Der Oberbürgermeister teilt seinen E-Dienstwagen

Von: Oliver Schmetz und Annika Kasties
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Vorreiter des Car-Sharing-Modells ist aktuell Oberbürgermeister Marcel Philipp, ... Foto: Michael Jaspers
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... der die Verteilung seines Autos mit der App „Mobility Broker“ koordiniert. Foto: Michael Jaspers
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Bausteine für eine bessere Luftqualität: Statt mit dem Privatauto sollen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Dienstfahrten unter anderem mit E-Bikes zurücklegen. Foto: Michael Jaspers
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OB-Referent Axel Costard spricht von einem Mentalitätswandel.

Aachen. Einen Vorteil hat der neue Flitzer, mit dem Marcel Philipp täglich zur Arbeit fährt, auf alle Fälle. Und der hat nur bedingt etwas mit dem elektrischen Antrieb zu tun: „Mein Auto ist jetzt immer aufgeräumt“, sagt der Oberbürgermeister. Hintergrund ist ein Mentalitätswechsel: Statt mit dem eigenen Wagen durch die Stadt zu kurven, ist Philipp der Hauptnutzer eines Car-Sharing-Autos.

Als solcher stellt er seinen Wagen Mitarbeitern der städtischen Verwaltung für Dienstfahrten zur Verfügung, wenn er ihn selbst nicht braucht. Und wer sein Auto mit anderen teilt, der achtet in der Regel auch etwas mehr darauf, wie es darin aussieht.

Ab Herbst sollen diesem Beispiel deutlich mehr Verwaltungsmitarbeiter folgen. Dann nämlich soll das neue interne Mobilitätskonzept greifen. „Wir wollen Vorreiter bei der emissionsfreien Mobilität sein“, sagt Philipp, nicht zuletzt auch angesichts drohender Diesel-Fahrverbote, wenn die Stickoxid-Grenzwerte in Aachen weiter überschritten werden sollten. 15 Elektroautos seien bereits bestellt. Langfristig soll der städtische Fuhrpark aus 20 elektrisch betriebenen Fahrzeugen bestehen, die in der Nähe von Verwaltungseinrichtungen geparkt werden.

Mit diesen sollen die Mitarbeiter Außentermine wahrnehmen. Denn bislang habe die Verwaltung in Sachen Mobilität einen „falschen Anreiz“ geboten, findet Philipp. So erledigen viele Mitarbeiter Dienstfahrten mit ihrem Privatauto, die zurückgelegten Kilometer werden entsprechend abgerechnet. Häufige Konsequenz: Anstatt mit dem öffentlichen Nahverkehr oder dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, greifen die Mitarbeiter morgens lieber zum konventionellen Autoschlüssel. Schließlich könnte es sein, dass man den Wagen während der Dienstzeiten noch benötigt.

Das soll sich mit Inbetriebnahme der neuen Elektroautos ändern. Dann nämlich werden „private Autos nicht mehr dienstlich nutzbar sein“, verkündet Philipp. Buchen können die Mitarbeiter die Dienstwagen dann über die App „Mobility Broker“, über die auch Philipp die Verteilung seines Car-Sharing-Autos koordiniert.

Ein externer Sachverständiger habe ermittelt, dass 20 städtische E-Autos den Bedarf der Verwaltungsmitarbeiter durchaus decken, versichert OB-Referent Axel Costard. „Die Überlast wird über andere Car-Sharing-Angebote abgedeckt.“ Außerdem sollen die Mitarbeiter zunehmend auf Bus und Fahrrad zurückgreifen.

Für die rund 4800 Mitarbeiter der Verwaltung bedeutet das eine drastische Umstellung. Deshalb habe man früh den Personalrat einbezogen, sagt Costard. Dieser habe „keine größeren Bedenken“ angesichts des neuen Mobilitätskonzepts, versichert Costard, der Anfang des Jahres seinen Job als Beauftragter für E-Mobilität aufgenommen hat. Das kann Hubert Meyers vom Personalrat der allgemeinen Verwaltung auf AZ-Anfrage weitgehend bestätigen. Auch wenn jede Veränderung unter Umständen Widerstand auslöse, sehe der Personalrat ein, dass „die ökologischen Gesichtspunkte es nicht anders zulassen“.

Wichtig sei deshalb, dass die Beschäftigten mitgenommen und frühzeitig informiert würden. „Wir haben es als wohlwollend empfunden, dass kein Druck aufgebaut, sondern auf Verständnis und Einsicht gesetzt wurde“, sagt Meyers. In Absprache mit dem Personalrat habe die Verwaltung zudem einige Ausnahmefälle vereinbart. So bleibe kein Mitarbeiter auf den Fahrtkosten sitzen, wenn er für einen 80 Kilometer entfernten Außentermin anstelle des Elektromotors lieber den privaten Benziner beziehungsweise Diesel wählt.

Auch auf dem Fahrrad unterwegs

Für den Großteil der Mitarbeiter gilt aber: Kurze Wege innerhalb des Stadtgebiets sollen mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad zurückgelegt werden. Damit die Mitarbeiter angesichts der Topographie Aachens nicht mit rotem Kopf und durchnässtem Hemd bei Terminen aufschlagen, geht die Verwaltung eine Kooperation mit dem E-Bike-Verleiher Velocity ein. Dessen Standort-Netz müsse diesbezüglich natürlich noch ausgeweitet werden, so Costard, insbesondere in der Nähe von Verwaltungsgebäuden. Stellplätze am Elisengarten und am Klosterplatz sollen in Kürze errichtet werden. Darüber hinaus erwägt die Stadt, Duschanlagen in ihren Verwaltungsgebäuden zu bauen.

Wenn die Mitarbeiter verstärkt mit dem Fahrrad und dem ÖPNV unterwegs sind, dürfte zudem ein negativer Nebeneffekt des E-Autos wegfallen, der Philipp zurzeit regelmäßig betrifft: „Ich kriege so viele Knöllchen wie noch nie“, sagt der Oberbürgermeister. Vier bis fünf Stundenkilometer habe er leider immer mal wieder zu viel auf dem Tacho. „Das merkt man in einem Elektroauto kaum.“ Aber sobald sich das vollautomatische Fahren durchsetze, dürfte das Problem auch geregelt sein.

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