Der erste Patientenbesuch musste noch per Rad erfolgen

Von: Peter Schopp
Letzte Aktualisierung:
10995871.jpg
Beleuchteten die Entwicklung in den vergangenen zehn Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Name ist eher schwierig auszusprechen: Gerontopsychiatrisches Zentrum (GPZ) am Alexianer-Krankenhaus Aachen. Vielleicht ist das ja auch einer der Gründe, weswegen viele Menschen bis heute noch nicht wissen, wie groß die Palette der möglichen Hilfestellungen bei Abhängigkeits-, Depressions- oder Demenzproblemen im Alter ist.

Entsprechend niedrig ist auch die Anzahl derer, die Hilfe in entsprechenden Notsituationen in Anspruch nehmen. Um dem entgegenzuwirken, baute Dr. Andreas Theilig, Chefarzt der Gerontopsychiatrie am Alexianer-Krankenhaus, mit kleiner Personalbesetzung vor genau zehn Jahren das GPZ auf.

„Wir haben wirklich mit einem Fahrrad, um die Menschen zu erreichen, einem Handy, um selbst erreichbar zu sein, und dem Krankenpfleger der ersten Stunde, Eckhard Weimer, ganz klein angefangen“, blickt Theilig sichtlich stolz während einer kleinen Feierstunde zum Jubiläum auf die Anfänge zurück. Er und seine Mitarbeiter haben damals wohl den richtigen Gedanken gehabt: Die Nachfrage wächst stetig und mit ihr das ganze Zentrum.

In Zeiten, in denen familiäre Strukturen auseinanderbrechen und betroffene ältere Menschen dort keinen Halt mehr finden, sei es an der Zeit gewesen, diese entstehende Lücke zu schließen, fügt Birgit Boy, Regionalgeschäftsführerin der Alexianer Aachen GmbH, an.

Sie hält es für falsch, die Gerontopsychiatrie auf den Begriff „Demenz“ zu reduzieren. Ihre „Gäste“, wie die Patienten hier genannt werden, kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Strukturen mit ganz unterschiedlichen Schweregraden der Erkrankung. Daraus ergeben sich die unterschiedlichsten Bedürfnisse. Aufgrund der vielfältigen Hilfs- und Therapiemöglichkeiten steht die Abkürzung GPZ wohl auch für „Ganz persönlicher Zuschnitt“.

Individuell reagieren

Dies ist nämlich das Ziel der Verantwortlichen. „Jeder Mensch hat in seiner Problematik ganz individuelle Bedürfnisse und Möglichkeiten. Darauf reagieren wir am Alexianer-Krankenhaus“, stellt Theilig den familiären Charakter des Zentrums heraus. Auch wenn mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter am GPZ tätig sind, so sind die einzelnen Einrichtungen überschaubar und sorgen für eine gewisse Geborgenheit der „Gäste“.

Heute umfasst das GPZ zwei Stationen mit 40 Plätzen, eine Tagesklinik mit zehn Plätzen, eine Insti-tutsambulanz, die gerontologische Beratungsstelle und eine integrative Seniorentagesstätte, die „Flora“.

In den jeweiligen Einrichtungen werden alle psychischen Erkrankungen des Alters behandelt, wobei Schwerpunkte demenzielle Erkrankungen, kognitive Störungen (Beeinträchtigungen der Denkleistung), depressive Störungen, Angst- und Suchterkrankungen sowie psychische und geistige Behinderungen sind.

Auch wenn die Strukturen am GPZ beeindruckend sind, bedarf es zusätzlich einer guten Vernetzung in der Region. Theilig nennt beispielhaft ambulante Pflegedienste oder palliativmedizinische Einrichtungen.

Für den Moment ist man am GPZ mit dem Erreichten zufrieden. Aber die nächsten Schritte sind schon geplant. Die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe wird intensiviert, eine Sprechstunde für Menschen mit kognitiven Störungen wird eingerichtet, und letztendlich sind auch bautechnische Veränderungen notwendig, um nur einige Punkte zu nennen.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert