Der Nachbarshund wird ein Opfer der Mistgabel

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Intensive Szenen vor gelbem Hintergrund: "Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone" wird im Das Da Theater aufgeführt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mario Thomanek springt zurück und knallt gegen die Wand. „Er hat es angeboten und seitdem macht er das mehrere Male am Tag“, wundert sich auch Regisseur Achim Bieler ein wenig über die Schmerzunempfindlichkeit des Schauspielers, der seit der laufenden und auch in der nächsten Spielzeit beim Das-Da-Theater unter Vertrag steht.

Thomanek hat schon in „Der kleine Werwolf“ bewiesen, dass er sehr athletisch ist.

Als Christopher, die Hauptfigur in „Supergute Tage“ oder „Die sonderbare Welt des Christopher Boone“, stellt er dieses Talent wieder zur Verfügung: Er klettert an seinem Bühnen-Vater Bernhard Schnepf hoch, tänzelt über das drahtige Bühnenbild von Frank Rommerskirchen, weicht ungebetenen Berührungen aus – und wer weiß, was nach den ersten 15 Minuten noch alles passiert.

„Supergute Tage“ nach einem Roman von Mark Haddon erzählt die Geschichte von Christopher. Er ist 15 Jahre alt, Autist mit Asperger Syndrom, liebt rot, hasst gelb und ungebetene Berührungen. Und er ist auf der Spur eines Verbrechens: Der Nachbarhund Wellington wurde mit einer Mistgabel durchbohrt.

„Wir haben viel recherchiert, mit Experten des Autismus-Zentrums gesprochen, wie sich das Asperger Syndrom auswirkt“, berichtet Bieler von den Vorbereitungen. „Jeder Mensch mit Autismus ist anders. Das gab uns natürlich auch viele Freiheiten in der Darstellung.“ So spielt Bieler insbesondere mit verschiedenen Formen der Berührung: herzlich, liebevoll, manchmal sogar stürmisch mit dem Vater, vorsichtig bei der Lehrerin, mit katastrophalen Auswirkungen bei Fremden.

Dabei holt die Bühnenfassung von Simon Stephens die Zuschauer sofort ins direkte Geschehen. „Stephens ist bekannt für seine realitätsnahen Dialoge“, sagt Theaterleiter Tom Hirtz. Und da Christopher weder Metaphern in ihrer übertragenen Bedeutung verstehen, noch lügen kann, „hinterfragt er damit auch unsere gängigen Umgangsweisen“, meint Bieler.

Das sechsköpfige Ensemble – neben Thomanek und Schnepf noch Elena Lorenzon, Michelle Bray, Anne Noack und Tobias Steffen – hat dabei mal wieder eine Mammut-Aufgabe an Präsenz und Konzentration zu bewältigen. Während der gesamten zweistündigen Spieldauer sind alle auf der Bühne. Sie wechseln Rollen und Positionen in schneller Abfolge. „Alle Menschen um ihn herum formen Christophers Welt. Sie bleiben in seinem Kopf, auch wenn sie eigentlich gerade nicht da sind“, erklärt Rommerskirchen.

Um dies noch eindringlicher darzustellen, wirft der Bühnenbildner die Projektion eines Gehirns an die Wand. Ansonsten ist eigentlich alles gelb: Wände, Stühle, Kostüme. Die Farbe, die Christopher nicht ausstehen kann, umgibt ihn und macht seine Verunsicherung gegenüber Unerwartetem sichtbar. Einige rote Farbtupfer geben ihm und auch dem Auge des Zuschauers Halt. Viel Raum für unerwartete Wendungen und das Verschieben der eigenen Grenze des Zumutbaren.

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