Der Dombaumeister hat einen Stein im Brett

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
4800226.jpg
Herrenabend: Die Krüzzbrür zeichnen Dombaumeister Helmut Maintz (von links) mit ihrem Orden aus. Mit dem neuen Träger freuen sich Präsident Martin Waldeck, Laudator Marcel Philipp, Domkapitular Franz-Josef Radler und Vorsitzender Franz Josef Staat. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Sein Leben ist eine Baustelle. Sagt der Oberbürgermeister. Dann passt er ja gut nach Aachen. Sagt Dr. Manfred Birmanns. Alles klar, auf diesen Helmut Maintz können die Kürzzbrür bauen. Dialoge wie diese sind es, die den Herrenabend der Krüzzbrür ausmachen – einem der mit Sicherheit originellsten Abende im Aachener Karneval.

Ganz sachlich betrachtet, wird bei diesem Herrenabend einem (meist) mehr oder weniger bekannten, stets humorigen Aachener der Krüzzbrür-Orden überreicht. Diesmal eben an Dombaumeister Helmut Maintz. Laudator war sein Vorgänger, OB Marcel Philipp. Seit 1973 verleihen ihn die Krüzzbrür, was so viel heißt wie Kreuzbrüder, was bedeutet, dass diese auf den Pfarrausschuss Heilig Kreuz zurückzuführen sind.

So weit, so gut. Aber sachlich oder nüchtern lässt sich dieser Herrenabend nicht in Worte fassen. Denn er lebt von allem, was nicht im Protokoll steht, von den spontanen Einwürfen seiner Besucher, von einem liebevollen Chaos in der Kulisse des Restaurants „Am Knipp“ am Bergdriesch.

Ja, es ist schon ein Kreuz mit diesen Krüzzbrürn – zumindest für den neuen Ordensträger. Dem OB oblag es wie gesagt, das hohe Wort auf den Behüter der Kathedrale anzustimmen. Doch Dankesworte sind in dieser Herrenrunde – wo die Manier des „Ausredenlassens“ mit dem Mantel an der Garderobe abgegeben wird – diffiziler als die Bewahrung goldener Dommosaiken. Maintz schlug sich dennoch glänzend. In der urigen Knipp-Kulisse zwischen Kacheln und Kannen sorgte er für frischen Wind – und dozierte über die Auswirkungen von Flatulenzen – oder schreiben wir doch ganz ungeniert: Pupsern – auf sein edles Dom-Marmor. Hört, hört, ihr Herren Krüzzbrür! Der Mann hat Pfiff – und so schnell den sprichwörtlichen Stein im (Krüzzbrür-)Brett. „Selten wurde hier so viel Aufhebens um so eine flüchtige Sache gemacht“, erkannte Leo Bardenheuer, der mit Franz Josef Staat durch das Programm, das es eigentlich nicht gab, führte. Denn der Rest des Herrenabends waren spontane Eingaben der illustren Runde.

Natürlich ist nicht jeder Satz gelungen, nicht jede Rede hat Esprit, doch ins seiner Gänze ist der Herrenabend ein seltenes Erlebnis, von der ordnungsgemäß ungeordneten Begrüßung der vielen Ordensträger und letztlich nahezu aller Anwesenden bis zum rustikalen Büffet, dem, so Bardenheuer, gleichen Essen wie 1974 – nur frisch gemacht: hartgekochte Eier, Putter, Mettbrötchen, Heringssalat und Lachsersatz.

Ansonsten oder gerade in diesen traditionellen Details beweisen die Krüzzbrür Geschmack. Selbstironie ist quasi Zutrittsgebot, Hein Engelhardt dichtet, Birmanns (Ordensträger 2002) reimt, und der ganze Knipp singt: „Trinkfest und arbeitsscheu, aber der Kirche treu, Halleluja“.

Sozusagen himmelhochjauchzend nimmt Helmut Maintz da seinen Orden entgegen. Willkommen im Kreis der Ordensträger, er ist der 41.. Aber mit altem Eisen – pardon, werte Herrschaften – kennt sich so ein Dombaumeister bekanntlich aus. Darauf kann das Münster bauen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert