Der Mann mit dem „Helfer-Gen“ hat große Pläne

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
5193747.jpg
Probefahrt mit einem Wohnmobil: Leines (Mitte) mit einigen seiner Mitstreiter auf dem Weg zum Traum-Mobial: von links Bernd, Dario, Jörg, Celle, Olaf und Stefan auf dem Gelände der Hazienda Arche Noah. Foto: Michael Jaspers
5193749.jpg
Stets im Einsatz für die Hazienda: Leines mit Thomas Gottschalk, Henri Maske, mit den Kindern, bei der Bambi-Verleihung und der Präsentation des Traummobils mit der EU-Abgeordneten Sabine Verheyen.

Aachen. Es ist kein Jahr vergangen, seit die Menschen von der Hazienda Arche Noah Europas einzige rollstuhlgerechte Wasserburg für betroffene Kinder in Aachen und Umgebung realisiert haben. Viel Fleiß und Einsatzbereitschaft hat das erfordert – doch schon nimmt ein neues Superlativ Formen an: ein Traum-Mobil.

Da muss es ein ganz spezielles Gen geben, das „Wir reden nicht – wir helfen-Gen“. Klarer Fall: Die Frauen und Männer von der Hazienda Arche Noah im Aachener Süden haben dieses Gen.

Ansonsten gäbe es die „Hazienda Arche Noah“ nicht, dieses 9000 Quadratmeter große Paradies an der Lintertstraße, in dem vor allem Kinder mit einem Handicap wirklich ganz sie selbst sein können. Leines, Gründer dieses bundesweit einmaligen Projektes, in dessen Personalausweis Uwe-Edmund Gaworski steht, ist längst über regionale Grenzen bekannt. Nicht nur wegen der Verleihung des Fernsehpreises Bambi im Jahr 2011. Er und sein Verein sind inzwischen mit ihrem Freizeitparadies für Kinder im Rollstuhl in der lokalen wir überregionalen Presse Dauergast. Und das ist alles das Ergebnis dieses Gens.

Kein Wunder, dass so ein Mann nicht nur konsequent angefangene Projekte weiterverfolgt, sondern neue energisch angeht. Zunächst widmen sich die Frauen und Männer von der Lintertstraße der Realisierung ihres „Traummobils“. Erneut ein einmaliges Projekt in Europa, zur Verwirklichung von Kinderträumen, von Aachenern erdacht und auf den Weg gebracht.

Bei diesem Mobil handelt es sich dabei um ein Wohn-Reise-Mobil, das allen Anforderungen von Kindern mit Handicap entspricht. Und dieses Fahrzeug soll mittelfristig noch eine ganz andere Bedeutung bekommen. Doch dazu später mehr. Ein rollendes Ferienappartement auf Rädern wird das Traummobil quasi. „Man möchte nicht glauben, wie viele betroffene Kinder noch nie die Berge oder das Meer gesehen haben“, erzählt Leines aus der mehrjährigen Beobachtung. „Wir wollen, dass sich das ändert. Betroffene Kinder, auch im Rollstuhl sollen mit ihren Eltern eine Auszeit von Klinikalltag und Apparatemedizin machen können. Das Angebot gilt auch für die, denen zu Hause mal die Decke auf den Kopf fällt, weil gemeinsames Herumtollen mit Gleichaltrigen, Nachbarskindern, Freunden leider ausfallt.

Eine weitere Perspektive soll durch das Traummobil eröffnet werden: In Zusammenarbeit mit der Kinderkrebsstation und dem Kinderhospiz sollen Schwerstkranke die Möglichkeit haben, eine letzte Wunschfahrt zu unternehmen. „Wir wollen den Familien das Traum-Mobil mit eigenem Fahrer zur Verfügung stellen und somit kleine wie große Wünsche erfüllen“, nennt Leines ein echtes Herzensanliegen.

Das Mobil ist mit einer Anhängerkupplung versehen, die einen kleinen Wohnwagen zieht. In dem ist dann Platz für medizinisch-palliativ geschultes Begleitpersonal, soweit dies für die kleinen Gäste erforderlich ist. Ansonsten soll der angehangene Wohnwagen Unterkunft für den Fahrer bieten. Die Privatsphäre der Familien hat oberste Priorität – und bei einer letzten Wunschfahrt braucht man geschultes Personal mit eigenem Wohnwagen.

„Das Mobil ist bestellt“, verkündet der Hazienda-Chef voller Freude. Im Mai soll das Mobil anrollen. Allerdings ist noch ein gutes Stück bei der Finanzierung zurück zu legen. Rund die Hälfte der 165 000 Euro-Investition muss noch aufgebracht werden, um all die Posten berücksichtigen zu können, die ein behindertengerechtes, umgebautes beziehungsweise gebautes Wohnmobil erbringen muss. Hier fließen ständig neue Ideen und Vorschläge ein, jeder Tag mit den kleinen Gästen zeigt den Menschen von der Hazienda wieder, wie schnell sie an ihre Grenzen stoßen und wie begrenzt ihre Bewegungsfreiheit mitunter doch ist.

Die Summe beinhaltet allerdings auch den notwendigen befestigten Weg, den Personalwohnwagen, sowie ein passendes Car-Port. „Denn so ein Fahrzeug kann nicht dauerhaft draußen ungeschützt stehen“, unterstreicht der gelernte Kunstschmied Leines. Und damit schlägt er zugleich die Brücke zum nächsten Projekt. Ein Projekt, mit dem der Aachener Verein gewissermaßen die Bundesliga in Richtung Champions League verlässt. Oder wie Leines es ausdrückt:“ Das Aachener Hazienda Arche Noah Projekt mal Zehn“!

Im Mai will Leines nämlich offiziell die „Centro de Angelo“-Idee vorstellen. Und wer den Mann kennt, der weiß, dass er keine Hirngespinste in die Welt setzt, sondern seine Ideen auch realisiert. Dieses „Centro de Angelo“ soll als Aachener Konzept in Spanien entstehen. Ein Millionen-Projekt, das mit EU-Fördergeldern von den Aachenern organisiert und realisiert werden soll. Es ist vor allem das gesundheitsfördernde, mediterrane Klima, das den betroffenen Kindern und ihren Eltern zu Gute kommt. Und Leines weiß: „Falsches Mitleid scheut weite Wege“! Aus eigener Erfahrung wisse er, wie zusätzlich belastend es ist, wenn sich vermeintliche Freunde bei schweren Erkrankungen zurückzögen. Es geht um Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Im Centro sollen kranke Kinder medizinisch betreut mit ihren Eltern auch mal eine mehrwöchige Auszeit genießen können. „Ohne falsches Mitleid, jedoch mit ehrlicher menschlicher Anteilnahme!“, so formuliert Leines das neue Ziel.

Hier kann man eine Brücke schlagen und mit dem Traummobil kann die Reise und Erholung ins Centro de Angelo bereits in Aachen beginnen. Kontakte sind geknüpft, sowohl nach Spanien als auch zu wohlwollenden EU-Politikern. Die Hazienda ist zur Realisierung ihres großen „Ablegers“ auf EU-Fördergelder sowie auf die Hilfe der Aachener Bürgerschaft angewiesen. Ein ehrgeiziges, zukunftsorientiertes Projekt. „Klar, aber warum sollten wir dies nicht zumindest versuchen? Bislang haben wir alle selbst gesteckten Ziele erreicht“, sagt Leines selbstbewusst, aber ohne jede Überheblichkeit. Da ist es ohne Zweifel wieder gefordert, dieses „Wir reden nicht – wir helfen-Gen“! Vor der Herausforderung ist niemandem bange.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert