Der neue Wohlfühlfaktor für über 100 Exponate

Von: Robert Baumann
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Sorgen mit dem Bau der neuen K
Sorgen mit dem Bau der neuen Klimaanlage für optimale Bedingungen in der Domschatzkammer: (von links) Dombaumeister Helmut Maintz, Bauleiter Hubert Haselier und Tadeusz Radonski am Luftrad eines Ventilators. Ende Januar soll die Anlage beste Bedingungen für den wertvollen Kirchenschatz Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Kreissäge schrillt ohrenbetäubend durch das drei Meter unter der Erde gelegene Gemäuer. Große und kleine Metallbleche und Ventilatoren liegen verteilt im Raum herum.

Der Boden ist vereinzelt mit Holzbrettern ausgelegt, eine Neonleuchte spendet gelbliches Licht von der Decke. Die Arbeiter in ihren Blaumännern leisten dort unten eine wahrhaft kostbare Arbeit. Eine Arbeit zur Sicherung einer der bedeutendsten Kirchenschätze Europas.

Denn mit der Erneuerung der Klimaanlage für die Domschatzkammer soll die bestmögliche Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit für die nur wenige Meter entfernt schlummernden Kunstwerke des Aachener Doms gewährleistet werden.

„Die Anlage ist 15 Jahre alt und läuft 365 Tage im Jahr. Sie musste komplett erneuert werden und wird deutlich energieeffizienter sein”, erklärt Dombaumeister Helmut Maintz. „Das ist wie beim Auto. Wenn ständig der Kühler oder der Motor kaputt ist und der Verschleiß zu groß wird, muss irgendwann ein neues her.”

Abgeschlossene Räume

1995 wurde die Domschatzkammer nach neuesten konservatorischen und museumsdidaktischen Erkenntnissen neu eingerichtet. Rund 100 Exponate aus der Geschichte des Doms verteilen sich dort auf über 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Während der Baumaßnahme bleibt die Schatzkammer geschlossen. Die sakralen Kulturschätze aus spätantiker, karolingischer, ottonischer, staufischer und gotischer Zeit bleiben dabei unberührt an Ort und Stelle. „Die Räume sind hermetisch abgeschlossen und wir messen täglich Raumfeuchte und Temperatur”, erläutert Dr. Georg Minkenberg, Leiter der Domschatzkammer. Optimal für die Kunstwerke sei eine Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent und eine Raumtemperatur von 18 Grad. Sollten die gemessenen Werte davon abweichen, ist der Einsatz einer Notfall-Klimatisierung möglich. Entfeuchtungs- und Befeuchtungsgeräte sorgen dann wieder für optimale Bedingungen.

Die Notfall-Klimatisierung reicht aber nicht aus, um dem täglichen Besucheransturm zu trotzen und eine konstante Temperatur zu sichern. „Jedes Kunstwerk hat unterschiedliche Kriterien. Vergoldetes Silber kann bei hohen Temperaturen schnell oxidieren und schwarz werden. Für Kunstwerke aus Holz ist zu große Trockenheit ein Problem”, betont Minkenberg. „Wenn 200 Menschen durch den Regen in die Kammer laufen, muss entfeuchtet werden. Das ist momentan in dem Umfang einfach nicht machbar”, ergänzt Maintz.

300.000 Besucher pro Jahr

Derzeit wird noch die alte Klimaanlage demontiert und in ihre Einzelteile zerlegt. „Wenn die Demontage abgeschlossen ist, montieren wir erst einmal die Lüftungskanäle für die neue Anlage”, erklärt Bauleiter Hubert Haselier von der Würselener Firma Neuefeind. Am 24. Januar soll dann die neue, rund 40 Quadratmeter große Anlage eingebaut werden.

Jedes Jahr strömen rund 300.000 Besucher in die Schatzkammer. „Das sind natürlich mal mehr und mal weniger Menschen. Seit 1997 sind die Zahlen aber sehr konstant. Hochsaison ist immer um die Weihnachtszeit herum”, erklärt Minkenberg. Im Jahr 2010 besuchten beispielsweise 280.000 Menschen die Schatzkammer.

Große finanzielle Einbußen durch die Baumaßnahme erwartet Dombaumeister Helmut Maintz nicht. „Wir haben den Monat Januar mit Bedacht gewählt, weil das die besucherschwächste Zeit ist. So stoßen wir auch den wenigsten Menschen vor den Kopf.”

Die neue Klimaanlage schlägt mit 300.000 Euro zu Buche. Finanziert wird die Maßnahme durch zweckgebundene Spenden für den Bau und aus den Eintrittsgeldern für die Domschatzkammer. Bis Ende Januar soll die neue Klimaanlage in Funktion sein. Ab Freitag, 3. Februar, ist die Schatzkammer wieder für die Besucher geöffnet.
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