„Der Kontrabass“: Wuchtiges Instrument ist Dreh- und Angelpunkt

Von: Julia Gröbbels
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Hasst oder liebt er sein Instrument? Im Theater 99 interpretiert Hajo Mans den „Kontrabass“ von Patrick Süskind. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Können Sie mir sagen, wieso ein Mann von 45 Jahren, nämlich ich, mit einem Instrument zusammenlebt, das ihn permanent behindert?“ Mit Adiletten an den Füßen, einem ausgeleierten Unterhemd am Leib und einer Flasche Bier im Anschlag spaziert der Kontrabassist (gespielt von Hajo Mans) durch seine Einzimmer-Wohnung.

Dass er ein Musiker beim Staatsorchester ist, der sich auf seinen Auftritt in Anwesenheit des Ministerpräsidenten vorbereitet, ist auf den ersten Blick nur an dem wuchtigen Instrument in der Mitte des Zimmers zu erkennen. Am Freitag, 8. Mai, feiert die Theatergruppe „klartAIXt“ mit „Der Kontrabass“ im Theater 99, Gasborn 9-11, Premiere.

In jenem schallgedämmten, von der Außenwelt abgeschotteten, Raum hält der Musiker seinem Publikum anfangs noch einen Vortrag über die Vorzüge seines heiß geliebten Musikinstrumentes und betont die eigene Unersetzbarkeit im Orchester. Seine anfänglichen Lobreden auf den Kontrabass werden jedoch – mit zunehmendem Bierkonsum – immer widersprüchlicher und schlagen schließlich ins Gegenteil um: Der Kontrabassist entpuppt sich als verbitterter, einsamer, introvertierter Stubenhocker, ein nur mäßig begabter Musiker, der sein Instrument und seinen Beruf aus tiefster Seele verabscheut. Ein Namenloser, ein „Tutti-Schwein“, der Mozart und Wagner aus tiefster Überzeugung hasst und aus Rache im Konzert auch gerne mal ein paar ihrer Noten unterschlägt.

Seine einzigen positiven Gefühle fokussiert er, nicht ohne eine gewisse Lüsternheit, geradezu manisch auf die junge Sopranistin Sarah. Da er sie aber noch nie anzusprechen gewagt hat, blüht seine Verehrung seit Jahren im Verborgenen. Wenn sie auf der Bühne ist, spielt er zwar – soweit ihm das möglich ist – immer besonders fehlerfrei, schön und hingebungsvoll. Sie jedoch bemerkt ihn und seine Bemühungen „natürlich nicht“. Das soll sich ändern...

„Dieses Stück von Patrick Süskind ist eine ganz besondere Herausforderung für den Schauspieler, da es ein anderthalbstündiger Monolog ist, der nicht nur textlich, sondern auch spielerisch sehr anspruchsvoll ist“, so die Regisseurin Rena Zieger von „klartAIXt“.

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