Der Lernraum Schule ist längst kalter Kaffee

Von: Thorsten Karbach
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In den Lebensraum Schule gehören auch Verweilräume: Die Schüler der GHS Burtscheid richten sich das neue Schülercafé ein. Dennis Scheeren (von links), Schulsozialarbeiterin Dorle Mummert, Raphael Schmitz, Carmela Masilo und Sangana Bashima werden dieses Café auch in einer Schülerfirma betreiben. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Auf den ersten Blick ist es ein schicker Anbau mit viel Glas, Stahl und ansprechendem Design. Auf den zweiten Blick ist es aber mehr - nicht nur für Renate van den Boom.

Die Leiterin der städtischen Gemeinschaftshauptschule Burtscheid spricht von 600 Quadratmetern mehr Lebensraum für Schüler und Lehrer. Von den neuen Möglichkeiten, die der Erweiterungsbau den Kindern wie den Pädagogen bietet. Und sie sagt: „Individuelle Förderung braucht Raum, Material und Lehrkräfte. Sonst ist sie nur ein Schlagwort.”

Schule verändert sich, an der Malmedyer Straße ist dies offensichtlich, weil die Schule eben erweitert wurde. Aber Schule verändert sich auch im Innern.

Die Kinder verbringen mehr Zeit in der Schule, ob im offenen oder im verpflichtenden gebundenen Ganztag. In Burtscheid ist es der gebundene, und die 380 Kinder sind an mehreren Nachmittagen in den Gebäuden. Und dort sollen sie sich wohlfühlen. „Schule ist mehr und mehr auch Heimat für die Kinder”, sagt Lehrerin Erika Molatta.

Diese Heimat wurde erweitert und wird nun von Schülern und Lehrern mit Leben gefüllt. Denn auch die Lehrer verbringen längst mehr Zeit in der Schule. Doch dafür waren Lehrerzonen an Schulen bislang nicht zugeschnitten. Im Erweiterungsbau wird nun ein Lehrerarbeitszimmer eingerichtet.

„Auch wir Lehrer brauchen einen Rückzugsraum, unser Berufsbild verändert sich, Hausarbeit wird in die Schule verlegt, darauf müssen wir reagieren”, sagt Molatta. Schule ist eben auch für die Lehrer mehr Lebensraum denn je - deswegen sei das Zimmer so wichtig.

Für die Schüler wurde die Mensa vergrößert, es gibt einen Psychomotorikraum, einen Kunstraum, einen Computerraum -Êin dem gerade Deutsch unterrichtet wird. Alles ist freundlich gestaltet, helle Farben, bunte Stühle. „Und wo es schön ist, wissen unsere Schüler dies auch zu schätzen und zu schützen”, sagt Molatta.

Die Treppe hinunter führt der Weg in das neue Schülercaf. Dort packen ein paar Schüler gerade an und aus -Ê Barhocker und Kaffeemaschinen. Gemütlich ist es hier. Gemütlich soll es auch sein.

„Für unsere älteren Schüler soll dies der zentrale Anlaufpunkt sein. Wir wollen sie so enger an die Schule binden”, sagt die Schulleiterin. Dass Schule nur ein Raum zum Lernen und Noten geben ist, ist sprichwörtlich kalter Kaffee.

Selbst gekochter heißer Kaffee im Schülercafé symbolisiert dagegen Gegenwart und Zukunft des Lebensraums Schule. Das Café wird von den Schülern selbst betrieben, dafür wurde eigens eine Schülerfirma gegründet. „Es geht darum, dass Schüler Schule selber gestalten”, sagt Sozialarbeiterin Dorle Mummert. Dazu gehört auch, Kaffee zuzubereiten oder abzurechnen.

1,6 Millionen Euro wurden in den letzten 15 Monaten in die Schule investiert, die letzten Arbeiten an der Fassade des Altbaus sollen bis Jahresende abgeschlossen sein. Dann verlassen die Bauleute die Schule. Die hatte sich in der ersten Runde zum Ganztag entschieden, da gab es noch Fördermittel und 30 Prozent mehr Lehrer.

Mittlerweile sind die entsprechenden Förderprogramme überzeichnet. Umso froher ist Renate van den Boom über den neuen Lebensraum, den sie durch eine Glastür betritt. „Wir hätten hier auch sechs Klassenräume hinsetzen können”, sagt sie. „Wir wollten aber Heimat schaffen.”
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