Aachen - Der Kampf um die Dichterkrone

Der Kampf um die Dichterkrone

Von: Nadine Preller
Letzte Aktualisierung:
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Die richtigen Worte finden: Robert Targan ist Teilnehmer des Poetry Slams in der Foto: Andreas Steindl

Aachen. Minutenlanges Grunzen, Röcheln und Stöhnen, das ist das Bühnenprogramm von„Theorist”. Verhaltener Applaus, einige Buhrufe tönen aus dem Publikum. Der eigens ernannte Künstler verschwindet mit breitem Grinsen hinter der Bühne.

Schon stürmt „Schriftstehler” nach vorne. Sein Auftritt: alles andere als sinnfrei. Es wird gedichtet, über Privates, das Leben, den alltäglichen Schwachsinn in der Welt. Es ist Freitag. Zeit für einen neuen „Poetry Slam” in der „Raststätte”, der Kulturadresse in der Lothringerstraße.

Sinngemäß übersetzt bedeutet „Poetry Slam” Dichterwettstreit oder auch Dichterschlacht. Es ist ein Wettbewerb, bei dem selbst ernannte Literaten eigens verfasste Texte dem Publikum vortragen. Dieses wiederum stimmt über den Sieger des Abends ab, mittels mehr oder weniger lautstarkem Applaus. Erlaubt ist alles, was Spaß macht: dichten, schreien, weinen, flüstern. Hauptsache, der Künstler bleibt im Zeitlimit von einigen Minuten. Wer weiterkommt, hat nach Überstehen weiterer Runden die Chance, an nationalen Kontesten teilzunehmen. Und das vor mehreren hundert Zuschauern.

Geht man nach solchen Zahlen, verbreitet bereits der Abend in der „Raststätte” den Flair eines nationalen Kontestes.

In dem knapp 70 Quadratmeter großen Raum an der Lothringerstraße drängen sich die Gäste, besetzen den Boden, stehen auf Bänken, quetschen sich mit letzter Kraft durch die halb geöffnete Eingangstür. Auf der Straße tummeln sich die, die keinen Platz mehr gefunden haben. Es ist heiß, man trinkt ein Bier im Freien. Wenn schon nichts sehen können, dann wenigstens hören. Der Aachener Slam ist Kult, genauso wie die „Raststätte” selbst. Ein altes Ladenlokal, ein paar klapprige Stühle, Freiwillige, die das Publikum mit Bionade und Salsstangen versorgen, mehr braucht es nicht.

Gerhard Horriar war von Anbeginn mit dabei, slammte damals selbst, moderiert nun schon seit Jahren den Aachener Dichterwettstreit. Er selbst nennt sich nur MC - Master of Ceremonie. „Bereits 1997 tummelten sich hier die ersten Slammer,” weiß Horriar. „Noch vor Berlin und Hamburg war Aachen Adresse Nummer Eins für die eigenwilligen Dichter.” Von altbacken kann beim „Poetry Slam” also nicht die Rede sein. Den Urstein legte 1986 ein Bauarbeiter aus Chicago. „Das war Marc Kelly Smith, der Slampapi”, erzählt der MC. „Smith veranstaltete Literaturlesungen mit Charakter. Kein einsamer Tisch und ein verlegener Autor, der mehr hustet als dichtet.”

Eine Idee, die ankam. Auch an diesem Abend in der „Raststätte” treten sechs Slammer gegeneinander an, strömen von Hamburg, Frankfurt und Wuppertal nach Aachen. So unterschiedlich die Künstler, so bunt ist auch das Publikum. Vom intellektuellen Öko-Studenten, der alten schüchternen Dame bis zum lässigen Mitt-Vierziger ist alles dabei - weil auch für jeden was dabei ist. Hier präsentieren sich unverfälschte Talente in Form eines Rohdiamanten dem Publikum. Bitte bloß nicht schleifen!

Wer siegt im Kampf um Worte?

Der nächste „satznachvorn” ist zugleich das regionale Finale des Aachener „Poetry Slams”. Der Dichterwettstreit startet am Freitag, 9. Juli, in der „Rasttätte”, Lothringerstraße 23, um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt 4 Euro.

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