Der Lübecker Kammerchor beeindruckt beim Konzert in der Citykirche

Von: Thomas Beaujean
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Aachen. Auf Einladung des Madrigalchors Aachen sang der Lübecker Kammerchor unter der Leitung von Andreas Krohn zum Abschluss einer kleinen Tournee durch Belgien ein Konzert in der Citykirche St. Nikolaus.

Das überaus ambitionierte Programm machte neugierig auf dieses Ensemble, enthielt es doch unter anderem eine Motette zu 35 Stimmen eines zeitgenössischen Komponisten. Wie denn überhaupt die Programmstruktur höchst individuell war: Die großartige Missa in Tempore Paschali von Nicolas Gombert, durchgehend sechsstimmig mit zwölfstimmigem „Dona nobis pacem” gab der Werkfolge ihre Struktur.

Mit den einzelnen Messesätzen konfrontierte Krohn Werke des 19. und 20. Jahrhunderts, allesamt höchst anspruchsvoll und ausladend. Krohn lässt seinen mit sehr gutem Stimmmaterial bestückten und ausgeglichen klingenden Chor Gomberts filigrane Polyphonie ausgesprochen espressiv singen, was angesichts der dichten Stimmführung in den Mittelstimmen in einem etwas halligen Kirchenraum die Durchhörbarkeit erschwert. Dennoch beeindruckte der Chor durch seinen abgerundeten und schönen Klang.

An zwei der vier Passions-motetten von Francis Poulenc, von Krohn in recht freier Temponahme interpretiert, zeigte der Chor eine beachtliche Intonationssicherheit, die sich bei dem 35-stimmigen „Nomen Mortis infame” des 1963 geborenen Willem Ceuleers durch stimmliches Stehvermögen der einzelnen Sänger bestätigte. Allerdings muss nach dem Sinn einer reinen Stilkopie gefragt werden, deren Urheber auch Giovanni Gabrieli hätte sein können und die an Thomas Tallis´ 40-stimmiges „Spem in alium” erinnerte.

Sehr ausgeglichen und klangschön die Interpretation von Giuseppe Verdis „Vergine Madre” für Frauenchor, überzeugend umgesetzt das vielstimmige, in seiner spätromantisch bis gemäßigt modernen Tonsprache bisweilen etwas gefällige „Heilig” von Erwin Zillinger.

An den intonatorischen Tücken des legendären „O Sacrum Convivium” von Olivier Messiaen haben sich schon viele ehrgeizige Chöre die Zähne ausgebissen. Auch der Lübecker Kammerchor musste ihnen Tribut zollen. Dafür entschädigte die im Kirchenraum wogende Zwölfstimmigkeit des „Dona nobis” von Gomberts Messe um so mehr. Begeisterter Beifall am Ende.
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