Der Anruf ereilt den Karlspreisträger im indischen Jaipur

Von: Stefan Herrmann
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Einstimmig für Timothy Garton Ash: Das Karlspreisdirektorium um Sprecher Jürgen Linden und OB Marcel Philipp. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Am Ende erreichten sie ihn dann doch noch im 6335 Kilometer entfernten indischen Jaipur. Dort hatte Timothy Garton Ash am Samstagnachmittag gerade noch einen Vortrag gehalten, bevor er die mehrfachen Anrufversuche auf seinem Handy bemerkte. Deutsche Vorwahl. Genauer gesagt: direkt aus Aachen.

Und so fanden sie dann doch noch zusammen, das Karlspreisdirektorium und sein neuer Wunsch-Preisträger. Der britische Historiker von Weltruf habe sich „unsäglich gefreut“, wie der Vorsitzendes des Karlspreisdirektoriums Dr. Jürgen Linden am Sonntag der Presse im Aachener Rathaus mitteilte.

Nur habe man ihn eben erst so spät erreicht, dass man die eigentlich für Samstag geplante offizielle Verkündung des neuen Preisträgers kurzerhand um einen Tag auf den Sonntag verschieben musste. „Wir waren eigentlich bereit“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp. Nur könne man halt erst dann mit dem Namen des neuen Karlspreisträgers an die Öffentlichkeit treten, wenn dieser auch eingeweiht sei.

Einen großen Namen wie in den Vorjahren ein Martin Schulz (2015) oder Papst Franziskus (2016) präsentierte das Direktorium anno 2017 indes nicht. Ganz bewusst, wie OB Philipp betonte. „Bei unserer Wahl stand nach dem Papst nicht der Wettlauf um die größtmögliche Prominenz im Mittelpunkt.“ Und so griff das Gremium in diesem Jahr auf einen Wissenschaftler zurück, dessen Forschungsschwerpunkt die Gegenwartsgeschichte Europas ist. „Er gehört dabei seit mehr als 20 Jahren zu den größten Kritikern der europäischen Entwicklungen und Institutionen“, erläuterte Linden. Zugleich geschehe dies bei Garton Ash aber in einer beispiellos kontruktiven Art und Weise.

Europaabgeordnete Sabine Verheyen (CDU) lobt die Entscheidung des Direktoriums: „Garton Ash steht wie kein anderer für den Zusammenhalt in Europa und für einen offenen Diskurs über Werte, den wir führen müssen.“ Aachens CDU-Chefin Ulla Thönnissen sagt: „Er setzt sich dafür ein, dass Werte auch in einer digital veränderten Welt erhalten bleiben. Dabei betont er vor allem die Wichtigkeit der Redefreiheit, der gewaltfreien Kommunikation, und setzt somit auch ein Zeichen gegen populistische Strömungen, Nationalismus und Kleinstaaterei.“

Auch SPD-Fraktionschef Michael Servos lobte die Entscheidung des Karlspreisdirektoriums am Sonntag gegenüber der AZ als eine „tolle und rundum unaufgeregte Wahl“. Timothy Garton Ash stelle einen bemerkenswerten „Gegenpol zum postfaktischen Rechtspopulismus“ dar. „Er tritt sehr differenziert für die freie Rede ein“, so Servos. Mit Garton Ash werde vielleicht nicht auf den großen Namen, sondern vor allem auf den Inhalt gesetzt.

Auch Grünen-Fraktionssprecherin Ulla Griepentrog lobt: „Ein spannender Mensch zur richtigen Zeit. Seine Ideen zu Werten – und wie man in der zunehmend digitalisierten Welt kommuniziert – werden uns viele spannende Diskussionen bringen.“

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