Aachen - Der Neue Aachener Kunstverein feiert 30. Geburtstag

Der Neue Aachener Kunstverein feiert 30. Geburtstag

Von: Julia Kessen
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Stellten sich den Fragen von (v.l.) AZ-Redakteur Robert Esser: Dr. Werner Dohmen, NAK-Vorstandsvorsitzender, Künstler Philipp Noller, Oriand Durand, Direktorin des Dortmunder Kunstvereins, Kunstkritikerin Renate Puvogel und Dr. Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forums, sorgten für eine lebendige Debatte. Foto: A. Steindl

Aachen. Immer neu, immer anders, immer jung. Dafür steht der Neue Aachener Kunstverein (NAK) nun schon seit 30 Jahren. Seit der Gründung 1986 ging es immer darum, neue Perspektiven aufzuzeigen, junge Künstler zu fördern und Aachen als Standort für die Kunstschaffenden attraktiv zu machen.

Um die beachtliche Standhaftigkeit des NAK zu feiern, aber auch um die Arbeit der letzten 30 Jahre zu hinterfragen, traf man sich am im Raum für Kunst in der Elisengalerie zu einer Podiumsdiskussion. Dr. Werner Dohmen, Vorstandsvorsitzender des Vereins, Philipp Noller, ein junger Künstler aus Aachen, Oriand Durand, Direktorin des Dortmunder Kunstvereins, Renate Puvogel, renommierte Kunstkritikerin, und Dr. Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forums, bildeten die Expertenrunde des Abends. Robert Esser (Aachener Zeitung) führte durch den Abend. Natürlich kann der NAK auf 30 erfolgreiche Jahre zurückblicken, jedoch ist es nie falsch zu fragen: Sind wir überhaupt noch notwendig? Machen wir unsere Arbeit richtig? Denn nur so kommt man zu neuen Perspektiven.

Zunächst beantwortete Dohmen die Frage, warum damals überhaupt die Notwendigkeit bestand, einen Kunstverein zu gründen: „Es sollte nicht etablierte Kunst gezeigt werden. Wir wollten eine freie Plattform bieten für neue Konzepte, ohne die Kontrolle der Stadt oder der Öffentlichkeit.“ Dass diese Idee aufging, zeigt sich an vielen Künstlern, die erstmals im NAK ausgestellt waren und heute zu den Stars gehören. Wie Hans-Peter Feldmann, Jonathan Meese oder Andreas Greiner, die sich durch das Sprungbrett NAK etablieren konnten. Durch das frühe Ausstellen solcher Künstler hat sich der NAK ein Renommeé geschaffen, das einzigartig ist. Das beweist – unter anderem – der „Jump-Jahresförderpreis für Kunstvereine“ von der Kunststiftung NRW, den der Verein 2008 für sich verbuchen konnte. 2013 wurde der NAK für den „ADKV-Art Cologne“ nominiert.

Dass der NAK aus der Kunstszene nicht wegzudenken ist, unterstreicht Kunstkritikerin Puvogel. „Das Ludwig Forum macht nicht den ersten Schritt, dafür ist der NAK wichtig. Es werden junge Künstler gefördert, die direkt von der Uni kommen.“ Beitin hält dagegen: „In den letzten 15 Jahren hat eine Aufweichung der Grenzen zwischen Museum, Galerie und Kunstverein stattgefunden.“ Museen können teilweise ähnliche Aufgaben übernehmen wie Galerien und Kunstvereine. Die Kunst hat natürlich immer das große Anliegen, Kreativität zu fördern und neue Perspektiven zu zeigen. Jedoch machen die großen Museen das mit etablierten Künstlern – was Vereine wie den NAK so wichtig macht. Dabei geht es bei den Kunstvereinen nicht um Besucherzahlen, die Qualität der Kunst wird – unter anderem – an der Komposition des Publikums gemessen.

Puvogel führt an, dass sich das Aachener Publikum neu entwickelt, „es ist sehr viel jünger geworden. Das Gewicht muss auf gesellschaftliche Themen gelegt werden um diese neue Entwicklung zu erfassen.“ Noller schließt sich an: „Der Anschluss an die junge Generation muss zurückgewonnen werden. Die Museen und Galerien sollen zu keinem Rentnertreffen werden.“ Doch wie kann man die jungen Leute erreichen? Kunst ist vor allem Kommunikation. Muss man sich als Museum oder Kunstverein an die neue, schnelle, laute und bunte Kommunikation unserer Zeit anpassen, um damit mithalten zu können? Diese Frage wirft Esser in die Runde. Noller sagt: „Die Jugend muss erst einmal gelockt werden, vielleicht sogar mit nem Bier für nen Euro“ Um das Ablegen des angestaubten Images von Museen geht es also. Dohmen: „Unser Publikum ist kein typisches, es kommen viele junge Leute. Aus Köln, Düsseldorf, Berlin, sogar München und Maastricht. Das ist kein Partypublikum. Diese Leute haben Interesse an der Kunst. Es ist immer wieder ein neues, ganz frisches Publikum.“

Auch LuFu-Chef Beitin bemerkt mit Bauchschmerzen das Durchschnittsalter seines Publikums. Mit dem Freikarten-Angebot für junge Leute unter 21 Jahren will er die Verjüngung erreichen. Oriand Durand: „In Dortmund haben wir eine große sehr junge Kunstszene. Unser Publikum ist jung und frisch. Im Dortmunder Kunstverein geht es nicht um Besucherzahlen, wir zählen keine Besucher. Und man muss niemandem zeigen, wie gut oder wie toll man ist.“

Dass der NAK mit seinem Programm doch etwas richtig macht, zeigt die internationale und nationale Resonanz. Und auch das Podium beglückwünscht den aktuellen NAK-Direktor Ben Kaufmann. „Der ist klasse!“, heißt es immer wieder. Das untermauert der lange Schlussapplaus.

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