Aachen - Den Museen laufen die Besucher weg

Den Museen laufen die Besucher weg

Von: Robert Esser
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Negativtrend: Das Suermondt-Ludwig-Museum zählt immer weniger Besucher. Foto: Harald Krömer
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Kultur auf Kurs: Dezernent Wolfgang Rombey rechnet mit höheren Besucherzahlen im Karlsjahr 2014.

Aachen. Was sich Aachen in Sachen Kulturbetrieb leistet, kostet Jahr für Jahr mehr Geld. Seit 2006 wuchsen die städtischen Jahreszuschüsse für alle Museen, das Stadtarchiv, die Musikschule etc. von 7,9 auf 15,5 Millionen Euro. Damit kosten sämtliche kulturellen Einrichtungen der Kaiserstadt, die der Kulturbetrieb als „eigenbetriebsähnliche Einrichtung“ weitgehend autark managt, etwa genauso viel wie der Betrieb des städtischen Theaters.

Der Musentempel wirtschaftet ebenfalls eigenverantwortlich. Kulturdezernent Wolfgang Rombey, dessen Pensionierung kurz bevorsteht, hat dennoch am Montag eine durchweg positive Bilanz der vergangenen Jahre vorgelegt. „Wir sind gut aufgestellt. Der Kulturbetrieb ist ein Erfolgsmodell für Aachen“, sagt er.

So listet sein jüngster Geschäftsbericht auf 66 Seiten eindrucksvoll auf, in welcher Vielfalt der Kulturbetrieb unter der Leitung von Olaf Müller die Stadt bereichert – von der Vermietung des Kurhauses für Hochzeitsgesellschaften bis hin zu den großen Ausstellungen.

Die großen Museen ziehen bei steigenden Kosten allerdings immer weniger Besucher. So zählte das Ludwig Forum 2012 nur 17 906 zahlende Gäste. Das sind zwar fast 13.000 weniger als 2011, aber immerhin knapp 6000 mehr als im Rekordminusjahr 2009. Dramatisch schwach entwickelt sich das Suermondt-Ludwig-Museum: Nur 16.848 Besucher kamen 2012 (2011: 28.482). Und die ersten vier Monate dieses Jahres liefen sogar noch schlechter (minus 75 Prozent). „Ja, die Zahlen liegen unter unseren Erwartungen“, bestätigt Kulturbetriebs-Geschäftsführerin Irit Tirtey.

Bereits 2012 waren die Jahreseinnahmen aus Eintrittsgeldern in sämtlichen Museen um 100.000 Euro auf 451.000 Euro geschrumpft. Die Prognose für 2013 sieht weitere 50.000 Euro weniger vor. Weil außerdem viel weniger Kursgebühren fließen, die Erlöse aus den Museumsshops verschwindend niedrig sind und das Centre Charlemagne mit mehrmonatiger Verspätung erst am 24. Januar 2014 seine Pforten öffnet, läuft derzeit ein Defizit von mehreren hunderttausend Euro auf. „Wir werden dies bis zum Jahresende aber anderswo ausgleichen können und in jedem Fall unseren Etat einhalten“, verspricht Tirtey. Notfalls müssten eben Ausstellungen gestrichen werden, heißt es.

Umso mehr Zulauf verzeichnet die Musikschule. 98 Lehrkräfte unterrichteten 2012 exakt 4145 Schüler. Die Warteliste ist lang. Und die Schulgelder in Höhe von 1,2 Millionen Euro sind neben den Zuschüssen der öffentlichen Hand die wichtigste Einnahmequelle des Kulturbetriebs. Noch in diesem Jahr wird die Musikschule am Blücherplatz saniert.

Die meisten Besucher zählt übrigens die Stadtbibliothek pro Jahr: 340.000 Menschen liehen laut Geschäftsbericht 900.000 Bücher aus. Weitere 100.000 Ausleihen ordnet man dem neuen Bücherbus zu. So soll die Bibliothek 173.500 Euro an Benutzungsgebühren und 79.500 Euro Säumnisgebühren einfahren.

Rombeys Fazit: „Auch wenn Aachen nur 238.000 Einwohner zählt – wir genießen als Kulturstadt einen hervorragenden Ruf.“ Deswegen sei es nun „der passende Zeitpunkt, das Schiff zu übergeben. Die Mannschaft ist an Bord, die Segel sind gesetzt. Wir sind zwar noch nicht am Ziel, aber auf gutem Kurs“, resümiert der scheidende Dezernent. 

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