Aachen - Der etwas andere Rückblick: Das Jahr 2018 in Aachen

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Der etwas andere Rückblick: Das Jahr 2018 in Aachen

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Auch an Silvester 2018 wird es wieder Feuerwekr über dem Aachener Dom geben. Unsere Lokalredaktion hat schon einmal auf das kommende Jahr zurückgeblickt... Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Man muss ja kein Prophet sein, um zu ahnen, was die Aachener im neuen Jahr bewegt, oder? Wir verraten Ihnen einfach schon wenige Stunden, bevor 2017 quasi im Feuerregen verglüht, was die Schlagzeilen und Geschichten anno 2018 (gewesen) sein werden. Werfen Sie mit uns also einen – nicht ganz ernst gemeinten – Blick in die imaginäre Glaskugel der Lokalredaktion!

Einstieg zum Aufstieg: Rote Flotte schreibt schwarze Zahlen

Es geht doch! Der gute Einstieg klappt. 2017 war kein gutes Jahr für die Aseag. Verspätungen, proppenvolle Busse, Dieselstinker, falsche Rechnungen und Wirbel um elektronische Tickets. 2018 wird anders gewesen sein. Ganz anders. Die rote Flotte spielt Vorreiter in Sachen E-Mobilität, die Mitarbeiter sind geschult wie nie zuvor, und die Kundenzufriedenheit wird in ungeahnte Höhen geschraubt.

Im Südraum kann jeder Bus fahren, wann er will. Der „Rufbus“ NetLiner wird der Kracher schlechthin, und jeder Kunde findet zu jeder Zeit einen Sitzplatz nach Wunsch im Bus. Die Europäische Union schickt Beobachter nach Aachen, um von hiesigen Erfahrungen im ÖPNV zu lernen, Japaner, Chinesen Saudis und Amerikaner schicken eine Delegation nach der anderen. OB Marcel Philipp und Aseag-Vorstand Michael Carmincke ziehen ins Rathaus ein, weil 365 Tage im Jahr mehrere Besuchergruppen pro Tag im Weißen Saal empfangen werden müssen.

Übrigens: Zugang ins Rathaus gibt‘s nur noch per eTicket. Das System hat sich so bewährt, dass alle städtischen Gebäude mit derartigen Zugangskontrollen ausgestattet werden. 2018 – das wird der gute Einstieg geworden sein. Oder ist‘s doch nur ein Traum? (Albrecht Pelzer)

 

Durchbruch per Abbruch: Ein Problem löst sich von selbst (auf)

Dass diesmal in keiner Neujahrsansprache der Abriss des Parkhauses Büchel angekündigt wurde, verwundert nicht. Hat ja schließlich bislang noch nie funktioniert mit dieser Prophezeiung. Und abgesehen davon hat das marode Gemäuer den Job mittlerweile selbst übernommen: Zerbröckelte das Bauwerk 2017 noch in überschaubarem Umfang, gingen in den letzten Monaten richtige Brocken nieder.

Aachens erstes bewegliches Parkhaus war geboren – oder wahlweise und dem Gestank nach zu urteilen: die gefährlichste öffentliche Toilette der Stadt. Für Optimisten ein gutes Zeichen: Endlich bewegt sich etwas in dem Quartier, dem schon so lange „ein Stück Stadtreparatur“ versprochen wurde. Denn was sich dort sonst so tat im Jahr 2018, lässt sich hier kurz zusammenfassen:

....Aber bloß keine Ungeduld! So eine Stadtreparatur dauert. Und da sollten sich bitteschön alle Beteiligten – auch die ums Überleben kämpfenden Geschäftsleute – den Blick für das große Ganze bewahren. Und was ist angesichts dessen so ein lächerliches Jährchen 2018? Es geht voran! Das Parkhaus hat doch den Anfang gemacht. (Oliver Schmetz)

 

Aus der Luft gegriffen: Himmlische Ruhe im Talkessel

Aachen – mal wieder Aachen. Einmal mehr setzt sich die Stadt dieses Jahr anno 2018 an die Spitze der Bewegung. Nicht erst seitdem das „Aachener Modell“ für die Vergütung von Solarstrom bundesweit übernommen wurde, ist der Aachener als radikaler Vorreiter berühmt. So auch diesmal in Sachen saubere Luft. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im Februar urteilt, dass Diesel-Fahrverbote das Gebot der Stunde gegen die fiesen Stickoxide seien, hat man im Aachener Rathaus die Nase voll.

