Der Mittelstand soll entfesselt werden

Von: Christoph Classen
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Liberaler sucht die Mitte: Christian Lindner, Generalsekretär der FDP in NRW, diskutierte mit den Unternehmerinnen Dagmar Wirtz, Petra Müller, Gabriele Mohne und Gisela Kohl-Vogel (v.l.). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kleines Quiz zur politischen Bildung: Wenn ein Redner kritisiert, dass eine Firma ab dem 200. Mitarbeiter einen Betriebsrat freistellen müsse, was das Unternehmen pro Jahr dann 60.000 Euro koste, welcher Partei gehört er wohl an? Genau, Christian Lindner ist natürlich ein Liberaler.

Generalsekretär der FDP in NRW sowie Vize-Vorsitzender der freidemokratischen Landtagsfraktion, um genau zu sein. Und er ist Stellvertreter von Andreas Pinkwart.

Zumindest vertrat Lindner den NRW-Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie bei der Diskussion zum Thema „Chancen schaffen - Leistung fördern” beim mittelständischen Maschinenbauer „3WIN”. Pinkwart hatte kurzfristig abgesagt und Dagmar Wirtz, Geschäftsführerin von „3WIN”, hoffte nur, dass das „nicht symbolisch für die Einhaltung der Wahlversprechen ist.” Einsetzen möchte sich die FDP dafür, „die politisch gemachten Fesseln dem Mittelstand abzunehmen”, wie Lindner es formulierte.

Eine davon erkennt er eben darin, dass Firmen ab dem 200. Mitarbeiter einen Betriebsrat freistellen müssen.

Wirtz, die gemeinsam mit „Monex”-Geschäftsführerin Gabriele Mohné, Gisela Kohl-Vogel, Geschäftsführerin von „Automobile Kohl”, sowie Architektin und FDP-Bundestagskandidatin Petra Müller die Diskussionsrunde bestritt, klagte über eine weitere „Mittelstand-Fessel”.

Im Zuge der Wirtschaftskrise habe „3WIN” im Januar und Februar 80 Prozent Umsatzeinbußen erlitten und trotz Kurzarbeit einen Beschäftigten entlassen müssen.

Der zog vor Gericht. „Das Ergebnis: Wir mussten 7000 Euro Abfindung bezahlen. Trotz Krise und Kurzarbeit. Da frag ich mich, warum wir Verträge machen”, ärgerte sich Wirtz.

Für Lindner nicht das einzige Indiz, dass etwas falsch laufe: „Wir leben in einem Land, wo wir mehr Geld für alte Karren als für die Ausbildung junger Leute ausgeben.” Gisela Kohl-Vogels Meinung zu Abwrackprämie ist zumindest zweigeteilt. Sie habe zwar Händlern und Herstellern das Jahr 2009 gerettet. Aber: „Wir produzieren noch immer viel zu viele Autos. Das führt zu einem knallharten Preiskampf”, sagte Kohl-Vogel.

Petra Müller stellte heraus, dass „sie kein Familienunternehmen übernommen” habe. Mit Computer ausgerüstet sei sie in die Selbstständigkeit gestartet. „Wir haben noch immer nicht genug Unterstützung bei Firmengründungen”, sagte Müller. Dafür wolle sie sich einsetzen.
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