Aachen - Der Kampf ums Paradies und sein versöhnliches Ende

Der Kampf ums Paradies und sein versöhnliches Ende

Von: Amien Idries
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Kleingärtner-Glück: Nach zwei Jahren in der neuen Anlage Groß Tivoli kann Hubert Coonen wieder lachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Hubert Coonen hat das Paradies gefunden. Und er hat wohl selbst nicht so recht geglaubt, dass er es noch einmal finden würde. Denn eigentlich fühlte sich Hubert Coonen schon einmal wie im Paradies - und er wurde aus ihm vertrieben. Wie auch die anderen Kleingärtner der Anlage „Groß Tivoli”, deren Vorsitzender Hubert Coonen ist und die vor wenigen Jahren dem neuen Tivoli weichen mussten.

Das Paradies ist ein paar hundert Meter den Berg hinauf gezogen - nach Berensberg. Dort steht Hubert Coonen jetzt. Er führt gerne Besuch durch seinen Kleingarten.

Er bleibt am Rhododendron stehen und erklärt, wann man diesen am besten umsetzt. Er geht ein paar Schritte weiter und macht Halt bei den Nutzpflanzen: „Es ist vorgeschrieben, dass man mindestens vier verschiedene Sorten anbaut.”

Diese Vorschrift stamme noch aus der Anfangszeit der Kleingärtnerei, als die Aufgabe eines Schrebergartens war, Menschen zu ernähren. Der Besucher staunt.

Am Schluss des Rundgangs gibt´s einen Stopp am Herzstück des gärtnerischen Kleinods, dem Teich: „Wir Kleingärtner zeigen immer gerne, was wir geschaffen haben. Vor allem, weil es so hart war, dieses Paradies aufzubauen”, sagt Coonen und blickt über die Soers.

42 Anlagen gibt es in Aachen

42 solcher Anlagen gibt es in Aachen, in denen etwa 2500 Gärtner harken, züchten und gute Nachbarschaft pflegen. „Inzwischen entdecken auch junge Familien mit Kindern wieder ihre Begeisterung für das Kleingärtnern”, erklärt Heijo Plum, Vorsitzender des Stadtverbandes der Kleingärtner.

Obgleich alle diese Anlagen schön und für ihre Mitglieder das Ein und Alles sind, ist die von „Groß Tivoli” etwas Besonderes. Sie ist eben nagelneu. Man geht über die neuen Kieswege, die von neuen Lampen gesäumt sind, setzt sich auf eine der neuen Bänke und vermisst lediglich so etwas wie den Neuwagengeruch.

Coonens Gartennachbarin Hanni Griesch macht derweil kurz von der Gartenarbeit Pause, wischt sich mit dem Handschuh den Schweiß von der Stirn und lässt ihren Blick schweifen.

Genau gegenüber liegt der Lousberg, und unten im Tal kann sie hinter Bäumen den Grund für all das Neue erkennen: das Fußballstadion. Zwei Vereine - neben Groß Tivoli war auch der Verein „Roland” betroffen - standen vor dem Nichts.

„Ich habe in der Zeit zwölf Kilo abgenommen”, gesteht Coonen, während er am Teich sitzt, in dem sich Kois und Goldfische tummeln. An der Tatsache, dass er den Gewichtsverlust wieder ausgeglichen hat, lässt sich erkennen, dass der Ärger inzwischen vorüber ist.

Coonen hat um die Zukunft seines Lebensmittelpunktes gekämpft: „Ich war bei jeder Rats- und Ausschusssitzung, die unser Thema auf der Tagesordnung hatte.”

Unsichere Zeiten seien das gewesen. Die Suche nach einem geeigneten Ersatzstandort für den Verein, der 1922 gegründet wurde, gestaltete sich nämlich schwierig.

„Dat isset!”

„Für uns war klar, dass wir in der Gegend der Soers bleiben wollen”, sagt Coonen. Nach einigen enttäuschenden Angeboten wurde ihm und seinen Mitstreitern Ende 2007 schließlich der Hang in Berensberg präsentiert. „Als ich hier stand und auf unsere ehemalige Anlage schauen konnte, wusste ich: Dat isset!.”

Und es ist kaum zu glauben, was sich dort auf dem Berg innerhalb von zwei Jahren getan hat. Jeder Garten ist ein kleines Kunstwerk. Auch jetzt wird - egal, wo man hinschaut - überall gewerkelt.

Hier wird die Hecke geschnitten, dort ein Buxbaum in Form gebracht und andernorts noch ein wenig am 24 Quadratmeter großen Haus gebastelt. Irgendwas gibt es immer zu tun, wenn man ein Paradies neu erschaffen will.

„Bei mir hat es gedauert, bis ich mich heimisch gefühlt habe”, sagt Coonen. Der Eindruck nämlich, dass der Umzug vollkommen unproblematisch sei, täuscht. Lediglich 39 von 123 Gärtnern sind aus der alten Anlage mit auf den Berg gezogen.

Nach der Eröffnung am 10. Mai 2008 wurden Bäume und Pflanzen von der alten an die neue Laube gefahren. Das alte Eingangstor des Vereins wurde ebenfalls mitgenommen.

Auch die Kois von Manfred Giersch, der ebenso wie Coonen ein großer Fischfreund ist, mussten in einen neuen, tieferen Teich umziehen. „Die haben es nicht geschafft”, sagt Giersch, während er sich von den neuen Fischen aus der Hand fressen lässt.

Und dann zeigen er und seine Frau dem Besucher natürlich die Höhepunkte ihres Gartens. Es gibt halt viel zu zeigen und viel zu sehen im Paradies.
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