Den Studentenbuden auf den Zahn gefühlt

Von: Robert Esser
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Mehr als Lückenfüller: An der Ecke Junkerstraße/Vaalser Straße bauen Investoren aus Mönchengladbach 25 Appartments für Studenten und ein Ladenlokal. Ende 2012 soll das rechte Bild verwirklicht sein. Foto (li.): Jaspers Foto: li.): Jaspers

Aachen. Mut zur Lücke beweisen zwei Zahnärzte aus Mönchengladbach. Auf der Suche nach lohnenden Investitionsprojekten landeten die vermögenden Doktoren in der Universitätsstadt Aachen.

Und hier gleich an zwei Ecken: Anstelle einer längst verrammelten Kneipe, die seit Jahren an der Kreuzung Junkerstraße/Vaalser Straße vergammelte, errichten sie 25 Studentenappartments auf 1200 Quadratmetern.

75 kleine Wohneinheiten bauen die Mediziner gleichzeitig an die Ecke Roermonder Straße/Kavenstraße (3000 Quadratmeter). Der Studentenboom an Aachens Hochschulen und der Mangel an entsprechendem Wohnraum locken immer mehr Investoren. „Das deutete sich durch die hohe Nachfrage auf der jüngsten Immobilienmesse Expo Real in München an”, sagt Fritz Rötting, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer. „Projektentwickler und Immobilienfonds haben studentische Wohnanlagen im Umfeld der Exzellenz-Uni als lohnende Investition entdeckt”, stellt er fest.

Studentenwerk stockt auf

Derzeit zählt man bereits annähernd 47.000 Studierende in Aachen. Doppelter Abi-Jahrgang und die Aussetzung der Wehrpflicht könnten die Zahl ab 2013 auf mehr als 50.000 schrauben. RWTH, Fachhochschule und Stadt haben deswegen die Kampagne „Extraraum schaffen” aufgelegt, die sowohl auf den ungenutzten Dachboden von Einfamilienhäusern als auch auf große Bauvorhaben abzielt.

Allein das Studentenwerk, das derzeit 4729 Studierende in 22 Wohnheimen beheimatet, plant drei Großprojekte: In Jülich, an der Hainbuchenstraße und am Kastanienweg sollen neue Wohneinheiten für rund 650 Studierende entstehen. Etwa 3000 Studierende stehen zum Wintersemester 2011/12 auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz.

Studentenwerks-Geschäftsführer Dirk Reitz hat längst alle Hebel in Bewegung gesetzt. Die Finanzierung der Wohnheimneubauten erfolgt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau und voraussichtlich über die Schuldendiensthilfe des Landes NRW - die macht jährlich 300.000 Euro aus. „Ansonsten gibt es keine Förderung für die Belange der Studierenden.

Während die Hochschulen hunderte Millionen Euro für die Doppelabiturjahrgänge bekommen, gehen die Studentenwerke fast leer aus”, kritisiert Reitz. Er glaubt, dass viele Studierende aufgrund der hohen Mieten und des knappen Angebots in der Innenstadt ins Umland ausweichen müssen. Wobei die Verkehrsanbindung in die Städteregion jetzt schon prächtig ist. Mit der Euregiobahn dauert eine Fahrt von Eschweiler, Stolberg oder Herzogenrath bis zum Campus nur wenige Minuten.

Eile ist geboten. Auch die Nachbarn an der niederländischen und belgischen Grenze schielen auf Aachener Studenten. In der Kaiserstadt laufen gegenwärtig - neben den Plänen des Studentenwerks - mehr als zehn Bauvorhaben, die gezielt für Studierende konzipiert sind. Aber: „Man kann ernsthaft niemanden bewegen, nur für einen Zeitraum von zirka fünf bis acht Jahren Wohnraum für Studierende zu schaffen. Die Investitionskosten für Wohnheime amortisieren sich nicht in dieser kurzen Zeitspanne”, warnt Reitz. Denn nach dem Boom erwarten viele Experten aufgrund der demografischen Entwicklung eine schmerzhafte Talsohle bei den Studierendenzahlen.

Flexible Lösungen sind deswegen gefragt: Am Veltmanplatz will das Architekturbüro KadaWittfeld im Auftrag der Aachener Landmarken AG das ehemalige Wollforschungsinstitut in 220 studentische Wohneinheiten auf 6500 Quadratmetern verwandeln, die - je nach späterem Bedarf - mit wenig Aufwand zu größeren Familienwohnungen umgebaut werden können. Ein Zukunftsmodell.

Im Bau sind unterdessen - unter anderem - bereits Studentenappartments an der Rütscherstraße und der Sandkaulstraße. Wohneinheiten im komplett umgebauten Versorgungsamt in der Schenkendorfstraße mit 64 Betten werden gerade bezogen. Für hunderte weitere Appartments - etwa an der Brabantstraße neben dem Schwedenpark - liegen Voranfragen und Bauanträge vor. Der Fachbereich 63, auch zuständig für studentisches Wohnen, rechnet derzeit mit 1321 Betten, in denen bei den größeren Bauvorhaben bis spätestens 2014 Studenten liegen werden. Nötig sind angesichts der Prognose für die kommenden Jahre wesentlich mehr. Wie viele Privatleute Wohnraum für Studenten zusätzlich verfügbar machen, ist völlig unklar.

Klar ist, dass Investoren an vielen Stellen Aachens nunmehr hässliche Lücken schließen. Und damit nicht nur die beiden Zahnärzte das Profil der Universitätsstadt kräftig aufpolieren.
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