Aachen - „Der Gott des Gemetzels“: Kaum eine Spur vom zivilisierten Miteinander

„Der Gott des Gemetzels“: Kaum eine Spur vom zivilisierten Miteinander

Von: Svenja Pesch
Letzte Aktualisierung:
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Wie im Kindergarten: Das Theater 99 zeigt Yasmina Rezas Komödie „Der Gott des Gemetzels“. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Was passiert, wenn eine alternative Öko-Familie auf eine durchgestylte Business-Familie trifft? Wahrscheinlich nicht viel. Liegen doch deren Lebensweisen weit auseinander. Im neuen Stück „Der Gott des Gemetzels“ des Theater 99 sieht das allerdings anders aus.

Denn Lars, Sohn eines Anwalts und einer Bankangestellten, hat Malte, Sohn einer Gutmenschen-Familie verprügelt. Das Resultat: eine geschwollene Oberlippe und zwei abgebrochene Schneidezähne. Und da beide Familien überzeugt sind, dass sie die Kunst des gepflegten Miteinanders beherrschen, sitzen sie zusammen und besprechen den Vorfall.

Unendliche Streitereien

Was harmlos beginnt, gerät aber im Laufe des Abends immer mehr außer Kontrolle. Die Komödie von Yasmina Reza zeigt mit viel Witz und Ironie auf, wie die Eltern in der modernen bürgerlichen Gesellschaft mit solch einer Situation umgehen. Und da natürlich beide Elternpaare kultiviert, zivilisiert und konsensbemüht sind, kann ja eigentlich nichts schiefgehen. Eigentlich. Denn nach oberflächlichem Smalltalk über die extra frisch gekauften Blumen aus Holland und dem leckeren Streuselkuchen, wird das Schweigen durch Streitereien aufgebrochen.

Vero, die naiv an die Kraft der Kultur glaubt, ist angesichts des Verhaltens ihres Mannes auf einmal ganz und gar nicht in ihrer eigenen Mitte. Dieser nimmt es locker und möchte sich erst einmal eine gute Zigarre anmachen und einen Whiskey genießen. Das klingt auch für Klaus, Lars‘ Vater, verlockend. Doch seine Frau Anette ist davon nicht begeistert. Reicht es denn nicht, dass sein Handy permanent klingelt? Muss man sich auch noch bei fremden Eltern besaufen? Ein Glück, dass sich die Ehefrauen wenigstens in diesem Punkt einig sind.

Was Yasmina Reza deutlich aufzeigt, ist die Zerrissenheit der westlichen Gesellschaft zwischen aufgeklärtem Gutmenschentum und allzu menschlichem egoistischem Konkurrenzkampf. Kein Wunder, dass für Klaus „Veros pädagogischer Ehrgeiz zwar aller Ehren wert, aber einfach nicht zielführend ist“. Wohingegen für Vero „ein Leben ohne Moralvorstellungen nicht möglich ist“.

Unterstrichen wird das Verhalten der Eltern von dem perfekt auf die Handlung abgestimmten Bühnenbild, in dem die Erwachsenen nur mit Kinderspielzeug agieren. Das passt, denn schließlich sind sie es, die sich von der Kunst des zivilisierten Miteinanders immer mehr entfernen. Und nach unendlichen Streitereien steht nur eines fest: Einer behält immer die Oberhand, und das ist der Gott des Gemetzels.

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