Den Menschen so fotografieren, wie er ist

Von: Sarah Sillius
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Ungewohnt, plötzlich selbst abgelichtet zu werden: Lothar Wels ist Fotograf aus Leidenschaft. Gesichter erzählen für ihn „die längsten und eindrucksvollsten Geschichten”. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein Mann mit krausem, lockigen Haar blickt zur Seite, den Kopf leicht nach oben geneigt. Dabei spiegelt sich das Licht in seiner Brille. Fast lächelt er. Auf jeden Fall sieht er zufrieden aus, der Mann, der auf dem Bild zu sehen ist. Er ist einer von den Menschen, die Lothar Wels vor seiner Kamera hatte. Nun ist der Mann in dessen Fotogalerie zu finden.

Lothar Wels hat in den Karmeliterhöfen zusammen mit der jungen Fotografin Maria Lisicki und Make-up-Artist Kerstin Burgmer einen geeigneten Platz für sein kreatives Schaffen gefunden. Kronleuchter, Spiegel, Accessoires und Kleidungsstücke schmücken das lichtdurchflutete Studio, Musik tönt aus den Boxen, nostalgische Gartenmöbel sind vom letzten Shooting übrig geblieben.

In der Welt herumgekommen

Wenn Wels von seinem Beruf spricht, dann sehr überlegt und mit vielen Redepausen. „Ich will den Menschen so fotografieren, wie er ist.” Fasziniert haben ihn Portraits schon immer, doch hat sich der selbstständige Fotograf nicht ausschließlich diesem Genre gewidmet. Gebäude, Autos, Schmuck und Landschaften hatte er vor seiner Kamera. Meist waren das Aufträge für die Werbebranche.

So ist der Fotograf natürlich rumgekommen in der Welt: New York, Toronto, Brüssel und Berlin sind nur einige der Städte, in denen er fotografiert hat. Seiner Heimatstadt Aachen ist er trotzdem treu geblieben. „Ich reise nicht mehr so gerne”, sagt er.

Zuletzt lag die aktuelle Fotostrecke für das Das Da Theater in seinen Händen. Ob Mensch oder Autoreifen - bei all den unterschiedlichen Motiven bleibt die Anforderung die Gleiche: „Das Bild muss eine Geschichte erzählen.”

Zeitlose Dokumente schaffen

Mit seinen Portraits will Wels zeitlose Dokumente schaffen. „Wir leben in einer sehr schnelllebigen Zeit. Das Porträt ist das, was bleibt.” Klar, Wels hat auch hin und wieder professionelle Models vor der Kamera, aber zum Großteil sind es Menschen „wie Du und Ich”. „Es geht nicht um Schönheit, sondern um den Charakter des Menschen”, findet er.

Um den kennenzulernen und im Bild zeigen zu können, unterhält sich Wels zuerst mit dem Kunden. Erst danach wird fotografiert. „Bei manchen geht das schneller als bei anderen.” Hin und wieder passiere es sogar, dass jemand erst nach dem Shooting locker wird. „Dann wird eben nochmal fotografiert.”

Wenn der Fotograf durch die Stadt geht, entdeckt er oft jemanden, dessen Gesicht er unbedingt fotografieren will. Dann lädt er den Passanten zu sich ins Studio ein. „Gesichter erzählen eben die längsten und eindrucksvollsten Geschichten.” Es sind vor allem „offene und authentische Gesichter”, die ihm gefallen.

Als Koch-Lehrling rausgeflogen

Zur Fotografie ist Wels auf Umwegen gekommen. Eigentlich wollte er Koch werden, und begann eine Lehre. „Aber das war nicht das Richtige, ich bin rausgeflogen”, erzählt er. Dann wollte er Kameramann werden. „Ich hab´ mich schon immer sehr für Filme interessiert, in den 80ern auch Industriefilme gedreht und Drehbücher geschrieben.”

Der Weg zur Fotografie lag dann nicht mehr fern. Bis heute ist Wels von seiner Berufswahl überzeugt. „Es gibt doch nichts Schöneres als Bilder zu machen, oder?”

In den nächsten Tagen wird Wels den Schauspieler und Regisseur Klaus Maria Brandauer fotografieren, der nach Aachen kommt. Der Österreicher ist einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, die sich auch in Hollywood einen Namen gemacht haben.

Davor wird noch „ein amerikanischer Pferdeflüsterer” vor Wels Kamera stehen. Der Fotograf hat schon eine Idee, wie das Portrait aussehen könnte. Die Hände des Mannes sollen auf jeden Fall mit auf das Bild. Die sind schließlich wichtig für den Mann und seinen Beruf. Und er soll ja so gezeigt werden, wie er ist.
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