Der größte Gabentisch ist schon blankgefegt

Von: Matthias Hinrichs
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Feine Festgaben in Hülle und Fülle: In aller Ruhe können die Gäste im Ballsaal nach den passenden Geschenken stöbern. Die Helfer der Tafel sorgen mit viel Sensibilität dafür, dass die größte Bescherung der Stadt auch organisatorisch perfekt vonstatten geht. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Jeder gibt, so viel er kann – und das ist in ihrem Fall alles. Die 65 ehrenamtlichen Helfer machen dem Motto der Aachener Tafel auf ihre Weise Ehre. Denn das Parkett im Ballsaal des Alten Kurhauses soll ebenso geschwind wieder blitzeblank sein, wie es tags zuvor gefüllt worden ist..

Auf 264 Quadratmetern bleiben nur ein paar schmale Gassen, damit die Gäste die schier unglaubliche Fülle der guten Gaben in Ruhe in Augenschein nehmen können. 2000 „Weihnachtskisten“ wandern binnen acht Stunden in ungezählte Handwagen, Rucksäcke, Tüten. Besinnlichkeit kommt bei dieser gigantischen Bescherung, die auch vom WDR Aachen und der AZ unterstützt wird, wohl kaum auf

Von Hektik keine Spur

Aber auch keine Hektik. Neun Jahre nach der Premiere an der Kurhausstraße haben die Organisatoren den logistischen Kraftakt perfekt im Griff. Drängelei, Stress und Torschlusspanik mögen an den Tresen in den Einkaufsstraßen ringsum angesagt sein. Nicht aber an der großen Flügeltür in der ersten Etage. Da empfängt Jutta Schlockermann die Besucher, die unten am Hauptportal nach und nach in überschaubaren Grüppchen Richtung Treppenhaus geschickt werden, stets mit einem warmen Lächeln, oft mit guten Worten – auch wenn sie angesichts der stetig wachsenden Zahl der Kunden nicht mehr jeden persönlich kennen kann. Inzwischen zählt die Tafel wie berichtet fast 4000.

Trotzdem: Die Tafel-Vorsitzende darf heute genauso entspannt sein wie die gesamte Atmosphäre unter den üppigen Lüstern des barocken Ballsaals – nur ihre rechte Hand ist eher auf Krampf programmiert. Jede einzelne der gelben Kundenkarten wird per Heftklammer gekennzeichnet, damit niemand auf die Idee kommt, sich ein zweites Mal in die Schlange der Wartenden einzureihen. Gelb geht vor, wie immer, es weist die Kunden aus, die eine Familie zu versorgen haben. Von 12 bis 13 Uhr stehen im doppelten Wortsinn die Besitzer der blauen Karten an, dann ist Rot, schließlich Violett an der Reihe.

Keiner wird allein gelassen

Zwischen den bunt glitzernden Gabentischen wird jeder Gast noch einmal persönlich in Empfang genommen. Stefan Tepper und Anni Junk gehören zum Team der vielen freundlichen Lotsen, die dort bereit stehen, um bei der Auswahl der Pakete behilflich zu sein. Natürlich packen sie gern mit an, damit die vielen Gaben in einem kleinen Nebenraum flugs verstaut werden können. An der rückwärtigen Treppe hat Thomas Isaac die Entsorgung der Altlasten, Unmengen von Karton- und Papierresten, bestens im Griff. Die wandern schnurstracks über die rückwärtige Treppe Richtung Recyclinghof.

Am späten Nachmittag geht nur dem Presscontainer an der Kurhausstraße allmählich die Luft aus; der ist randvoll, das Holzparkett im Ballsaal buchstäblich leer gefegt. Nach den rund 250 Schülerinnen, die tags zuvor die reibungslose Anlieferung der 2000 Weihnachtskisten möglich gemacht haben, helfen 15 Auszubildende der Sparkasse beim ersten und sicher größten Kehraus in Sachen Bescherung. Jutta Schlockermann und ihre „Kollegen“ dürfen aufatmen, ein bisschen Kraft schöpfen und auch Hoffnung – dass auch im nächsten Jahr jeder gibt, was er kann.

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