Aachen - Der „Nomade” ist sesshaft geworden

Der „Nomade” ist sesshaft geworden

Von: Manfred Kutsch
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Aachen. Er hat es wahrgemacht. Er, der „Nomade”, wie er sich selber nennt, der Weltbürger, der 30 Jahre in Kanada, Amerika, Australien, England und Kuwait agierte. Er hat Wort gehalten - und ist tatsächlich in Aachen sesshaft geworden. Am Sonntag wird Udo W. Danzer 70 Jahre alt.

Ein Geburtstag, der für den langjährigen Chef der Aachener Mercedes-Benz-Niederlassung - von 1992 bis 2003 - alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. 100 Tage Geiselhaft unter dem irakischen Diktator Saddam Hussein im Herbst 1990 ließen Danzer vielfach dem Tod entgegenblicken, bevor er und 193 weitere Gefangene von Willy Brandt und dem damaligen Aachener Europaabgeordneten Dieter Schinzel befreit wurden.

Allem traumatischen Erleben zum Trotz stellte sich der Sprecher der deutschen Geiseln anderthalb Jahre später seiner neuen Aufgabe für Mercedes und schärfte das Profil der Niederlassung in Aachen: als Förderer, Partner und Sponsor - vom CHIO über den Karlspreis bis hin zum Karneval und Sozialsponsoring. „Aachen als Wohn- und Arbeitsplatz hat entscheidend zu meiner Reintegration beigetragen”, würdigt Danzer die Stadt, deren Lebensgefühl nicht nur seine seelische Genesung förderte. Mehr noch: Erstmals in seinem Leben lernte der damals 51-jährige Manager Heimatgefühle kennen, die ihn bis heute an die Kaiserstadt binden.

Udo W. Danzer, mit fünf Bypässen und nachlassender Sehkraft gesundheitlich angeschlagen, nutzt die Jahre seit seiner Pensionierung mit einem Nachholbedarf der besonderen Art: „Ich pflege menschliche Bindungen, die in meinem Berufsleben stets zu kurz kamen.” Dazu gehören auch die Kontakte, die er als Vorsitzender des Aachener Fördervereins traumatisierter Menschen hat. „Wir unterstützen die Patientenversorgung der Aachener Trauma-Ambulanzen, knüpfen Netzwerke der Hilfe und sensibilisieren die Öffentlichkeit”, erzählt Danzer, der seine Geiselhaft in einem Bretterverlies einer Giftgasfabrik im nordirakischen Kirkuk verbringen musste.

Der fast 70-Jährige lebt heute im Herzen der Altstadt und nimmt noch vielfach am gesellschaftlichen Leben Aachens Teil. Am Sonntag wird er nicht in seiner Heimat sein. Rechtzeitig zum runden Geburtstag gewann sein „Nomaden-Gen” mal wieder die Oberhand. Der Jubilar feiert in Südfrankreich.
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