Erst grüne Plakette. Bringt nix. Jetzt Fahrverbote. Ergebnis fraglich. Also heißt es: „Wenn schon, denn schon.“ So wird das Stadtgebiet innerhalb des Außenrings zur verbrennungsmotorfreien Zone – die Benziner werden aus Gerechtigkeitsgründen gleich mit verbannt – erklärt. Ein neues Straßenbahnnetz wird jetzt doch noch kommen. Und die Aachener Auto- und Fahrradhändler kommen gar nicht nach mit der Lieferung tausender neu bestellter E-Mobile. Innenstadtbewohner jubeln über saubere Luft und die himmlische Ruhe im Schlafzimmer.

Da sind die wenigen Kollateralschäden – die Laufzeit des Braunkohlekraftwerks Weisweiler wird zur Deckung des Strombedarfs um 25 Jahre verlängert, weswegen demnächst Langerwehe weggebaggert wird – zu verkraften. (Stephan Mohne)

 

Tatsächlich! Es gibt schon wieder ein neues Wunder am Tivoli

Auch das ist Alemannia...: Das neue Präsidium ist in einem bemerkenswerten Spannungsbogen gestartet – irgendwo zwischen „Team 2018“, das statt in der höheren Liga in der Insolvenz gelandet ist, und dem mysteriösen Konkurrenten „Team 2“ mit bemerkenswert fiktiven Millionen im Säckel.

Als am 5. September 2017 die neue Vereinsführung um Präsident Martin Fröhlich in der Aula des Einhard-Gymnasiums recht überzeugend vom Souverän ins Amt gehievt wird, hätte niemand auf diese Erfolgsstory gewettet: Das Quintett schafft tatsächlich Gelder ran, die erstens die „Schwarze Null“ ermöglichen und zweitens Trainer Fuat Kilic die Verstärkung des Kaders erlauben.

Im Sommer 2018 scheitern die Jungspunde ganz knapp am Aufstieg hinter den Uerdinger Millionären. Aber der Gewinn der Herbstmeisterschaft Ende des Jahres mit großem Vorsprung macht die Fans für 2019 positiv nervös.

Die Öcher strömen wieder in den Tivoli, es ist Ruhe im Verein, es gibt keine profilierungssüchtigen Möchtegernbesserwisserintriganten von außen, keine Verbandsstrafen wegen Fan-Ausschreitungen – und auf einmal hat auch die Aachener Kommunalpolitik entdeckt, dass Alemannia als Werbeträger immer noch funktioniert. Und die Dauerschleifengesänge aus dem Ultrablock sind gegen spielbezogene Anfeuerungen ausgewechselt. (Hans-Peter Leisten)

 

Weil‘s beim Einzelhandel endlich „Klick“ macht

Geschafft. Amazon ist auf dem Abstellgleis. Der stationäre Handel erobert die Straße zurück. Endlich. Weil‘s beim Aachener Einzelhandel 2018 „Klick“ gemacht hat. Auf einer gemeinsamen Online-Plattform haben sich die kaiserstädtischen Geschäftsinhaber nicht nur branchenübergreifend organisiert – nein, sie bieten ihren Kunden zu knackigen Konditionen ein beeindruckend breites Produktportfolio.

Zusammen! Klamotten, Handtaschen, Elektroartikel, Kosmetik – alles gibt‘s hier in Aachen vor Ort. Und weil der Konsument angesichts des nahezu unerschöpflichen lokalen Angebots begriffen hat, dass die Shops im Städtchen nur Zukunft haben, wenn sie besucht werden (egal ob tatsächlich im Laden oder via Internet), greifen sie zu. Aachen first. Geliefert wird 2018 gerne nach Hause, am liebsten im Elektro-Lastenbike.

