Der bröckelnde Putz stört die Ruhe der Toten

Von: Andreas Gabbert
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Was lange verborgen blieb, ist jetzt offensichtlich: Das Gewölbe der Grabeskirche St. Josef muss aufwendig saniert werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Ruhe der Toten zu stören, ist nicht schicklich. In diesem Fall aber unvermeidlich, denn was lange Zeit im verborgenen schlummerte, ist jetzt offensichtlich: Schäden im Gewölbe der Grabeskirche St. Josef machen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Nötig waren die Maßnahmen wohl schon länger, doch selbst beim Umbau der Kirche vor drei Jahren offenbarten sie sich nicht. Erst als sich im Januar 2008 Teile des Putzes und darin befestigte schmiedeeiserne Montageanker lösten, wurde das Problem erkannt.

Die Ursachen des Problems führen in die Kindertage der Bundesrepublik. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Wiederaufbau des neugotischen Kirchenbaus aus dem Jahr 1894, war zunächst kein Geld für ein Dach vorhanden. Das tat der Gewölbekonstruktion aus Bims, einem recht porösen Material nicht gut.

Auch die Kombination aus Materialien, die sich nicht vertragen, war aus heutiger Sicht ein Fehler. Zum Schutz hatte man die Bimsgewölbe mit einer dicken Zementschale überzogen, die im Laufe der Jahre und Jahrzehnte den weichen Bimsstein zerrieb. Wasser und Frost drangen ein und richteten weiteren Schaden an. „Früher hat man viele Dinge gemacht, von denen man nicht wusste, dass sie später Probleme verursachen”, erklärte Architektin Barbara Probst bei einer Besichtigung der Baustelle.

Großbaustelle unter dem Dach

Über den Gewölben unter dem Dach der Kirche erwartet den Besucher eine Großbaustelle - ein Labyrinth aus Gerüsten, Stützen, Treppen und schmalen Stegen. In einem ersten Bauabschnitt werden die am stärksten betroffenen Gewölbe saniert, in einem zweiten Bauabschnitt folgen Reparaturen an den weniger schadhaften Gewölben. Einige Teile des Gewölbes sind bereits saniert, an anderen Teilen sind die Arbeiten noch im vollen Gange. Arbeiter tragen die Zementschale ab, anschließend wird der lose Bims abgefegt und abgesaugt. Der verbliebene Bimsstein wird mit einer Lösung getränkt. „Das verstärkt die Kalkstruktur im Bimsgestein und sorgt für Elastizität”, weiß Probst. Zum Schluss wird eine Schutzschicht aus Kalkmörtel aufgetragen. „Der ist weich wie Bims.”

Auch von unten wird an den Gewölben der Kirche gearbeitet. „Hier werden Salzausblühungen weggeschlagen, anschließend wird die Decke wieder neu bemalt”, erläutert die Architektin.

Die Kosten des Projektes belaufen sich auf rund 1,6 Millionen Euro. 800000 Euro kommen vom Bund, 250000 steuert das Land bei, 200000 das Bistum. Der Rest wird durch Eigenmittel und Spenden finanziert. Als „Dankeschön” überreichte Geschäftsführerin Edith Bircken jetzt den ersten Spendern jeweils einen der schmiedeeisernen Anker, durch die man auf das Problem aufmerksam geworden war. „Um das Projekt erfolgreich zu Ende führen zu können, benötigen wir noch viele Unterstützer. Wir sind für jede Hilfe dankbar”, sagte Bircken und hofft auf weitere Spender. Erreichbar ist die Kirchengemeinde St. Josef und Fronleichnam unter 0241/501040.

Fertigstellung Ende 2010

Bis wieder Ruhe in der Grabeskirche einzieht, wird es wohl noch eine Weile dauern. Mit dem Abschluss des ersten Bauabschnittes rechnet Probst im Januar oder Februar.

„Das hängt von der Witterung ab. Wir hoffen, dass es warm bleibt.” Der zweite Abschnitt soll im Oktober/November 2010 fertig sein.
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