Aachen - „Der Auftrag“: Heiner Müllers Stück bietet Faszination satt

„Der Auftrag“: Heiner Müllers Stück bietet Faszination satt

Von: Grit Schorn
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Es hat Regisseur Paul-Georg Dittrich sehr gereizt, das Stück „Der Auftrag“ von Heiner Müller auf die Bühne zu bringen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Heiner Müller (1929-1995), der überzeugte Sozialist, wagte immer wieder, auch die Brüche von Freiheitsgedanken und Revolution aufzuzeigen. Zeitweise im Osten wie im Westen präsent und anerkannt, hatte er nach der Wende 1989 buchstäblich nicht mehr viel zu sagen.

Neben der praktischen Theaterarbeit am Deutschen Theater in Berlin legte er einen kleinen Gedichtband vor und gab Interviews zur Lage der (vereinten) Nation. 1992 übernahm er mit Zadek, Palitzsch, Marquardt und Langhoff die Leitung des Berliner Ensembles, ab 1994 ist er dort allein verantwortlicher Intendant und unterliegt am 30. Dezember 1995 seiner schweren Krankheit.

Schön, dass sich das Theater Aachen jetzt an Müllers Einakter „Der Auftrag. Erinnerung an eine Revolution“ heranwagt. Das Stück feiert am Freitag, 18. September, in der Kammer Premiere.

Der Stoff geht zurück auf Anna Seghers Erzählung „Das Licht auf dem Galgen“ (1961). In Frankreich hat die Revolution gesiegt und Robespierre sendet drei Genossen in die Karibik. Sie sollen im Zeichen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die britische Kolonialmacht stürzen und die Sklaven auf den Plantagen befreien. Doch der Plan scheitert: Während der Sklave Sasportas und der bretonische Bauer Galloudec umkommen, tarnt sich der Arzt Debuisson als Sklavenhalter. In Frankreich ist inzwischen Napoleon an der Macht – die Militärdiktatur hat andere Ziele. Und der einstige Freiheitsheld Debuisson fährt einem privilegierten Leben entgegen.

In fiktiven Rollen versuchen die drei neue Positionen zu entwickeln, mit Träumen und Rollenprosa wird das Thema vertieft. Zu dem revolutionären Trio gesellen sich noch zwei allegorische Figuren und ein Mann im Fahrstuhl – alle kämpfen um die „Erinnerungsfetzen“ der Revolution.

Regisseur Paul-Georg Dittrich, der am Theater Aachen bereits mit „Orlando“ und „Gaunerstück“ reüssierte, hat der „zeitlose Stoff“ sehr gereizt. „Auch weil die Geschichte zum Nachdenken anregt…“, sagt er.

Nur 65 Minuten soll das Stück dauern, das 1980 in Ostberlin uraufgeführt wurde. Die fünf Schauspieler Elke Borkenstein, Torsten Borm, Thomas Hamm, Rainer Krause und Neuzugang Simon Rußig sollen eher als „Performer“ denn als Mimen in klassischem Sinne auftreten. Dass der Text „auch Widerstand bietet“, weiß Dramaturg Harald Wolff ebenso wie Regisseur Dittrich, den die „sprachgewaltigen Versatzstücke“ Müllers faszinieren. Insgesamt wohl ein wahrer „Kraftakt“ in der Kammer.

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