau des Tivoli gedreht haben. Genau wie die Auflösung, das Happy- End. „Die haben mich verarscht!“

Dieses Happy-End findet seine Fortsetzung bei der Preisverleihung am Donnerstagabend. Die „Trilogie der Streiche“ habe Hubert Coonen – so unterstreicht Laudator Manfred Kutsch, der mit Kuratoriumskollege Christian Mourad den Abend moderiert – nur ausgehalten, weil er ein Lebensmotto beherzige: „Wenn etwas nicht zu ändern ist, dann bringe ich mich nicht um – dafür lebe ich zu gerne.“ Ein selbstredender Satz, der den Mann fast perfekt porträtiert. Aber ganz reicht das dann doch nicht, um „Hubert, den Pferdeflüsterer zu beschreiben, dem schon Halla zuwieherte“. Den Mann mit den blitzenden offenen Augen, den Lachgrübchen und dem „Zwirbelbart à Wilhelm I., Salvatore Dali und Horst Lichter“. Er könne aber auch ein Sturkopf sein, den ein griechischer Maulesel bewundere. Nur mit einer Titulierung könne man Hubert Coonen zur Weißglut bringen. Aber die soll hier nicht verraten werden, denn die Verniedlichung seiner Oma als „Männelein“ kann er partout nicht ausstehen.

Er habe wirklich nichts gewusst, so beschwört er in seiner Dankesrede. Der Mann kann den Abend genießen, nicht zuletzt weil ihm auch im Kreise seiner Familie die Öcher Ehre zuteil wird. Selbstverständlich holt er seine Gattin auf die Bühne, denn: „Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau.“ Das weiß der Preisträger, seit er mit 22 Jahren „seine Karin“ geheiratet hat. Die bekommt Blumen, ihr Mann die Mullefluppet-Statue und die Urkunde. Vor allem aber bekommt er tosenden Applaus des Saales, das Publikum erhebt sich. Nach etwa drei Stunden versammeln sich alle Akteure zum finalen Schlussbild. Uwe Brandt, Preisträger 2002, singt mit Bruder René und Ägid Lennartz, die den ganzen Abend musikalisch begleiten, das Mullefluppet-Lied. Hubert Coonen seinerseits betrachtet das gelassen von seinem Platz aus, steht aber doch im Mittelpunkt. Er lächelt, der Zwirbelbart ist noch etwas breiter als sonst. Die Augen blitzen verschmitzt. Und gäbe es nicht bereits die Mullefluppet-Figur, Hubert Coonen wäre der perfekte Prototyp.

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