Tüten schleppen? Von gestern. Stattdessen bleibt Zeit für einen Milchkaffee im nächsten Straßencafé. Mit toller Aussicht. Denn immer weniger Paketlieferfahrzeuge bedieseln den Stadtkern. Auf die Beine gestellt haben das die Hochschulen in Kooperation mit dem Handelsverband. Exzellent. (Robert Esser)

 

Auf zwei Rädern zum Erfolg: Die Tour de France ist Dauergast

Wenn das keine Werbung für die – nun auch ganz offiziell – fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands ist! Als die Macher der Tour de France Anfang 2018 kurzerhand sämtliche Pläne für das berühmteste Radrennen der Welt umwerfen, ist das Erstaunen groß. Eine komplette Etappe durch Aachen? Den Vennbahnweg entlang, den Lousberg hinauf und nicht zuletzt noch ein Rennen am Krugenofen? Aber sicher doch, denken sich nicht nur die Experten aus Frankreich, sondern auch die hiesige Politik.

Schließlich pumpt diese im ersten Quartal 2018 ordentlich Geld in den Ausbau des Radwegenetzes. Die Finanzspritze durch den Bund für die Radvorrangroute 1 ist da nur der Anfang. In keiner anderen Stadt fährt es sich so geschmeidig, so komfortabel und so angenehm mit dem Rad wie in Aachen – das bestätigen nun nicht nur repräsentative Umfragen, sondern auch die Radprofis höchstpersönlich.

Der einzige Dämpfer des Spektakels im Sommer 2018: Bei einigen Tour-Teilnehmern werden ungewöhnliche Blutwerte festgestellt. Doch zum Glück folgt bald die Entwarnung: kein Epo, keine unerlaubten Werte von Asthmamitteln. Die Sportler haben sich lediglich zu viele Jodtabletten eingeworfen. (Annika Kasties)

 

Kolossaler Klops: Fastfood-Kette am Ludwig Forum öffnet viele Türen

Na endlich: In einer brandheißen Sitzung kurz vor der Sommerpause 2018 erteilt der Rat dem ebenso heiß ersehnten Gastronomiekonzept fürs Ludwig Forum grünes Licht. Nur die Linke enthält sich mal wieder der Stimme. Im Herbst eröffnet eine sattsam bekannte US-Fastfoodkette in der ehemaligen Schreinerei des Hauses. Vereinzelte „Burger“-Proteste verhallen ungehört. Borofskys berühmter Ballerina-Clown wird gar als Werbeträger mit Frittentüte und Fleischklopsbrötchen ausstaffiert. Sein Schöpfer kassiert fett(ig)e Tantiemen.

Klar, dass dank neuen Sponsors ab 2019 kein Museumseintritt mehr fällig werden soll. Denn der Coup macht Schule und spült Knete ins gebeutelte Stadtsäckel. Am Couven-Museum glitzert seit Weihnachten ein Leuchtschild mit dem Logo eines schwedischen Möbelhauses. Vor dem Suermondt-Ludwig-Museum soll zum Tefaf-Spektakel 2019 eine 12,5 Meter hohe Bierpulle, gestiftet von einem niederländischen Gerstensaftmagnaten, die Werke flämischer Meister schmackhaft machen.

Die Fassade des Centre Charlemagne ziert das überdimensionale Konterfei eines frankophilen Modezaren (Vorname Karl), inklusive Zöpfchen und Sonnenbrille. Schöner Nebeneffekt: Die Zuschüsse für die „freie“ Kultur werden um 500 Euro erhöht. Nur notorische Kritikaster poltern: Das Ehepaar Ludwig rotiere im Grabe, das Marketingkonzept sei ein Verrat am Bildungsauftrag usw. Der OB kontert souverän: „Ich liebe es!“ (Matthias Hinrichs)

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